Mond-Freunde sind regenfest

Völklingen. "Habt Dank für Eyre Zeit und Eyre Taler und erlebet eynen romantischen Markt zum vollen Monde. Höret die Spielleut', sehet die frechen Gaukler und staunet beym Sehen der Handwerkskunst": Trotz des ungemütlichen Wetters folgten am Freitagabend zahlreiche Besucher der Einladung der Stadt und tummelten sich auf dem vierten Völklinger Mondscheinmarkt

Völklingen. "Habt Dank für Eyre Zeit und Eyre Taler und erlebet eynen romantischen Markt zum vollen Monde. Höret die Spielleut', sehet die frechen Gaukler und staunet beym Sehen der Handwerkskunst": Trotz des ungemütlichen Wetters folgten am Freitagabend zahlreiche Besucher der Einladung der Stadt und tummelten sich auf dem vierten Völklinger Mondscheinmarkt. In der Fußgängerzone hinter der Eligiuskirche herrscht buntes Treiben. Die knapp 70 Händler haben handgemachte Lampen aus echten Straußeneiern, Adventskränze, Schals, indianische Holzflöten und rosa Puppen für die Kleinen im Angebot. Wer sich um seinen Teint sorgt und auf "sportliche Bräune ohne Sonne" schwört, greift zur ägyptischen Erde. Und am Stand mit den französischen Seifen ist sogar Schnüffeln erlaubt. Neben der Nase wird auch der Gaumen verwöhnt: Ob Ziegensalami, Früchtebrot oder Birnensenf - für jeden Geschmack ist etwas dabei. Die Pizza ist "ofenfrisch", die Regenbogenforelle "heiß geräuchert", der Original-Nougat "direkt vom Hersteller". Und asiatische Frühlingsrollen schmecken auch im trüben deutschen Herbst. "Der Markt gefällt uns sehr gut", erzählen Armin und Inge Göritz. Das Angebot, sagen die beiden Völklinger, sei im Vergleich zum vorigen Jahr noch vielfältiger geworden. Erstmals können die Standbetreiber die Forbacher Passage nutzen. Auf der Festmeile gibt es viel zu entdecken. Die Lords bieten eine rasante Feuershow, Musikanten werden gesichtet, ein Harlekin ist auf Sprungstelzen unterwegs. Wer will, kann einem Holzschnitzer bei der Arbeit zuschauen. Händler Hauke Leitsmann nimmt das schlechte Wetter gelassen. "Trocken wäre schöner, aber der Markt wird trotzdem angenommen", berichtet der Gold- und Silberschmiedemeister. Schmuck wird zur gleichen Zeit auch im festlich dekorierten Alten Rathaus getauscht. Genauer gesagt: Ringe! Acht Paare geben sich während des Mondscheinmarkts das Ja-Wort und heiraten. Wer seine große Liebe noch sucht, kann sich an eine Seherin aus fernen Landen wenden. Für zehn Silberlinge liest sie aus der Hand. Die Empfehlungen zum Ehefrieden, die die Heidweilers musikalisch zum Besten geben, sind sogar kostenlos. Ihr Gassenhauer aus dem 14. Jahrhundert richtet sich aber eher an Pärchen, die ihre glücklichsten Jahre bereits hinter sich haben. "Hat deine Frau die Haut vom Rind und das Gebiss vom Pferde, schleife deine Axt geschwind, dass sie erlöset werde!", singen Jan Rolph von Heidweiler und Helene von Holzerode.

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