Lebensmittel-Anbau vor der Wendalinuskapelle in Ludweiler

Gartenprojekt : Lebensmittel-Anbau vor Kapelle in Ludweiler

Grenzüberschreitendes Gartenprojekt in dem Völklinger Stadtteil soll Langzeitarbeitslosen wieder eine Perspektive geben.

Während viele Hobbygärtner ihre Spaten, Rasenmäher und Heckenscheren bereits im Keller verstaut haben, wird am Mittwochmorgen vor der Wendalinuskapelle in Ludweiler noch kräftig in die Hände gespuckt. Die Sonne scheint, aber es ist kalt – minus ein Grad zeigt das Thermometer. Alle sind dick verpackt, heißer Tee und Kaffee stehen bereit. Die gut 20 Männer und Frauen auf der Baustelle kommen aus verschiedenen Ländern der Großregion. Die Arbeiter sind Langzeitarbeitslose, sie werden von Gärtnern angeleitet.

Die internationale Truppe will den Kapellenvorplatz aufwerten. „Essbare Stadt“ lautet das Stichwort.  Raum in der Stadt wird zum Anbau von Lebensmitteln genutzt. Das Zentrum für Bildung und Beruf Saar (ZBB) in Saarbrücken koordiniert die Aktion. Die Projektpartner aus Lothringen, Rheinland-Pfalz und Luxemburg sind bei dem zweitägigen Einsatz in Ludweiler mit von der Partie, nur die Kollegen aus Belgien konnten nicht kommen.

Überall wird konzentriert gearbeitet. Ein Team legt eine Baumscheibe an. Nachdem der Rasen entfernt ist, kann der Ahornbaum besser atmen. Ein paar Meter weiter ist ein Beet in Form einer Windrose entstanden. Vier identische Beete werden auch in den Kommunen der Projektpartner angelegt. Die Windrose ist mit Stahl umrandet, das passt zur Stahlstadt Völklingen. Gleich wird das Beet mit Wintergerste bepflanzt, im Frühjahr folgen Gemüse und Kräuter. Weiter oben im Gelände legt eine Gruppe eine Fruchthecke an. Und an einer anderen Stelle sollen Weintrauben und Himbeeren wachsen.

Zwischendurch bleibt Zeit für einen kleinen Plausch. Man spricht Saarländisch, Französisch, Pfälzisch. Oder die Leute verständigen sich mit Händen und Füßen. Die Kommunikation klappt prima, die Atmosphäre ist entspannt. „Ich verstehe mich mit jedem gut“, versichert Arbeiter Enes Odabasi (26). Der Völklinger arbeitet gerne draußen mit Pflanzen. Die Gruppen lernen sich nicht nur beim Gärtnern kennen, am Vortag stand ein gemeinsamer Besuch der Völklinger Hütte auf dem Programm. „Wir sind begeistert“, sagt Projektkoordinator Hans Martin Derow vom ZBB.

Gefördert werden die Arbeiten mithilfe des Projekts „KreaVert“ der Europäischen Union. Es geht um das Gärtnern über Grenzen hinweg, aber auch darum, benachteiligten Bevölkerungsgruppen eine Perspektive zu geben. Laut Derow hat das dreijährige Projekt eine Größenordnung von etwa drei Millionen Euro. Davon übernimmt die Europäische Union 60 Prozent, der Rest sei regionales und kommunales Geld. Das Jobcenter sitzt mit im Boot, auch von der Patengemeinschaft Wendalinuskapelle und der Stadt Völklingen gibt es Unterstützung.

Den jetzt ausgewählten Pflanzen machen die kühlen Temperaturen wohl wenig aus. Gefahr bestehe erst bei mehreren Wochen Dauerfrost, erklärt ZBB-Gärtnermeisterin Susann Gregor. Im Frühjahr werden dann Kräuter, Salat und Mangold gepflanzt. Und wer darf im nächsten Sommer ernten? „Alle!“, betonen Derow und Gregor. Die ersten kleinen Birnen werden sich wohl die Vögel schnappen. Neben den Bürgern können sich auch die Tiere bedienen. Beim Warndt-Weekend im Juni 2020 wird die neu gestaltete Fläche der Öffentlichkeit vorgestellt.