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Gesunde Ernährung
Lieber gequetschtes Obst oder flinkes Gemüse?

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Schnell zur Hand, vitaminreich und mit einer Handbewegung schluckfertig im Kindermund platziert: So preist die Werbung Quetschies an, Obstmus-Variationen, die schwer in Mode sind. Von Ruth Rousselange

Quetschie, ein solches Wort ist selbsterklärend. Da wird aus einem Behältnis etwas von geschmeidiger Konsistenz herausgequetscht.


Trotzdem wundere ich mich, dass es Quetschies überhaupt gibt. Aber sie existieren. Gut, ich bin nicht eben die Zielgruppe für die Knautschdinger, gedacht sind sie und ihr Inhalt für Kleinstkinder beziehungsweise zum Erwerb für deren fürsorgliche Eltern. Es handelt sich um Fruchtmus-Kompositionen in Beuteln, von denen man hofft, dass sie unbedenklich sind. Optisch bestechen die Quetschies durch quietschige Buntheit, lustige Tierfiguren, die mal mit comicartigem, mal realistisch abgebildetem Obst hantieren.

Wobei Letzteres angeblich besser sei, weil Kinder so eine direktere Vorstellung von den Früchten bekämen. Das mag stimmen, wird der oder das Quetschie geöffnet und der musige Inhalt herausgedrückt, dürfte es schwer sein die ursprünglichen Konturen von Apfel, Birne und Beere noch zu erahnen. Praktisch seien die Dinger außerdem für unterwegs, weil Mama und Papa sie schnell zur Hand haben, um sie den lieben Kleinen in den Mund zu stopfen.



Gleichzeitig müssen sie ihnen aber das Langzeitnuckeln verbieten, weil die Kinder so frühzeitig die Fundamente ihrer womöglich eben erst erworbenen Milchzähne mit zuckrigem Obstpüree untergraben. Ordentlich Fruchtzucker ist natürlich drin. Mir sind die bunten Obsttütchen suspekt. Wahrscheinlich weil ich auf Zartgemüse aus der Dose konditioniert bin: „Ja, der Mais, der Mais, der Mais marschiert!“ Sie erinnern sich an Tomi Ungerers geniale Werbekampagne für Bonduelle?

Niemals danach habe ich flotteres und fröhlicheres Gemüse gesehen, das zudem besser in Form gewesen wäre. Vielleicht lag das daran, das es nicht gequetscht, sondern gnadenlos in Gänze eingedost wurde. Apropos nach Quetschies quengelnde  Kleinkinder: Da empfehle ich die bewährte Banane. Die Frucht fordert zum Öffnen die ganze Ausdauer, Erfindungsgabe und das Durchsetzungsvermögen der Kleinen. Haben sie es geschafft, können sie erstens stolz sein. Zweitens ist das gelbe Zeug prima gequetscht . . .