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Angebot von Ehrenamtlichen
„Man sieht, dass sie mit Herzblut dabei sind“

Warum funktioniert die Bohrmaschine von Hans-Jürgen Georges (rechts) nicht? Paul Fellinger (links) geht der Frage auf den Grund. In der Mitte: Koordinator Günter Wagner, auf dessen Initiative hin das Völklinger Repair Café ins Leben gerufen wurde.
Warum funktioniert die Bohrmaschine von Hans-Jürgen Georges (rechts) nicht? Paul Fellinger (links) geht der Frage auf den Grund. In der Mitte: Koordinator Günter Wagner, auf dessen Initiative hin das Völklinger Repair Café ins Leben gerufen wurde. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Zwölf Ehrenamtliche und jede Menge zu tun: Einblicke in die erfolgreiche Arbeit des Völklinger Repair Café. Von Ulrike Paulmann

„Er macht keinen Mucks mehr“: Ratlos schaut die dunkelhaarige Frau auf ihren blauen Staubsauger. Ein Markengerät, das ihr lange in ihrem Haushalt in Riegelsberg gute Dienste geleistet hat. Jetzt liegt es auf einem Tisch in einem Nebenraum des Café Valz in Völklingen. Martin Skupin, 67, öffnet den Sauger, um den Fehler zu finden. Seine Handgriffe wirken geübt. Der Wehrdener, gelernter Werkzeugmacher, kennt sich aus mit Reparaturen. Von Anfang an gehörte er zum Team des Völklinger Repair Café, für das er gerade ehrenamtlich im Einsatz ist. Einmal im Monat bietet die Diakonie Saar in der Gatterstraße 13 unter dem Motto „Wegwerfen — Denkste!“ diese Hilfe zur Selbsthilfe an. Vom Fahrrad bis zum Fernseher: Fast jeder defekte Gegenstand kann hier unter Anleitung in Ordnung gebracht werden, das sagen die Verantwortlichen. Die Arbeitsleistung der Reparaturexperten ist kostenlos. Nur eventuell fehlende, neue Teile müssen die Leute selbst besorgen. Organisiert wird das Repair Café über das Projekt „Besser leben und arbeiten im Quartier BIWAQ“.



Aus der Zeitung hat die 68-jährige Besitzerin des Staubsaugers vom Angebot erfahren. Nun sitzt sie hier, reicht Werkzeug an. Und hofft, den Sauger funktionierend mit nach Hause nehmen zu können. „Das hier macht einen guten Eindruck, die Leute sind sehr freundlich“, sagt sie.

Um die Mittagszeit wuselt es nur so in dem kleinen Café. Die Gäste haben defekte Toaster, Nähmaschinen, Handys und Ähnliches im Gepäck. Im vorderen Bereich melden sich die Hilfesuchenden an, im Nebenraum wird nach und nach repariert. Voraussetzung: Jeder Besucher soll nur einen Gegenstand dabei haben. Verschmutztes oder bestimmte Geräte (zum Beispiel Kaffeevollautomaten) werden nicht angenommen. „An einem Samstag werden immer um die 28 Geräte repariert, etwa 95 Prozent der Sachen sind reparierbar“, sagt Karl Sander. Der 65-jährige Völklinger gehört zum Team der Ehrenamtlichen, er trifft die Vorauswahl.

„Das Ganze wird sehr gut angenommen. Nicht nur aus Völklingen kommen die Leute, sondern auch aus anderen Städten und Gemeinden“, sagt Günter Wagner. Man sieht, dass es ihn freut, ebenso wie seinen Kollegen Ludwig Heil, 50, neben ihm. Der 59-jährige Wagner ist Sozialarbeiter beim Diakonischen Werk, er koordiniert die ehrenamtlichen Arbeiten im Rahmen von „BIWAQ“. Er hat das Repair Café vor gut drei Jahren ins Leben gerufen. Warum? Da sei zum einen der Umweltgedanke gewesen, sagt er: Das Reparierte könne man weiter nutzen, statt es wegzuwerfen. Dazu seien auch die sozialen Kontakte, die man beim Repair Café (bei dem es auch immer Kaffee und Kuchen gibt) knüpfe, wichtig. Außerdem spiele der „Hilfe zur Selbsthilfe“-Gedanke eine große Rolle. So entstand 2015 das Völklinger Repair Café: „Es war das erste im Saarland.“ Aus zwölf aktiven Ehrenamtlichen besteht das Team, weitere werden gesucht (siehe Kasten). „Handwerklich begabt sind sie alle“, so Wagner, viele ständen am Ende ihrer Arbeitszeit oder seien in Rente. Elektriker, Ingenieur, Informatiker, Schlosser, Schreiner, Näherin, Kunstglaserin: Das Kompetenzfeld der Freiwilligen ist weit gestreut. „Jeder arbeitet nach seinen Fähigkeiten, und viele unterstützen sich gegenseitig.“

Corinna Kohler, 50, und Peter Schwanengel, 59, haben gerade gemeinsam eine Küchenmaschine repariert, sehr zur Freude ihres Besitzers Horst Herr (70) aus St. Nikolaus. „Man sieht, dass sie mit Herzblut dabei sind“, sagt er. Die beiden freut’s: „Das hat Spaß gemacht“, sagt der Völklinger Schwanengel. Er ist Elektromeister, das Reparieren ist sein Hobby. Und auch Kunstglaserin Corinna Kohler mag die Arbeit im Team, fährt dafür gern von ihrer Heimat Spiesen nach Völklingen. Paul Fellinger, 62, Elektriker aus Völk­lingen, gibt zu Protokoll: „Ich freue mich über jedes Teil, das nicht auf dem Schrott landet.“

Informatiker Tobias, 27, kommt  aus Nennig, weil ihm die Arbeit im Team gefällt und „man immer was lernt“. Helga Puhl, 78, aus Völklingen, näht und backt für jedes Repair Café, weil es hier große Freude macht. Und auch Martin Skupin möchte das Ganze nicht missen: „Manche brauchen eben Hilfe. Und das Schönste ist doch, wenn etwas wieder funktioniert“, sagt er, während er an dem Staubsauger werkelt. Engagement hier,  Dank da: „Es ist für mich selbstverständlich, nachher als Dankeschön etwas ins Sparschwein zu werfen“, sagt die Riegelsbergerin. Das tun viele. Und das ist gern gesehen, sagt Koordinator Günter Wagner. Denn davon werden dann Verbrauchsmaterialien oder Werkzeuge gekauft.

Der Mann am Staubsauger: Der Ehrenamtliche Martin Skupin bei der Arbeit im Repair Café.
Der Mann am Staubsauger: Der Ehrenamtliche Martin Skupin bei der Arbeit im Repair Café. FOTO: BeckerBredel