Mit Esel Anton vermittelt Waldpädagoge Staap die Liebe zur Natur

Menschen im Regionalverband : Mit Anton vermittelt er Liebe zur Natur

Waldpädagoge Arnulf Staap rettete dem Esel das Leben und bietet viele Aktivitäten für Kinder in Völklingen an.

Freundlich verabschiedet Arnulf Staap (63) den Hufschmied: „A la prochaine.“ Bis zum nächsten Mal. Mit frisch geschnittenen Hufen posiert Esel Anton wenig später für die SZ-Fotografin, gemeinsam mit seinem zweibeinigen Freund. Als sich die Wege der beiden vor vielen Jahren kreuzten, war Antons Schicksal eigentlich schon besiegelt. Auf einer Wiese im Elsass wartete er auf den Abtransport zum Schlachthof. Arnulf Staap suchte damals ein Grautier, wurde auf dem Freiburger Eselsmarkt aber nicht fündig. Auf der Heimfahrt entdeckte er Anton und kaufte ihn dem Viehhändler ab. „Er war uns auf Anhieb sympathisch“, erzählt der Diplom-Forstwirt.

Antons Kollegen Fridolin und Bruno, Pferd Aragon, zwei Lamas und Ziege Paula fühlen sich in Völklingen-Ludweiler auf dem Freigelände neben dem Haus von Familie Staap ebenfalls wohl. Drinnen begrüßt Hündin Chanelle ihr Herrchen. Im Keller wird deutlich, dass Staaps Herz auch für die Musik schlägt. Hier stehen viele Instrumente, eine frühere Kohlenschaufel wurde zur Gitarre umfunktioniert. Arnulf Staap hat Bergmannslieder aus der ganzen Welt gesammelt und ins Platt übertragen. Mit seinen Kollegen inszeniert er die Songs gerne kostümiert.

Tiere, Musik und Theater gehören auch zu den Schwerpunkten seiner Arbeit als Waldpädagoge. Viele Kinder kennen den netten Mann mit dem Vollbart, der im Regionalverband mit Eselskutsche, Jagdhorn und Gitarre unterwegs ist. Der Naturfreund möchte den Nachwuchs zu einem bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt animieren. Am Tag vor dem SZ-Gespräch hat Staap in Riegelsberg mit Kindern Räubertheater gespielt. Und den etwas älteren Jugendlichen konnte er einen Ausflug in den Wald mit Geocaching – einer Schnitzeljagd mit Satellitenunterstützung – schmackhaft machen.

Schon vor über 30 Jahren engagierte sich Staap in Naturschutzverbänden. Auch beruflich war er Flora und Fauna immer verbunden. Nach dem Studium der Forstwissenschaft machte sich Staap 1988 selbstständig, als Forstberater lieferte er den Landesforstverwaltungen Gutachten und Pläne. Schwerpunkt: naturgemäße Waldwirtschaft. Nach Verwaltungsumstrukturierungen brach dieser Markt Mitte der 90er Jahre zusammen.

1996 gründete sich der Verein „Maltiz – Naturerfahrung & Waldpädagogik“. Arnulf Staap organisiert die Aktivitäten, seine Ehefrau Astrid Bach-Staap ist Vorsitzende. Der Verein, der der Entfremdung des Menschen von der Natur entgegenwirkt, ist das ganze Jahr aktiv. An Fastnacht geht die Truppe bei Straßenumzügen in Frankreich mit, am Warndt-Weekend herrscht im Waldcamp zwischen Ludweiler und Lauterbach viel Betrieb. Bei der SR 3-Sommeralm ist der Verein ebenfalls aktiv. Ein Dutzend Maltiz-Leute und rund 25 Tiere stellen in Landsweiler-Reden ein Familienprogramm auf die Beine. Und im Dezember zieht es viele Besucher zum Hirtenspiel nach Karlsbrunn. „Ich will für mich und mein Umfeld eine lebenswerte Welt“, sagt Arnulf Staap. Für ihn und seine Vereinsfreunde gilt: Wenn die Besucher glücklich und entspannt sind, dann sind auch ihre Gastgeber zufrieden.

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