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Freizeitangebot
Zeitreise zu Rittern, Narren, Burgfräulein

  Die „Saarschotten“ (v.l.) Harald Berens, Vera Ranker, Andreas Hoehn und Marc Hermann grillten ein Spanferkel.     
Die „Saarschotten“ (v.l.) Harald Berens, Vera Ranker, Andreas Hoehn und Marc Hermann grillten ein Spanferkel.    FOTO: BeckerBredel
Geislautern. Beim gut besuchten Mittelaltermarkt im Schlosspark Geislautern galt die Devise: „Authentizität ist alles“. Von Walter Faas

Hungrig auf dem Mittelaltermarkt, ein Unding! „Kauft Brot!“ lockt die Bäckersfrau Elisabeta aus der Schneeeifel. Ihre „Metknorzen“ schmecken in der Tat „nach mehr“. Nebenan bruzzeln Buchweizenpfannkuchen, Langosch de luxe mit Schafskäse, Lauch, Salami, Knobifladen, Flammkuchen, zeitgemäß gerne auch „vegetarisch und fettreduziert“. Dazu gibt’s Met, Zuckerwasser, Schwarzbier.


Rudolfo Galinowski und seine „Saarschotten“ drehen ein Spanferkel über brennenden Buchenscheiten, neun Stunden lang. Jasmine Stark von der „Freien Kriegerschar Wendoll“ kümmert sich stundenlang um ihren Linseneintopf. „Rühren, rühren, rühren“, lautet die Devise, sonst gibt’s Brandenburger Linsen. „Ochsenfetzen mag ich nicht“, beschwert sich die zehnjährige Milena, der Name verwirrt das Kind. Schnell ablenken!

Beim Mäuse-Roulette von „Markus dem Mäusflüsterer“ gibt’s Edelsteine zu gewinnen. Lustig wirkt das Eierknackespiel, wo die Teilnehmer mit Boulekugeln nach farbigen Ostereiern werfen. – Wie treibt eigentlich diese Anita von der südlichen Weinstraße ihr Karussell „Troubedidis Drachendreherey“ an? „Ich vermute mal, da sitzen zwei Pfläzer drunter und drehen“, lästert Hainricis vom Hagen, gewandet in feinste Schafwolle, Schwertträger und Berechtigter der „Goldenen Bulle“. „Nö, auch wenn wir mit unserem Karussell aus Landau kommen, da sitzen keine Landsleute, sondern tatsächlich zwei Drachen drunter“, flunkert Anita, die in Wirklichkeit an der Kurbel dreht. Der Sohnemann des vom Hagen, Künstlername Ffricz, geschätzte zwölf Jahre, kichert verächtlich über soviel „Kinderkram“, schnappt sich eine Armbrust, visiert sein Ziel, trifft ins Schwarze, gewinnt ein „gülden Ding.“



Es ist Mittelaltermarkt im Schlosspark Geislautern, zwei Tage lang. „Authentizität ist alles“ sagt Mona Weinrank-Lieb vom Veranstalter „Lorraine Médievale“. Das fängt bei ihrer Gewandung an: Mona trägt über dem langen Unterkleid ein ärmelloses Sucrot (Überkleid), einen schicken Gürtel, Bluse, Haube, den dick gewebten Mantel, der sie „als fleißiges Mädgelein“ prima gegen die Kälte, ja sogar gegen Schneetreiben schütze.

„Bin nicht der einzige komische Kauz hier“, lacht nebenan der Barde „Nashoch“, der sich mit Vogelmaske wunderbar aufs Zupfen mittelalterlicher Instrumente versteht. Ein Dr. Dr. Dr. Bombastus zeigt uns die schlimmsten Seiten des Mittelalters, die brachiale Medizin der Altvorderen. Unglaublich, wie dieser Viehdoktor mit seinem bedauernswerten Patienten Leonardo umgeht. Alles nur gespielt!

Mit Schwertern, Krummsäbeln, ellenlangen Messern, bekämpfen sich rustikale Mannsleut zur Gaudi der Zuschauer. Der Barde Markus singt, die Band Irregang spielt auf, das Feuerspektakel beginnt.

Kinder flechten Körbe aus Peddigrohr, die Wahrsagerin liest aus der Hand, legt kleine oder große Kartenbilder, für den Preis von „15 bis 35 Euronen“, je nach Auftrag erfährt Mann/Frau, was die Zukunft bringt.

Am Ende kommen alle auf ihre Kosten, und sogar der malträtrierte Leidende Leonardo nimmt sich, nach gelungener Vorführung, sein krummes Gebiss aus dem Mund und gönnt sich, mit seinem Peiniger Bombastus einen ordentlichen Schluck aus dem Trinkhorn.