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Kanal-Alarm in Völklingen
Millionen über und unter der Erde

Oberbürgermeister Klaus Lorig.
Oberbürgermeister Klaus Lorig. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Bis Ende Mai, dem Schlusspunkt seiner Amtszeit im Rathaus, will Oberbürgermeister Klaus Lorig noch ehrgeizige Investitionen anschieben. Von Bernhard Geber

Balsam für die Seele eines scheidenden Oberbürgermeisters: „Der Bauantrag von Röther ist im Rathaus eingetroffen“, verkündet Klaus Lorig (CDU) zum Auftakt eines SZ-Gesprächs in seinem Dienstzimmer im Rathaus.  Damit liegt das Modepark-Projekt an der Stelle des früheren Kaufhofs bisher im Zeitplan. Und der Oberbürgermeister verrät auch, was er sonst noch bis zum 31. Mai, dem Ende seiner Amtszeit,  an „überdauernden Dingen“ auf den Weg bringen will: „Oberirdisch und unterirdisch“, wie Lorig schmunzelnd hinzufügt.



Zunächst einmal oberirdisch: Da geht es um Grundschulen und Kindertagesstätten. Rund 42 Millionen Euro werden da laut Lorig  von Beginn seiner Amtszeit (im Jahre 2003) bis zum Ende investiert worden sein. Einige dieser Millionen werden demnächst fällig.  Rund 2,65 Millionen werden in der Kindertagesstätte St. Eligius stecken, wenn sie, laut Lorig voraussichtlich im Juli, wieder eröffnet wird. Der Termin war wegen offenkundiger Probleme an der Baustelle mehrfach verschoben worden. Die Vergabe des Auftrags für den Neubau der evangelischen Kindertagesstätte auf dem Heidstock (4,3 Millionen Euro) steht an. Der Kindergarten in freier Trägerschaft in Geislautern wird um Funktionsräume erweitert werden. Die Kindertagesstätte in Lauterbach erhält einen zusätzlichen Gruppenraum. Mit im Programmm ist laut Lorig auch die Sanierung des Montessori-Kinderhauses auf der Röchlinghöhe – letzteres Projekt ist aber „noch in der Warteschleife“. Die Versorgung mit Kindergarten- und Krippenplätzen  ist derzeit laut Lorig noch ausreichend, aber: „Wenn wir das Bauprogramm durchgezogen haben, haben wir auch in Zukunft Luft.“

„Unter Druck geraten“ sind laut Lorig aber die Grundschulen. Derzeit werden dort 133 Flüchtlingskinder unterrichtet. Wenn man Zuwandererkinder und Sonstige hinzurechne, hätten es die Völklinger Grundschulen derzeit mit 231 Kindern zu tun, die  allenfalls sehr geringe Deutschkenntnisse haben. Mehr als die Hälfte dieser Kinder, die besondere Zuwendung benötigen, befinde sich derzeit in der Grundschule Bergstraße. Als Übergangslösung seien Container an den Grundschulen Haydnstraße und Fürstenhausen aufgestellt worden. Die Bergstraße brauche dringend Entlastung, und an der zweiten Grundschule in der Innenstadt, der in der Haydnstraße, herrsche erheblicher Investitionsbedarf. Von daher sei das große Projekt entstanden, die Schule Haydnstraße für 6,5 Millionen Euro zu sanieren und auf rund das Doppelte zu erweitern. Ebenso groß sei übrigens der Sanierungsbedarf am Gebäude im Mühlgewann, wenn dieses, wie als Alternative zum Projekt Haydnstraße  vorgeschlagen worden sei, wieder als Schule genutzt werden solle.

Dann gibt es noch oberirdische Dinge, die der Oberbürgermeister bei solch vorangehenden Summen eher beiläufig erwähnt. Der Bauauftrag für die Sanierung des Kunstrasens auf dem Sportplatz in Geislautern (200 000 Euro) sei ausgeschrieben. Noch in diesem Jahr sei die Sanierung der weiteren Abschnitte in der City-Tiefgarage (700 000 Euro) vorgesehen. Dann werde erneut rund die Hälfte der Stellplätze gesperrt werden müssen. Und in der Mehrzweckhalle auf der Röchlinghöhe sei vor allem die Lüftungsanlage  in schlechtem Zustand. Klaus Lorig: „Da werden wir wohl mit 400 000 Euro einsteigen müssen.“

Und dann zum Unterirdischen: Das Völklinger Kanalsystem ist laut Lorig in einem alarmierend schlechten Zustand. Von insgesamt 226 Kanal-Kilometern in Völklingen seien 32 Kilometer laut Bestandsaufnahme im als rot kartierten Bereich, was sofortigen Handlungsbedarf bedeute. Fünf Millionen Euro jährlich stünden im Haushalt als Investitionsmittel zur Verfügung. Aber inzwischen sind laut Lorig dort bereits insgesamt zehn Millionen Euro, bisher ohne Verwendung,  aufgelaufen. Da Personal zur Umsetzung fehle, könnten diese Mittel nicht abgearbeitet werden. Lorig („wir sitzen auf einem Pulverfass“) will deshalb dem Stadtrat vorschlagen,  zwei zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, die sich nur mit Kanalbau und -sanierung beschäftigen. Dies würde dann allerdings auf die Gebührenrechnung für die Bürger durchschlagen, laut Lorig mit „15 Euro mehr pro Anschluss und Jahr“.

 Tiefbau ist in Völklingen kein besonders popuäres Thema. Was wird da die Nachfolgerin machen? Christiane Blatts (SPD) Sohn Florian ist jüngst als landesbester Auszubildender im Tiefbau geehrt worden. Der Noch-Oberbürgermeister  hat nach eigenen Angaben den betreffenden Artikel „mit großen Interesse und Vergnügen“ gelesen.

Lorig hatte kürzlich beim Empfang der CDU-Ratsfraktion auf eine Rede verzichtet. Bilanz und Ausblick seiner Amtszeit wird er beim Neujahrsempfang des Wirtschaftskreises (am heutigen Donnerstag, 18. Januar, 19 Uhr, Kulturhalle Wehrden) nachholen.

Dauerbaustelle an der Bismarckstraße: Die Kindertagesstätte St.Eligius soll nun in diesem Juli wieder eröffnet werden.
Dauerbaustelle an der Bismarckstraße: Die Kindertagesstätte St.Eligius soll nun in diesem Juli wieder eröffnet werden. FOTO: Bernhard Geber
Kanalbaustellen wie hier in der Pfarrwiesstraße in Wehrden bedeuten stets auch eine Belastung für die Anwohner.
Kanalbaustellen wie hier in der Pfarrwiesstraße in Wehrden bedeuten stets auch eine Belastung für die Anwohner. FOTO: bub / BeckerBredel