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Musikalische Hochgeschwindigkeits-Magie

Völklingen. Drei nette Jungs und eine japanische Pianistin mit flinken Fingern – das ist die Band Turtur. Eigenkompositionen und jazzige Klassiker brachten sie nach Völklingen mit – ihr brillantes, temporeiches Spiel begeisterte. Walter Faas

Am Puls der Zeit bewegt sich die junge Formation Turtur - sie legte am Freitag einen faszinierenden Auftritt hin beim Völklinger Hüttenjazz im Weltkulturerbe. Nette Jungs plus eine japanische Gastpianistin mit ziemlich flinken Fingern sind es, gut vernetzt offensichtlich in der saarländischen Musikhochschul-Landschaft. "Sie bringen viel eigenes Publikum mit", registrieren die Verantwortlichen im Weltkulturerbe, allen voran Chef Meinrad Grewenig und Hendrik Kersten, der "gute Geist" der Hüttenjazz-Reihe.



Nette Jungs, wie gesagt - und Gasgeber! Schnell, komplex, aggressiv wird hier gespielt, aber auch gewandt, elegant, gekonnt, harmonisch. Und rhythmisch selbst bei hohem Tempo immer schlüssig. Im Handumdrehen brodelt auf dem Zimmererplatz ein genreübergreifendes Bebop-Süppchen. "Back to the roots" - zurück zu den Wurzeln des Jazz - klingt an, mit leicht bluesigen Elementen, die in Sekundenschnelle fusionieren mit funkig-experimentellem Rockjazz.

Das klingt prima, macht Laune, hält das Publikum auf dem wieder einmal proppenvollen Konzertplatz bei der Stange. "Ich bin immer wieder begeistert über die hohe Akzeptanz unserer Jazzkonzerte. Die große Besucherzahl motiviert dann im Umkehrschluss wieder unsere Musiker", bilanziert Hendrik Kersten.

Stimmt! Sven, Simon, Manuel und die Pianistin Kaori haben den Willen zur musikalischen Magie. Hauptmarkenzeichen der Band ist das prächtig strahlende Tenorsaxofon, das den hibbelig zeitgemäßen Takt vorgibt. Bassgewitter und aufregend klingende Gitarrenriffs kommen dazu. Nur schade, dass das etwas schwach ausgesteuerte Piano etwas untergeht.

Dem Publikum geht die Musik sichtlich unter die Haut, bei Eigenkompostionen wie "Macabre", "A Dark Horse", "Turtur" oder auch bei locker eingestreuten Versionen von "Actual Proof" oder "Segment", im Original von Herbie Hancock und Charlie "Bird" Parker. Viel Szenenapplaus! Man mag bedauern, dass der Hüttenjazz nächste Woche bereits in die Schlussrunde für dieses Jahr geht.

Für die Abschluss-Veranstaltung am kommenden Freitag, 26. August, 18 Uhr, kündigte Oliver Strauch, seit sieben Jahren künstlerischer Leiter des Hüttenjazz "eines der angesagtesten Pianotrios der Bundesrepublik" an, das "Clara Haberkamp Trio" aus Berlin. Der Eintritt dazu ist, wie immer, frei.