Mit 71 denkt Künstler Horst Reinsdorf nicht an Ruhestand

Völklingen : Mit 71 denkt Künstler nicht an Ruhestand

Horst Reinsdorf aus Völklingen beherrscht viele Techniken und bringt Kindern in Grundschulen die Kunst näher.

Auch im Rentenalter denkt Horst Reinsdorf (71) nicht an Ruhestand. Er gibt Kurse an der Volkshochschule, trifft sich mit den Kollegen der Künstlergruppe Loisart und arbeitet an neuen Projekten. „Die nächsten Monate werden etwas turbulent“, prophezeit der Völklinger Künstler. Im November steht ein Tag des offenen Ateliers auf dem Programm, im Januar startet seine Ausstellung in der Saarbrücker Galerie am Staden. Außerdem gestaltet er weitere Skulpturen für den öffentlichen Raum. So soll auf dem Platz vor der Völklinger Versöhnungskirche eine Luther-Statue aufgestellt werden.

Als wir Reinsdorf zuhause anrufen, um ein Treffen zu vereinbaren, erreichen wir ihn nicht. Er ist gerade in einer Schule. Die Arbeit mit Kindern ist ihm wichtig. Zurzeit bringt er mehreren Klassen der Saarbrücker Grundschulen Rastpfuhl und Weyersberg die Kunst näher. „Es macht riesigen Spaß, und man bleibt geistig fit“, betont der Maler.

Gerne kümmert er sich auch um den Familien-Nachwuchs. Für die Enkel Lilly und Benjamin liegen im Luisenthaler Atelier immer Malkittel bereit. „Für sie ist das hier ein Abenteuerspielplatz“, erklärt Reinsdorf. Vor 25 Jahren hat er die Räume von der Stadt Völklingen gemietet, fern des Trubels in der Innenstadt genießt er die Ruhe. Nicht nur der Künstler fühlt sich hier wohl: Der Kulturtreff Luisenthal ist ein beliebter Veranstaltungsort für die Lesungen und Ausstellungen, die Horst Reinsdorf und seine Ehefrau Doris gemeinsam mit der Stadtverwaltung organisieren.

Wer sich im Atelier umsieht, merkt schnell, dass Reinsdorf viele Techniken beherrscht: Grafik, Holz- und Linolschnitt, Radierung, Öl und Acryl. Auch Skulpturen faszinieren ihn. Eine Figur zeigt einen sogenannten Erzengel: Im Völklinger Eisenwerk schufteten die Industriearbeiterinnen beim Abladen des Erzes, das auf Schiffen angeliefert wurde. Der gelernte Fliesenleger Reinsdorf arbeitete früher selbst bei Saarstahl. Seine Motive findet er bei Rundgängen in der Hüttenstadt. Menschen, bekannte Gebäude und natürlich das Weltkulturerbe werden künstlerisch in Szene gesetzt. Sind die Eindrücke im Kopf zu einem Gesamtbild zusammengefügt, bringt Reinsdorf zunächst viele Entwurfsskizzen zu Papier. „Bilder kann man komponieren wie Musikstücke“, sagt er. Wenn Reinsdorf an die Leinwand tritt, ist der kreative Teil bereits abgeschlossen. „Der Rest ist Handwerk“, erläutert der Maler.

Reinsdorf wünscht sich in Völklingen eine Galerie, die auch samstags und sonntags geöffnet hat. „Da lasse ich nicht locker“, betont der Künstler. Seit 1977 beschäftigt er sich intensiv mit der Malerei, er war Schüler bei Hein Bender, Manfred Güthler, Victor Fontaine und Leo Erb. Inzwischen hat Reinsdorf viele Auszeichnungen erhalten. Zuletzt gewann er im Mai 2019 bei der „Biennale de peinture“ in Forbach einen ersten Preis.

Am 24. November lädt Reinsdorf alle Kunstinteressierten in sein Atelier ein. Von zehn bis 18 Uhr sind die Türen in der Jahnstraße 2 in Völklingen-Luisenthal geöffnet. Der Eintritt ist frei. Infos unter Telefon (06898) 21090.

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