Lebensfreude an der Trompete in der Brass Band Ludweiler

Spaß mit Musik : Lebensfreude an der Trompete

Gut 40 Jahre ist Hans Günter Kaufmann mit der Brass-Band Ludweiler auf Tour, was er noch heute nicht missen will.

Heutzutage sind so gut wie alle Vereine froh, wenn sie junge Mitglieder für sich gewinnen können, damit der Verein eine Zukunft hat. Als sich Hans Günter Kaufmann Ende der 1970er Jahre der Brass-Band in Ludweiler anschloss, war das anders. „Wir hatten damals so viele Mitglieder, dass man sich nicht aussuchen konnte, welches Instrument man gerne spielen möchte, sondern man bekam eins zugeteilt. Es wurde danach geschaut, dass die Anzahl der verschiedenen Instrumente zusammen passte“, blickt Hans Günter Kaufmann zurück.

Der heute 53-Jährige bekam das Instrument Trompete zugeteilt, das er mittlerweile seit mehr als 40 Jahren in dem Verein spielt. „Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich habe nie ein anderes Instrument ausprobiert“, sagt der Trompeter, der noch einen bemerkenswerten Unterschied von damals zu heute kennt: „Wir hatten früher etwa 80 Auftritte pro Jahr und waren jedes Wochenende im Saarland und darüber hinaus auf Tour. Wenn man unter der Woche in den Proben gefehlt hat, durfte man nicht mitfahren. Heute können es sich Vereine gar nicht mehr erlauben, einen Musiker zu Hause zu lassen“, sagt der Familienvater, der auch seine Söhne und Enkelsöhne für die Musik begeistern konnte.

Sohn Michael spielt in der Brass-Band Schlagzeug, Enkel Tyler Trompete und Enkel Noah Trompete und Schlagzeug. „Die haben alle auch mal Fußball gespielt und andere Sachen ausprobiert. Letztlich sind sie aber zur Musik gekommen. Bei mir war es damals auch so, auch wenn früher das Angebot an Freizeitaktivitäten viel geringer war. Was ein Computer ist, wussten wir gar nicht“, erzählt Hans Günter Kaufmann, der im Großrosseler Ortsteil Dorf im Warndt lebt und mit der Brass-Band Ludweiler – einem im Warndt gelegenen Stadtteil von Völklingen – schon beeindruckende Erfolge feiern konnte.

Das Clubheim des Vereins steht voll mit Pokalen. „Wir haben in den 1980er Jahren fast alle Wettbewerbe gewonnen, die es zu gewinnen gab. Der Höhepunkt war der Europameister-Titel 1988 in Lier in Belgien“, erinnert sich der leidenschaftliche Trompeter. Dabei wussten die Brass-Band-Mitglieder an besagtem Tag lange gar nicht, dass sie Europameister geworden sind: „Das war in einem Stadion, und das war voll mit Bands aus ganz Europa. Es wurde nur belgisch und ein bisschen englisch gesprochen, und wir verstanden kein Wort. Erst als die Verantwortlichen kamen und uns baten, vor dem großen Publikum noch einmal zu spielen, bekamen wir mit, dass wir es geschafft hatten und es die Zugabe sein sollte. Es war ein ganz toller Moment.“

Große Momente erlebt der 53-Jährige auch in Ludweiler. Zum Beispiel, als alle aktiven Mitglieder zusammen das neue Clubheim im Jahr 2000 und 2001 in Eigenregie bauten. „Ich glaube, dass so etwas heute auch nicht mehr möglich wäre. Wir hatten alle Handwerksberufe in unserer Band und arbeiteten zusätzlich zu den Proben jeden Tag am Clubheim.“

Heute ist die Brass-Band zwar genauso klangstark und spitzenklasse wie eh und je, doch es ist ruhiger geworden. „Wir haben noch etwa 25 Auftritte im Jahr. An Fasching und im August geht es am meisten rund. Im August sind wir jedes Wochenende unterwegs und fahren viele hundert Kilometer. Es ist immer noch aufregend und macht Spaß mit den Jungs und Mädels zusammen aufzutreten“, erzählt der Musiker, der seine Trompeter und das Vereinsleben der Brass-Band heute noch genauso mag wie vor 40 Jahren.

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