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Bedenkzeit für die Völklinger Kreisler
Marco Marian als Retter in der Not?

Marco Marian, Hip Hop-Trainer des TSC Royal Völklingen, feierte erst kürzlich mit seinem Schützling Artur Fedorov den Erfolg bei den Hip Hop-Europameisterschaften der United Dance Organisation (UDO) in Kalkar.
Marco Marian, Hip Hop-Trainer des TSC Royal Völklingen, feierte erst kürzlich mit seinem Schützling Artur Fedorov den Erfolg bei den Hip Hop-Europameisterschaften der United Dance Organisation (UDO) in Kalkar. FOTO: TSC Royal/Bernd Mathieu
Völklingen. Die drohende Auflösung der Völklinger Kreisler ist zunächst vermieden. Am 19. August nimmt nun die traditionsreiche Karnevalsgesellschaft erneut einen Anlauf zur Vorstandswahl. Von Andreas Lang

Gerade als Schuldzuweisungen und gegenseitige Vorwürfe aus der Vergangenheit wichtiger zu sein scheinen als Argumente, um 121 Jahre Tradition zu retten, ergreift einer der jüngsten Erwachsenen in der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Großen Völklinger Karnevalsgesellschaft Die Kreisler die rettende Initiative. Das ist Marco Marian alias Marco Twist, 24 Jahre, bekannt  als begeisterter Hip-Hop- und Break-Tänzer, Jungunternehmer im Tanzbereich und Initiator der Benefizaktion „I love 2 dance“ des Vereins Kulturgut Völklingen. Und in diesem Moment  noch nicht mal Kreisler-Mitglied.


Doch beginnen wir von vorne: Als Präsidentin Birgit Standhaft am Sonntagabend die außerordentliche Versammlung eröffnet, herrscht eine Stimmung wie beim Leichenims. Jeder ist betroffen. Zu Beginn weiß keiner, was er sagen soll. Und dann steht auch noch das Begräbnis des ältesten Völklinger Karnevalsvereins im Raum.

Zunächst aber gilt es, Versäumtes aus der jüngsten ordentlichen Versammlung nachzuholen. Schatzmeister Michael Bergner soll den Kassenbericht abliefern, doch soweit kommt es zunächst nicht. Gabi Pink, um den Jahreswechsel als Vizepräsidentin noch selbst in der Verantwortungsbütt, inzwischen aber aus beruflichen Gründen nicht mehr im Amt, zweifelt Formalien an. Und vor allem, ob die Vereinsauflösung tatsächlich notwendig sei. Schließlich genügten laut Satzung drei Personen im geschäftsführenden Vorstand.

Schon zu diesem Zeitpunkt hat das Duo, das noch in der Verantwortung steht, das Heft des Handelns aus der Hand gegeben. Wenigstens rufen Standhaft und Ehrenpräsident Raimund Lingstädt noch irgendwie die auf, die sich zu Wort melden. Dabei entwickelt sich eine mehr oder weniger offene Diskussion. „Warum stand nur so wenig über die drohende Vereinsauflösung in der Zeitung?“, fragt Pink. Lingstädt entgegnet, Pressemeldungen dazu versandt zu haben. Und das fand auch ganz groß seinen Niederschlag am 4. Mai in einem Aufmacher im Lokalteil der SZ mit der Überschrift „Sind die Kreisler noch zu retten?“

Fassungslosigkeit herrscht, dass dennoch am Sonntagabend nur 27 von 97 Mitgliedern gekommen sind. Nur etwas mehr als bei der jüngsten Versammlung, bei der nur 18 Interessierte da waren. Der Faden geht immer mehr verloren. Warum ist das passiert? Warum wurde das unterlassen? Was da konkret vorgefallen ist, soll unter den Kreislern bleiben. Wenigstens – das wird klar, als Bergner dann doch noch zum Kassenbericht kommt – bewegt sich der Verein finanziell im Guthabenbereich, und so würden zumindest finanzielle Gründe nicht dagegen sprechen, in die Verantwortung für den Verein zu gehen.



Irgendwann ist dann auch die Auflösung vorerst vom Tisch. Wie Pink mit dem Schreiben eines Fachanwalts für Vereinsrecht belegt, reicht auch die Mitgliederzahl bei der Versammlung bei weitem nicht aus, um Entsprechendes zu beschließen. Also muss eine neue außerordentliche Sitzung anberaumt werden, die die Versammlung auf den 19. August terminiert.

Marian durchbricht immer wieder den Disput, regt an, neue Wege zu gehen, Jugendliche für den Verein zu begeistern. In einer Whats-App-Gruppe (das ist ein Kommunikationsdienst im Handybereich) habe er sehr schnell 20 junge Leute für die Probleme der Kreisler interessieren können. Drei davon würden sogar Vorstandsämter übernehmen, waren aber nicht mit zur Versammlung gekommen.

Marian zeigt sich schließlich sogar bereit zum ganz großen Schritt: „Ich könnte mir sogar vorstellen, Präsident zu werden.“ Zunächst aber wolle er kommissarisch Vize werden, um Verein und Aufgaben in dieser Position kennenzulernen. Und offenbar hat er sich das Vertrauen der Versammlung erarbeitet, denn die wählt ihn als kommissarischen zweiten Vorsitzenden. Im August wird es somit vermutlich eher zu Ergänzungswahlen kommen als zur Auflösung der traditionsreichen Völklinger Kreisler.