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Jubiläum
Mädchen lieben es, bei ihr zu tanzen

Sonja Wittmann (rechts) unterrichtet seit 1993 Kinder in Ludweiler, hier in ihrem Ballettsaal im Haus der Vereine.
Sonja Wittmann (rechts) unterrichtet seit 1993 Kinder in Ludweiler, hier in ihrem Ballettsaal im Haus der Vereine. FOTO: BeckerBredel
Ludweiler. Sonja Wittmanns Ballettschule feiert ihr 25-jähriges Bestehen in Ludweiler. Einige Teilnehmer sind sogar Profis geworden. Von Walter Faas

Die Farben des Tanzes sind bunt. Blaues Oberteil, schwarzes Tutu, rosa Stulpen, schneeweiße Tanzschuhe. Wir befinden uns im Ludweiler Haus der Vereine, in einem ehemaligen Klassensaal, jetzt umgebaut zum Ballettstudio. Rundumspiegel, umlaufende Stangen, Trainingsmatten, Bilder glanzvoller Auftritte. Mittendrin die Chefin. Sonja Wittmann, seit 53 Jahren aktive Ballerina, lebt den Tanz, er ist ihr Beruf und Berufung. „Ich liebe diese pädagogische Arbeit mit meinen Gruppen“, sagt sie.


„Und die Kinder lieben sie“, sagt Beatrix Kehl, die ihre Enkelin Mia seit einem Jahr hierher in die wöchentliche Probe bringt. Ballettschülerin („manchmal, ganz selten, kommen auch Buben“) kann man ab vier Jahren werden. Nach oben gibt es keine Begrenzung. Im März 1993 hatte Sonja Wittmann mit zwei Klassen in Ludweiler ihre Schule gegründet. Heute unterrichtet sie insgesamt 15 Ballettgruppen mit einer Modern-Dance-Abteilung mit jeweils acht Schülern. Angefangen von den erwähnten Wonneproppen über Jugendliche, junge Erwachsene („meine großen Mädels, die von Anfang an dabei sind“) bis hin zu den Senioren Ü 60 sind alle Generationen vertreten.

Zum Fototermin haben sich die Kinder fein gemacht. Gebracht von Mama und Papa, Oma und Opa, beginnt das Training mit dem Gang zur Toilette. Wittmann: „Hier legen wir viel Wert auf Disziplin. Kein Herumgerenne, keine ständigen Unterbrechungen, wir arbeiten 45 Minuten ganz konzentriert.“ Die Schülerinnen treten an die Stange. Langsam kreisen die Fußspitzen, dehnen sich die Oberkörper, Muskel um Muskel wird gespannt. Linkes Bein hoch, rechter Arm beschreibt einen Halbkreis, Haltung einnehmen, Positionen beschreiben, lautet die Devise. Dann laufen die Kinder diszipliniert hintereinander durch den Saal. Mama Alexandra Ronck kommentiert: „Meine Tochter hat Riesenspaß mit dem Training und ich merke, dass es ihrer Haltung, aber auch ihrem Selbstbewusstsein sehr gut tut.“ Wittmann: „Man muss die Liebe zum Ballett mitbringen, aber auch den Willen, sich anzustrengen. Ballett ist mehr, als nur im Tutu auf der Bühne zu stehen, sondern richtig disziplinierte Arbeit.“ Einige ihrer Schüler aus dem vergangenen Vierteljahrhundert haben den Sprung in den Profibereich geschafft.

Aber natürlich geht es hier in Ludweiler nicht zu wie in einer Hochschule für Tanz: „Jeder bewegt sich nach seinem eigenen Körpergefühl und seinen eigenen Möglichkeiten“, sagt die Ausbilderin. Ihre Teilnehmerinnen würden aber, unabhängig vom Alter, vom wöchentlichen Training profitieren: „Haltung, Körperbewusstsein, Anmut, die Muskulatur, das Selbstbewusstsein, Emotionalität – das alles kann hier geschult werden“, sagt Wittmann.

Und weil der Ballettunterricht nicht nur aus nüchternen Trainingseinheiten besteht, sind im Laufe des Jahres immer wieder Höhepunkte vorgesehen. Der nächste findet am kommenden Wochenende im Haus der Vereine  statt, ein großes Fotoshooting mit einem professionellen Fotografen, den schönsten Kostümen und ordentlicher Beleuchtung. „Dabei können selbstverständlich auch Schüler von anderen Schulen nach Voranmeldung mitmachen.“



Jährlich gibt es in Ludweiler auch den Ballettkalender mit den schönsten Aufnahmen der eigenen Schule sowie eine passende DVD. Absoluter Höhepunkt eines jeden Jahres ist neben weiteren Auftritten bei Veranstaltungen die große Ballettgala im Centre Culturel Pierre Messmer im französischen St. Avold mit rund 900 Teilnehmern und Besuchern. Dazu Wittmann: „Wir studieren dafür  in jedem Jahr 24 neue Tänze ein, ein absoluter Höhepunkt.“

Ob die Chefin bei so viel Beschäftigung mit dem Thema sich selbst noch Ballett anschaut? „Ja sicher“, lautet die Antwort, „aber meist in Frankreich, ganz klassisches Ballett. Hier in Deutschland sind mir, bei allem Respekt für die Leistungen, die Choreografien zu modern.“