Nachbarschaftsgarten nimmt Gestalt an

Nachbarschaftsgarten nimmt Gestalt an

Der Nachbarschaftsgarten in der Völklinger City nimmt Gestalt an. Auf 960 Quadratmetern, die die Versöhnungskirche zur Verfügung stellt, soll neben Blumen auch Gemüse wachsen. Und Parzellen wünschen sich die Hobbygärtner.

Im ehemaligen Pfarrgarten an der Völklinger Versöhnungskirche wird ein interkultureller Nachbarschaftsgarten entstehen. Neben Pflanzen soll dort auch die Gemeinschaft wachsen und gedeihen. Schon die Planung geht man zusammen an.

Nach einem ersten Info-Treffen im Januar steht am Mittwochnachmittag die Besichtigung des Gartens auf dem Programm. "Wir freuen uns, wenn hier Leben ist", sagt Pfarrerin Rita Wild. Die evangelische Versöhnungskirchengemeinde stellt die 960 Quadratmeter große Fläche kostenlos zur Verfügung.

Rund zwei Dutzend Gartenfreunde begutachten das Gelände. Ein-Euro-Jobber haben bereits Wildwuchs entfernt. Eine holprige Wiese und einige Bäume prägen das Bild. Krokusse und die rosa Blüten der Blutpflaume sorgen für Farbtupfer. Eine Besucherin pflückt ein Veilchen. Ob es wohl duftet? Andere greifen zu herumliegenden Ästen und stecken schon mal ihre Wunsch-Parzellen ab. Aber vielleicht soll die gesamte Fläche ja von allen gemeinsam bewirtschaftet werden?

Während des anschließenden Gedankenaustauschs im Café Valz ist man sich bei der Frage schnell einig. Neben einem Gemeinschaftsbereich soll es auch Parzellen geben, die in Eigenregie bearbeitet werden. Sechs syrische Flüchtlingsfamilien möchten in ihrem Teil Gemüse anpflanzen: Tomaten, Gurken , Paprika .

Einige Interessenten wollen selbst pflanzen, jäten und ernten, andere stehen lieber beratend zur Seite. Unterstützt wird die Gruppe vom Büro Agsta Umwelt. Die Planungsexperten haben einige Fotos des Gartens mitgebracht, mitsamt Gestaltungsbeispielen. Thomas Dillinger fordert dazu auf, Ideen einzubringen. Die Besucher lassen sich nicht lange bitten, ihre Vorschläge reichen von der Leseecke bis zum Insektenhotel.

Die Infrastruktur wird ebenfalls angesprochen. Gießt man mit gesammeltem Regenwasser, oder setzt man auf fließendes Trinkwasser? Als die Frage nach einer Toilettenanlage aufkommt, verweist Ludwin Scherer von der Stadt auf das begrenzte Budget von rund 40 000 Euro. Das Problem mit dem stillen Örtchen ist sicher zu lösen. Womöglich können die Gartenbauer werktags die Toilette des Café Valz mitbenutzen. Oder wie wäre es mit einem Kompostklo?

Die engagierten Gartenfreunde wissen, dass auch ihr Projekt wohl nicht gegen Zerstörungswut gefeit ist. "Je besser die Leute aus dem Quartier eingebunden sind, desto weniger passiert", glaubt Thomas Dillinger. Von Vandalen will man sich jedenfalls nicht ins Bockshorn jagen lassen.

Gegen Ende des Treffens wird noch über die Zeitschiene diskutiert: Ein Plan ist zu erstellen, und für die Vorarbeiten muss eine Firma beauftragt werden. Dieter Schumann, Projektkoordinator beim Diakonischen Werk an der Saar, hofft, dass die Gartennutzer bald starten können. Er befürchtet, dass sonst Interessenten abspringen.

Deshalb favorisiert er ein zweizügiges Vorgehen: Während der Gemeinschaftsbereich noch vorbereitet wird, sollen die ersten Pioniere in ihren Parzellen bereits loslegen. Die Ideen der Bürger werden die Agsta-Planer nun in einem Konzept zusammenfassen.

Zum Thema:

Auf einen BlickNeben dem Standort des Gartens steht auch schon fest, woher die zukünftigen Betreiber kommen. Die Förderprogramme "Soziale Stadt" und "Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier" (BIWAQ) geben die Grenzen vor. Bewohner der nördlichen Innenstadt sollen die Möglichkeit erhalten, Blumen , Gemüse , Kräuter anzubauen. Nächstes Treffen ist am 30. März, 17 Uhr, im Café Valz, Gatterstraße 13. Weitere Infos bei Günter Wagner und Miriam Wiesen, Telefon (0 68 98) 914 76 10, biwaq-qb@dwsaar.de. tan

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