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Nach der Corona-Pause starten auch die Kunststudenten in der Dependance in Völklingen

Handwerkergasse Völklingen : Zwischen freier Kunst und Corona-Einschränkungen

Zwei Monate lang mussten HBK-Studenten auf ihre Ateliers in Völklingen verzichten – eine schwierige Zeit für die Künstler.

„Wir wurden rausgebeten, konnten noch ein paar wichtige Sachen mitnehmen und direkt hinter uns wurden die Schlösser ausgetauscht. Wir durften dann etwa zwei Monate nicht mehr in unsere Ateliers zurück“, erinnert sich Julia Rabusai, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK), an den Shutdown Ende März. Die „Dependence S_A_R-Unit“ in der Handwerkergasse in Völklingen ist eine offene Projektwerkstatt der HBK. Der Standort ist nicht nur besonders, weil die Gasse mit ihren kleinen, urigen Häuschen zum Völklinger Weltkulturerbe gehört, sondern vor allem, weil er der Lebensmittelpunkt einiger Kunststudenten ist. Umso härter haben die zwei Monate, in denen hier geschlossen war, eingeschlagen.

Die Hochschule musste diesen Schritt gehen, da die Arbeit hier in der Handwerkergasse sehr frei, quasi von den Studenten selbst organisiert, abläuft. Normalerweise können sie die Ateliers rund um die Uhr nutzen – was Künstlern zum einen den nötigen Freiraum für Kreativität gibt, zum anderen auch einen freien Austausch zwischen ihnen ermöglicht.

„Wir hatten gerade angefangen mit dem Projekt „TanzPflanzPlan“ (online unter: www.tanzpflanzplan.at/), das von dem Professor für Bildhauerei und Public Art, Georg Winter, geleitet wird. In Kooperation mit der Landwirtschaftlichen Fachschule Grottenhof, dem Biogärtner Johannes Pelleter, den Anwohnern Wetzelsdorfs und einigen mehr wird ein zirka 1000 Quadratmeter großes Feld in Graz als „Raum zum Pflanzen und zum Tanzen“ genutzt. Das Feld liegt in Graz zwischen der Stadt und dem ländlichen Raum – genau richtig, um die Frage nach einer Annäherung beider Lebensarten zu stellen. Durch Rhythmus und Bewegung im Tanz, ebenso, wie durch Rhythmus und Bewegung im Kreislauf des Säens, Pflegens und Erntens, wird hier Kunst mit nachhaltiger Flächennutzung und der zukünftigen Gestaltung urbaner Räume verbunden. Auch Julia Rabusai ist mit einigen anderen Studenten in das Projekt involviert. „Wir haben dafür schon vor dem Shutdown hier in Völklingen den ersten Feldversuch gemacht und angefangen zu pflanzen. Und uns intensiv mit allem, was dafür nötig ist, beschäftigt. Etwa mit der Frage, wie welche Pflanzenart am besten gedeiht? Da gehört der Boden, die Pflege, die Sonneneinstrahlung und vieles mehr dazu.“ Während der Schließung der Dependance Völklingen, wurden die bereits gesetzten Pflanzen gerettet, indem die Hausmeister sie gegossen haben.

Schwieriger waren die zwei Monate für die Studenten, die hier ihr Material für Semesterprojekte lagern. Die Gasse besteht aus vielen kleinen und großen Atelierräumen, die mal alleine, zu zweit oder von mehreren Studenten zusammen genutzt werden. Im Schichtsystem werden die Räume verteilt, genau wie die Werkzeug-Ausstattung, die besonders vielfältig, vom Betonmischer bis hin zur Plasma-Schneidemaschine reicht. „Die ganzen Plastikeimer, in die wir zum Beispiel unsere Projektpflanzen gepflanzt haben, konnten wir kostenlos von einem Restaurant aus der Umgebung bekommen. Wir versuchen, möglichst viel an Material und Werkzeug unkommerziell zu erstehen – upcycling. Das ist auch Teil der nachhaltigen Philosophie“, erklärt Rabusai. Während des Shutdowns habe man natürlich auch auf Video-Konferenzen umstellen müssen. So gab Georg Winter zum Beispiel ein 3D-Seminar, bei dem die Studenten von zu Hause aus teilnehmen konnten. Auch die Thematik floss ein, indem beispielsweise die Abstandsregel künstlerisch in 3D-Formen umgesetzt wurde. „Es war trotzdem eine enorme Einschränkung, denn gerade die Public-Art-Studenten, die einen großen Teil der Nutzer hier ausmachen, brauchen ja den Austausch mit der Stadt, mit öffentlichen Räumen. Hier findet Kunst eigentlich immer in Verbindung mit Räumen außerhalb der Dependance statt“, beschreibt Rabusai, „zwei Studentinnen sind in die leere Bahnhofstraße in Saarbrücken gegangen und haben hier eine Performance-Aktion gemacht. Das hat die wenigen Leute, die damals auf der Straße waren, sehr gefreut.“ Dennoch sei es eine Zeit gewesen, die für Kunststudenten, die sonst ihren Alltag, ihre Arbeit und auch oftmals die Freizeit hier organisieren, sehr schwierig war. „Viele arbeiten im Kulturbereich, um sich das Studium zu finanzieren. Doch auch hier gab es ja keine Aufträge mehr. Also doppelt schwierig“, sagt Rabusai.

Umso schöner war es, als Ende Juni endlich wieder geöffnet wurde. „Wir saßen alle vor unseren Ateliers in der Gasse, denn drinbleiben wollte niemand“, beschreibt sie den ersten Tag in der Handwerkergasse. Eine Szene, die der ursprünglichen Nutzung der Häuschen als Werkstätten von Tischlern, Schlossern und Maurern der Völklinger Hütte vielleicht ganz ähnlich sah. Bisher sei der Normalbetrieb noch nicht in vollem Gange, es seien aktuell immer noch weniger Studenten hier als vor der Krise. Auch die Organisation sei schwierig, denn nun müsse ganz genau festgehalten werden, wer wann wo arbeitet – eine Einschränkung der Freiheit, die diesen Ort normalerweise ausmacht. Doch auch daraus kann in einer solch kreativen Umgebung vermutlich Kunst entstehen.