Museums-Macher ziehen sich zurück: Museums-Macher der ersten Stunde nehmen Abschied

Museums-Macher ziehen sich zurück : Museums-Macher der ersten Stunde nehmen Abschied

Maria und Burkhardt Valentin ziehen sich zurück aus der Arbeit im Glas- und Heimatmuseum Warndt. Das Sammler-Ehepaar sorgt sich um die Zukunft des Museums.

Per Brief ist ihre Nachricht in der Redaktion eingetroffen. Maria und Burkhardt Valentin, Glas-Sammler und profunde Kenner der Glasindustrie-Geschichte (nicht nur) in der Region, ziehen sich zum Jahresende zurück aus der Arbeit im Glas- und Heimatmuseum Warndt in Ludweiler. „Es ist wahrlich kein leichter Abschied und mit einer Portion Trauer verbunden“, fügen sie an. Was nicht erstaunt. Denn das Ludweiler Ehepaar hat sich über Jahre engagiert dafür, der Glasindustrie früherer Zeiten und ihren Produkten einen Ausstellungsort zu verschaffen und die regionale Historie der Glasherstellung im Gedächtnis zu halten.

Die beiden hatten maßgeblichen Anteil an der Entstehung der reizvollen Ludweiler Glas-Schau, haben dafür auch Teile ihrer privaten Sammlung zur Verfügung gestellt. Und nicht zuletzt haben sie – ehrenamtlich – dafür gesorgt, dass das Museum für Besucher geöffnet war, haben auch regelmäßig zu Führungen eingeladen.

Das ist nun vorbei. Doch, so beruhigen die Valentins, das bisherige Team mit Doris Boschet an der Spitze werde „das Museum weiterführen und zu den gewohnten Zeiten offenhalten“. Und: „Auch unsere Leihgaben bleiben vor Ort.“

2002 wurde die Idee eines Glasmuseums im Warndt erstmals diskutiert; Valentins waren da bereits mittendrin. 2007 – im Alten Bürgermeisteramt waren gerade schwere Grubenschäden behoben, der Bau war teilweise saniert – war Eröffnung, auch dank städtischer Unterstützung. Seither, schreiben die beiden, könne sich das Museum auch im länderübergreifenden Vergleich behaupten und habe sich viel Reputation erworben. Auch mit Extra-Aktivitäten: Sonderausstellungen mit Arbeiten zeitgenössischer Glaskünstler, Reihen wie wie „Literatur im Glas“, „Musik im Glas“, „Geist im Glas“. Gründe genug für den Regionalverband, das Ludweiler Museum 2012 als „Kulturort“ auszuwählen.

Aber was die Zukunft angeht, machen sich die beiden Sorgen. Museums-Träger ist der Heimatkundliche Verein Warndt (HVW). Und der war, wie mehrfach berichtet, nie ein Freund der von den Valentins verfochtenen Idee, in Ludweiler ein überregionales Glasmuseum einzurichten. Glas sah und sieht er nur als einen von mehreren Schwerpunkten zum Thema Heimat. Für die Valentins ist das noch einmal Anlass zur Kritik: „Statt positiv auf das Alleinstellungsmerkmal Glas zu setzen und dies geschickt mit der identitätsstiftenden Heimatgeschichte zu verknüpfen, wird dem ehemaligen Warndtheimatmuseum nachgetrauert“, schreiben sie. Das sei „kontraproduktiv für eine Weiterentwicklung des Museums“. Der gute Ruf des Hauses drohe zu schwinden, wenn nicht bald gegengesteuert werde.

Die Positionen sind gegensätzlich, das zeigt sich nun erneut. Genauer: Sie sind unvereinbar miteinander. Das mag beigetragen haben zur aktuellen Rückzugs-Entscheidung. „Wir wollen auch ein bisschen mehr Ruhe haben“, sagt Maria Valentin (71). „Es wird mir persönlich zu viel“, sagt ihr Mann Burkhardt (73).

Die beiden haben sich neue Betätigungsfelder gesucht, jenseits des Ludweiler Museums-und Heimatkunde-Zusammenhangs. Zum einen, erzählt Maria Valentin, besuchen sie als Gaststudenten Vorlesungen und Seminare an der Saar-Universität, im Fach Kunstgeschichte. Einfach der Wissbegierde zuliebe, mit Freiheit, ohne Pflichten, „nur mit Freude“. Und sie werden dem Thema Glas treu bleiben; im Förderverein Glaskultur, den sie vor Jahren mitbegründet haben, wollen sie sich auch künftig engagieren.

Und dann ist da noch die Idee vom überregionalen Glasmuseum, die vor allem Burkhardt Valentin nicht loslässt – nun freilich bezogen auf einen anderen Ort: „Wir bemühen uns weiterhin um Wadgassen“, sagt er. Es gebe die Hoffnung, „dass dort Größeres entsteht“. Dort, das heißt: in der einstigen Cristallerie (auch darüber berichteten wir bereits). Die Kommune sei interessiert, der Eigentümer des Gebäudes ebenfalls; allerdings gehe das alles „sehr langsam“.

Ludweiler liegt ihnen dennoch am Herzen: „Wir möchten dieses Kleinod von Museum . . . an diesem Ort erhalten wissen“, schreiben sie beinahe beschwörend. Und: „Dazu bedarf es auch in Zukunft der Unterstützung der Stadt Völklingen, die den Aufbau des Museums und den Betrieb in den ersten Jahren entscheidend gefördert hat.“

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