Minarett-Kompromiss in Wehrden

Wehrden. Die Vermittlungsgespräche im Wehrdener Stadtteilforum um den Bau eines Minaretts auf der Moschee der türkisch-islamischen Gemeinde haben mit einem Kompromiss geendet. Dies gaben Vertreter des Moschee-Trägervereins und des Stadtteilforums gestern bei einer Pressekonferenz bekannt

Wehrden. Die Vermittlungsgespräche im Wehrdener Stadtteilforum um den Bau eines Minaretts auf der Moschee der türkisch-islamischen Gemeinde haben mit einem Kompromiss geendet. Dies gaben Vertreter des Moschee-Trägervereins und des Stadtteilforums gestern bei einer Pressekonferenz bekannt. Die Bauvoranfrage der islamischen Gemeinde für die Errichtung eines rund acht Meter hohen Minaretts und von drei Kuppeln auf dem Dach ihres Gebäudes an der Seite zur Saarstraße bleibt demnach bestehen. Sie wird nun den Stadtrat voraussichtlich in seiner letzten Sitzung vor den Osterferien am 23. März beschäftigen. Gleichzeitig wird dem Rat ein Paket von Vereinbarungen vorliegen, das Türken und Deutsche in den vergangenen Wochen in Wehrden gemeinsam erarbeitet haben, sagte Helmut Tamblé, Sprecher des Stadtteilforums (Foto: hj). Ganz oben steht: : Die islamische Gemeinde wird, auch wenn sie Baurecht erhält, nicht vor Ende dieses Jahres mit dem Bau beginnen. Dazu ihr stellvertretender Vorsitzender Ünal Subasi (Foto: bub): "Wir haben versprochen, so lange zu warten, denn wir wollen in Wehrden miteinander leben und reden." Harald Trouvain, Schriftführer bei den Gesprächen, stellte weitere Vereinbarungen vor. So werde es keinerlei Gebetsaufrufe von dem Minarett aus geben - weder über Muezzin noch per Lautsprecher. Die türkische Gemeinde werde einen festen Ansprechpartner als beständigen Mitarbeiter ins Stadtteilforum entsenden. Es gehe darum, gemeinsam Wehrden als liebens- und lebenswerten, befriedeten Stadtteil voranzubringen. In dem Zusammenhang sei auch ein Handlungsplan mit Themen aufgestellt worden. Dabei gehe es unter anderem um die Parksituationion im unteren Wehrden, Überlegungen zur Ortsverschönerung, gemeinsame Aktivitäten und den Abbau von Ängsten. Anne Herzhauser (Stadtteilforum) wies darauf hin, bei einer Befragung im Rahmen einer Bürgerversammlung am 19. Januar seien die Angst vor Gebetsrufen und die Parksituation als größte Sorgen genannt worden.Die islamische Gemeinde vertritt derweil die Auffassung, dass ihr Bauvorhaben zur Verschönerung des Stadtteils beitrage. Die Finanzierung sei gesichert, so Vereinsvorsitzender Adnan Atakli (Foto: bub). Subasi: "Es wäre wunderschön, wenn die Stadt dafür sorgen könnte, dass es auch nachts angestrahlt wird." Meinung

Wehrdener Lösungen

Von SZ-RedakteurBernhard Geber Eins ist allen Wehrdenern gemeinsam: ein gesundes Selbstbewusstsein. Sie lassen sich ungern von außen sagen, wie sie zu fühlen und zu denken haben. Und deshalb war es auch gut von Oberbürgermeister Klaus Lorig, die Minarett-Frage zunächst mal auf dem Boden der Tatsachen, sprich in Wehrden, diskutieren zu lassen. Zusammengerechnet zwölf Stunden lang haben Türken und Deutsche im Stadtteilforum die Köpfe zusammengesteckt. Es mag dabei nicht jedem schmecken, dass die Türken auf ihrem Minarett bestehen. Doch sie haben sich auch selbst ein gutes Stück bewegt und wollen es weiter tun. Verständigung fängt da auch manchmal bei ganz alltäglichen Dingen wie dem Verhalten beim Parken an. Wobei die Türken ja schon ausgeschlossen haben, dass ihren Mitbürgern schon vom frühen Morgen an Gebetsrufe in den Ohren dröhnen.