Werden die Ehrentag überflüssig? : „Mutter ist man doch das ganze Jahr“

Werden die Ehrentag überflüssig? : „Mutter ist man doch das ganze Jahr“

Umfrage in Völklingen: Vater- und Muttertag werden immer weniger gefeiert. Kleine Gesten, über das Jahr verteilt, sind vielen wichtiger.

Am Donnerstag sind die Väter los. Und am Sonntag wird den Müttern gehuldigt: In dieser Woche stehen Vater- und Muttertag vor der Tür. Geht man von den typischen Klischees der Ehrentage aus, bekommen Mütter vor allem Geschenke wie Pralinen und Blumen. Sie feiern zuhause gemeinsam mit ihren Familien, während Männer ihren Ehrentag eher feucht-fröhlich angehen. Sie nehmen sich eine Auszeit von ihren häuslichen Pflichten und ziehen mit ihren Kumpanen und einem Bollerwagen, gefüllt mit allerhand Getränken, durch Feld und Flur. Ums Vatersein geht es dabei eher weniger.

Die SZ hat sich in der Völklinger Innenstadt zu den typischen Vater- und Muttertags-Traditionen umgehört — und in der (nicht repräsentativen) Umfrage herausgefunden, dass diese Klischees in Völklingen nicht der Realität entsprechen. Ganz im Gegenteil: Die Ehrentage verlieren immer mehr an Bedeutung.

„Vatertag wurde bei uns in der Familie nicht gefeiert“, sagt Jennifer Hübner. Weder zusammen in der Familie, noch der Vater für sich alleine. Das sei einfach keine Tradition gewesen. Am Muttertag war das jedoch anderes, sagt sie: „An einem typischen Muttertag bekommt meine Mutter Blumen, wir kommen alle zusammen und essen gemeinsam.“ Ihre Mutter würde dies erwarten, fügt sie hinzu. Aber die 28-Jährige, selbst werdende Mutter, möchte diese Traditionspflicht nicht an ihr Kind weitergeben: „Ich brauche keinen Muttertag – diesen speziellen Tag, um das Muttersein zu feiern. Denn Mutter ist man doch das ganze Jahr.“

Ähnlich sieht das Klaus Gerstner aus Völklingen. „Mütter sind 365 Tage im Jahr für ihre Kinder da. Deshalb sollten sie nicht nur an einem Tag geehrt werden.“ Trotzdem sind die Ehrentagen für ihn keine lästige Tradition: „Es gibt viele, die darauf Wert legen und die sich über die Aufmerksamkeit freuen. Also sollten sie auch weiter bestehen bleiben.“

Außerdem habe der Tag auch noch einen wichtigen wirtschaftlichen Aspekt, sagt Gerstner. „Insbesondere der Muttertag ist für viele Blumengeschäfte lebensnotwendig. Auch ich habe meiner Mutter jedes Jahr Blumen geschenkt. Und das tue ich heute noch und lege sie ihr aufs Grab.“

Dass der Muttertag es über den Atlantik nach Deutschland geschafft hat, geht zurück auf die Hartnäckigkeit des Verbandes Deutscher Blumengeschäftsinhaber, der die Verbreitung des Ehrentages in Deutschland ab 1923 vorantrieb. Auch der Vatertag stammt ursprünglich aus den USA. Dort wurde er zum ersten Mal am 19. Juni 1910 gefeiert. Was vor über 100 Jahren in den USA als Ausdruck des Dankes an Mutter und Vater begann, wird von vielen heute nur noch als Kommerz angesehen. 

Manuela Wilmer aus Singen bei Konstanz ist gegen diese Kommerzialisierung der beiden Tage. Sie ist derzeit mit ihrer Familie auf Urlaubstour durchs Saarland und hat zu dem Thema eine klare Meinung: „Der Tag ist sinnvoll für Kleinkinder, damit sie begreifen, dass man auch mal Danke zu den Eltern sagt. Aber danach ist er unnötig.“ Spätestens im Grundschulalter sollte Dankbarkeit gegenüber den Eltern für die Kinder ein Begriff sein, sagt sie. Kleine Gesten und Aufmerksamkeiten im Alltag schätzt die Baden-Württembergerin viel mehr als ein gekauftes Geschenk an einem vorgeschriebenen Tag. In ihrer Familie werde deswegen der Muttertag nicht gefeiert, sagt sie entschieden.

 Und wie sieht es aus mit dem Vatertag und dem Klischee von Bollerwägen und Co.? Diese Tradition wird von den Vätern, die an der Umfrage teilnahmen, kaum ausgelebt. Nur Klaus Gerstner – als einziger der Befragten – hat solche Ausflügen in jüngeren Jahren mit Freunden gemacht: „Vor etwa 40 Jahren sind wir mit dem Bollerwagen an den Warndtweiher gezogen, um dort zu trinken und zu feiern.“ Nun habe der Tag jedoch keine Bedeutung mehr. Und er fügt hinzu: „Heute ist es eher die jüngere Generation, die am Vatertag trinkend um die Häuser zieht. Vor allem aber die Männer, die eigentlich noch keine Väter sind.“

Auch Familie Ast muss bei der Frage nach Vatertag und Bollerwagen lachen: „Da gehen doch heutzutage nur Männer mit, die noch gar keine Väter sind“, sagt Jasmin Ast aus Völklingen, die mit ihrer Mutter Rosemarie Ast und ihren drei Kindern in der Stadt beim Eisessen das schöne Wetter genießt. Ihr Vater habe keinen Vatertag gefeiert und auch keine Wanderungen unternommen. Und Oma Rosmarie fügt lachend hinzu: „Das machen die, die keine Väter sind und Zeit dafür haben. Das hat schon meine Großmutter gesagt.“

In der älteren Generation war der Muttertag noch eine Verpflichtung, sagt Rosemarie. „Meine Mutter hat noch darauf bestanden.“ Als Oma von drei Kindern sehe sie das lockerer: „Meine Tochter und die Kinder kommen am Muttertag morgens, wir nehmen uns in den Arm und das war’s.“ Der Tag habe nicht so viel Bedeutung für sie. Kleine Aufmerksamkeiten übers Jahr verteilt seien ihr wichtiger: „Weil sonst die Familie zu sehr in den Hintergrund gerät. Und das sollte nicht sein.“

Klaus Gerstner. Foto: BeckerBredel
Jennifer Hübner. Foto: BeckerBredel
Manuela Wilmer. Foto: BeckerBredel
Umfrage zu Vater- und Muttertag am Montag (07.05.2018) in Völklingen. Im Bild: Inge Bütermann. Foto: BeckerBredel. Foto: BeckerBredel

Hinweise auf einige Veranstaltungen und Wanderungen am Vatertag – mit Ausblick auf Feste am Muttertag — gibt es auf Seite C 2.

Mehr von Saarbrücker Zeitung