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Kolumne So kann’s gehen
Männer zwischen Theorie und Praxis

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Nicht jeder, der gute Schulnoten hat, ist auch lernfähig. Diese Beobachtung hat unsere Kollegin im Fach Naturwissenschaften gemacht. Von Susanne Brenner

Als ich ein Teenager war, gab es eine Art Naturgesetz in der Schule: Frauen können kein Mathe, und in Naturwissenschaften sind sie sowieso unbegabt. Diese Regel war dann in der Pubertät auch so ziemlich die einzige, an die ich mich eisern gehalten habe. Zum Leidwesen meiner Eltern.


Die Jungs in meiner Klasse waren da weniger störrisch, sie hatten ja schließlich immer gesagt bekommen, dass Männer in solchen Fächern gut sind. Auch der Mann, der mir seit vielen Jahren im Leben zur Seite steht, war richtig gut in Mathe und hatte keinerlei Probleme mit Physik, Chemie oder Biologie.

Aber offenbar gibt es bei Männlein und Weiblein einen klaren Unterschied zwischen Schule und Leben. Während die meisten Frauen das bisschen Naturwissenschaft, das aus der Schule hängen geblieben ist, auch Jahrzehnte später noch problemlos im Alltag anwenden, bleiben viele Jungs offenbar ihr Leben lang im Schul-Labor.



Mein Lieblings-Beispiel ist aus dem Fach Biologie: der Küchenschwamm. In der Schule haben wir alle recht viel über Bakterien und Sporen und Ich-weiß-nicht-was gelernt. Unsere Männer hatten dabei leider so viel Spaß, dass sie bis heute Bakterienkulturen anlegen. Der Mann einer Freundin zum Beispiel nimmt grundsätzlich den Spülschwamm, wenn er auf dem Boden Dreck entdeckt. Wisch-wasch-weg, und danach wird gern ein Weinglas damit gewienert. Mein eigener Gatte „polstert“ frisch Gespültes gern, indem er Gläser oder Besteck auf den Lappen drapiert, der eigentlich zum Saubermachen verschmutzter Oberflächen gedacht ist.

Auch mit Textilien machen Männer selbst Jahrzehnte nach dem Schulabschluss noch gern Experimente. Was passiert, wenn man nasse Handtücher in den halb vollen Wäschekorb wirft? Oder welche Pilzkulturen kann man auf dem Duschvorhang züchten? Das kann man ja gar nicht oft genug ausprobieren. Physik wird natürlich auch gern im Alltag getestet. Wenn man viele Nudeln in einem viel zu kleinen Topf kocht, verkleben die dann?

Vom Mathe-Unterricht hat so mancher Mann die praxistaugliche Seite ebenfalls gelöscht. Ich sage nur: Kleingeld! Die Summe an der Supermarkt-Kasse lautet 13,52 Euro? Da kann man doch nicht mit all den schönen Euro- und Centmünzen zahlen, die den männlichen Geldbeutel zum tonnenschweren Begleiter machen. Da müsste man ja kopfrechnen ... 

Man sieht also: Nicht jeder, der gute Noten hat, ist auch lernfähig.

Aber wenigstens ist das Naturgesetz meiner Jugend heute widerlegt. Unsere Tochter und viele ihrer Freundinnen sind tatsächlich ziemlich gut in Mathe und Naturwissenschaften. Sie wussten nicht, dass Frauen das nicht können. Es hatte ihnen niemand erzählt. Den richtigen Spülschwamm benutzt unsere Tochter übrigens trotzdem. Und große Töpfe für Nudeln ...