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Völklinger Stadtwerke sitzen auf Immobilien
Millionen-Objekte im Dornröschenschlaf

Parkhotel an der Völklinger Kühlweinstraße: Das Pächter-Ehepaar Albrecht hatte zum 15. Januar den Betrieb eingestellt. Von außen ist aber nicht wahrzunehmen, dass geschlossen ist. Die Einfahrt ist nach wie vor einladend geöffnet. Man sieht, wie dann Enttäuschte mit ihren Autos wenden.
Parkhotel an der Völklinger Kühlweinstraße: Das Pächter-Ehepaar Albrecht hatte zum 15. Januar den Betrieb eingestellt. Von außen ist aber nicht wahrzunehmen, dass geschlossen ist. Die Einfahrt ist nach wie vor einladend geöffnet. Man sieht, wie dann Enttäuschte mit ihren Autos wenden. FOTO: Bernhard Geber
Völklingen. Mit dem Parkhotel Albrecht und dem Alten Wasserwerk liegen Millionen-Objekte der Vergangenheit brach. Die Völklinger Stadtwerke wissen offenbar noch keine Lösung. Von Bernhard Geber

Schon im Mai 2017 hatte das Pächter-Ehepaar Albrecht seinen Umzug vom Völklinger Parkhotel an den Saarbrücker Staden angekündigt und dann Mitte Januar damit ernst gemacht. Die Zeit scheint derweil stillgestanden zu haben. Am Rande der Kühlweinstraße weht nach wie vor die Bundesflagge, laden Albrecht-Werbetafeln zur Einfahrt durchs weit geöffnete Tor ein.


Die Albrechts haben sich ordnungsgemäß auf ihrer Internet-Seite aus Völklingen abgemeldet. Aber das Parkhotel wirkt von der Straße aus so, als ob es immer noch geöffnet sei. Eine Dämmerbeleuchtung suggeriert einen Hauch von Betrieb, und auf dem hinteren Parkplatz ist sogar ein Kühlwagen von vergangenen Konzerten stehen geblieben. Es gibt keinerlei Schild mit einem Vermerk  darauf, dass das Haus derzeit geschlossen ist. Und keinen wahrnehmbaren Hinweis drauf, dass, wie es schon seit Mai 2017 von den Stadtwerken aus hieß, ein neuer Betreiber gesucht wird.

Rund zehn Jahre hatte das Gastgeber-Spiel der Albrechts im Parkhotel gedauert. Die Völklinger Stadtwerke hatten zuvor das Gebäude erworben und für rund fünf Millionen Euro umgebaut. Kräftig in die Tasche griffen sie 2003 auch beim Alten Wasserwerk am Simschel. Es wurde zur Veranstaltungs- und Tagungsstätte umgebaut. Aber mit der schweren Krise bei den Stadtwerken war vor gut zwei Jahren diese Zeit vorbei. Passanten stehen seither vor verschlossenen Toren. Auch beim Alten Wasserwerk existiert kein Hinweis darauf, dass geschlossen ist und an wen man sich wenden könnte, um Interesse zu bekunden. Und das Wasserwerk vermittelt noch weit mehr als das Parkhotel den sprichwörtlichen Eindruck von Dornröschenschlaf. Mittlerweile angemooste Pavillons und Stände stehen im Hof, und an der Freilichtbühne ist sogar ein „My Stadtwerk“-Transparent aus Zeiten gut besuchter Konzerte hängen geblieben.

Derweil mehrt sich die Unruhe bei Politikern, die sich Sorgen um die Finanzen von Stadt und Stadtwerken machen. Manfred Jost, Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Stadtrat, hat Befürchtungen in Sachen Parkhotel bereits Ende Februar in einer – bisher unbeantworteten – Anfrage an Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) zusammengefasst. Jost fragt hier unter anderem: „Ist es richtig, dass vorhandene Angebote einen Kaufpreis von deutlich weniger als einer Milion Euro zum Inhalt haben? In welchem technischen Zustand befindet sich die Immobilie? Ist ausgeschlossen, dass sie, aufgrund ihres technischen und baulichen Zustands, gar abgerissen werden muss?“

Michael Böddeker hatte 2015 als neuer Geschäftsführer der Stadtwerke auch die Altlasten Parkhotel und Wasserwerk mit übernommen. Böddeker sagte gestern auf SZ-Anfrage, die Zukunft des Parkhotels werde in der kommenden Aufsichtsratssitzung am Donnerstag behandelt: „Deshalb bitte ich um Verständnis, dass ich jedenfalls vorher keine Auskunft geben kann.“ „Die Wiederbelebung ist das Ziel, aber da ist noch viel Arbeit bis zur Umsetzung“, sagte gestern Erik Kuhn, neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke. Kuhn, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat, hat Oberbürgermeister Lorig als Chef des Aufsichtsgremiums abgelöst.



Manfred 
Jost
Manfred Jost FOTO: Doris Döpke
Michael 
Böddeker
Michael Böddeker FOTO: BeckerBredel
Altes Wasserwerk am Simschel: Passanten stehen ohne Erklärung vor verschlossenem Tor, und nach der letzten Großveranstaltung vor Jahren ist hier offenbar nicht mehr aufgeräumt worden.
Altes Wasserwerk am Simschel: Passanten stehen ohne Erklärung vor verschlossenem Tor, und nach der letzten Großveranstaltung vor Jahren ist hier offenbar nicht mehr aufgeräumt worden. FOTO: Bernhard Geber