Millionenspiel ums Völklinger Rathaus

Millionenspiel ums Völklinger Rathaus

Der Kaufhof-Abriss steht im Raum. Und neben den Baggern und Lkw, die dann rund ein halbes Jahr lang die Innenstadt beherrschen, hat Oberbürgermeister Lorig den Völklingern eine weitere „heiße Kiste“ prophezeit. Es geht um den Problemfall Neues Rathaus, bei dem eine Entscheidung näher rückt.

Mit dem Abriss des Ex-Kaufhofs samt Umfeld wird das eine Ende der Rathausstraße für Neuansiedlungen freigeräumt. Und zwei langjährige Leerstände mitten in der Rathausstraße rechts neben Woolworth könnten eine Neubelebung erfahren: das Doppelgebäude mit dem früheren Casino und der früheren Röchling-Bank. Die Stadt hat im Frühjahr beide Gebäude gekauft - mit dem Hintergrund, dorthin womöglich Teile der Verwaltung zu verlagern. Rund 120 Mitarbeiter der Verwaltung, speziell das Bürgerbüro, könnten dann dort einziehen, während der Turmaufbau des Neuen Rathauses abgerissen würde.

Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU ) schilderte bei der jüngste Mitgliederversammlung des Völklinger Wirtschaftskreises, wie er Unternehmer Hartmut Ostermann dazu bewog, "nach über zehn Jahren das Casino-Gebäude zum Gutachterpreis zu verkaufen". Ostermann ist auch Präsident des 1. FC Saarbrücken , der einen Ausweichspielort benötigte. Und Lorig hatte hier, wie er deutlich machte, das Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion sozusagen als Hebel benutzt. "Was sagen wohl die Fans, wenn sie an diesem Gebäude vorbei zu FCS-Spielen in Völklingen ziehen müssen?", habe er Ostermann vorgehalten, sagte Lorig schmunzelnd.

Der Erwerb von Casino und Bank kostete zwar nur um die 400 000 Euro, aber die Sanierung dürfte - noch unbekannte - Millionenbeträge verschlingen. Was sich alles an Tücken in den bereits mehrfach von Dieben und Vandalen heimgesuchten Gebäuden verbirgt, ist noch unbekannt. Am gestrigen Donnerstag wollten sich die Mitglieder der zuständigen Stadtratsausschüsse zunächst einmal selbst ein Bild von Aussehen im Innern machen.

Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU ) hat bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Völklinger Wirtschaftskreises zunächst einmal die Rechnung für eine Sanierung des erst 1970 bezogenen Neuen Rathauses aufgemacht: Rund 24 Millionen Euro, so Lorig, dürfte sie nach jüngster Schätzung der Gutachter der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) kosten. Ursprünglich sollte es nur rund die Hälfte sein, doch dann habe sich herausgestellt, dass auch die Aufhängung der (bereits erneuerten) Fassaden-Verkleidung durchzurosten drohe. Und sogar, wenn die Stadt einen 50-prozentigen Zuschuss erhalte, blieben immer noch zwölf Millionen übrig, die aufzubringen seien. In der Rathausstraße eröffne sich andererseits die Möglichkeit, unter dem Vorzeichen "Wiederbelebung lange nicht mehr genutzter Gebäude" eine kräftige Förderung zu erhalten.

Handschlag mit Hartmut Ostermann: Der FCS-Präsident bekam das Stadion – und Klaus Lorig das Casino. Foto: Wieck. Foto: Wieck

Im Zusammenhang mit dem Ja zum Gebäudekauf in der Rathausstraße, so Lorig, habe sich im Stadtrat bereits "eine Tendenz" zu Teil-Abriss des Neuen Rathauses und Umzug ergeben. Die Kommunalaufsicht in Saarbrücken, sie ist bei Innenminister Klaus Bouillon (CDU ) angesiedelt, warte derzeit "auf ein klares Konzept und eine Finanzierungskomponente". Er hoffe, dass bis Jahresende eine Entscheidung über die Alternativen möglich sei. "Das wird noch eine heiße Kiste werden", fasste Lorig zusammen.