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Kunstschule will jetzt mehr trommeln

Kunstschule will jetzt mehr trommeln

Wieviel Kunst und Kultur generell brauchen Kinder? Eine Podiumsdiskussion in der Kulturhalle Wehrden beleuchtete das komplexe Thema.

"Eigentlich haben die Kinder schon selbst alle Fragen beantwortet", sagt Peter Kamp, Vorsitzender des Bundesverbandes der Jugendkunstschulen, schmunzelnd am Dienstagabend in der Kulturhalle Wehrden. "Kunst für Kinder - ist die wichtig, oder kann die weg?" lautet das Thema einer Podiumsdiskussion, an der sich sieben Vertreter aus Politik und verschiedenen Verbänden beteiligten. Anne Herzhauser, Leiterin der Kunstschule Kassiopeia und stellvertretende Vorsitzende des saarländischen Landesverbandes der Kinder- und Jugendkunstschulen, hatte sich den Dachverband ins Boot geholt. Denn die Stadt Völklingen droht ihre Schule kaputt zu sparen.

Moderator Roland Helm entschuldigte die Völklinger Verwaltungsspitze, OB Klaus Lorig sei auf Dienstreise und könne deshalb leider nicht kommen, sein Vertreter Wolfgang Bintz sei krank.

Zunächst marschieren Kinder der Regenbogenschule ein, alle Kassiopeia-erfahren, und lassen keinen Zweifel daran, dass die Kunstschule in Wehrden existenziell wichtig für sie ist. Wenn Kassiopeia aus Geldmangel geschlossen würde, "sind wir traurig und wütend". "Dann fehlt mir etwas in meinem Leben", skandieren die Grüppchen. Denn bei Kassiopeia "kann ich ich sein, Stress abbauen" (leises Gelächter im fast bis auf den letzten Stuhl besetzten Saal).

Einig ist sich die Runde auf dem Podium schnell, dass kreative Angebote für die Persönlichkeits-Entwicklung unverzichtbar sind. Sie fördern das Selbstbewusstsein und legen das Fundament, damit aus Kindern Erwachsene mit Haltung und Toleranz werden.

Aber wie so oft beim Thema Kultur geht es auch hier ganz schnell um die Finanzierung. Kamp führte aus, dass das Antragsaufkommen aus dem Saarland "bei allen relevanten Bundesfördervorhaben, etwa beim Fonds Soziokultur mit dem 250-Millionen-Programm ‚Kultur macht stark' des Bundes" gegen Null gehe. Motto: Ohne Sprungbrett keine großen Sprünge. Das Land halte sich in Sachen Vernetzung, Lobbyarbeit stärker zurück als alle anderen Bundesländer. Und: "Es gibt keinen Fachverband der Soziokultur, keine Landesvereinigung kultureller Jugendarbeit." Und warum, fragt Kamp weiter, sind Jugendtheater, Musikschulen, Sportvereine präsent, Kunstschulen eher nicht?

Herzhauser hat für sich schon Konsequenzen gezogen: "Wir sind noch entwicklungsbedürftig. Wir werden noch nicht wahrgenommen. Das wird sich ändern." Das Trommeln empfiehlt auch Kamp: "Raus aus der Nische, Vernetzung, Kooperation, Professionalisierung", so sein Credo. Er fordert mutige Schritte hin zu professioneller Infrastruktur - Räume, Personal und Budget. Fünf Kunstschulen gebe es im Saarland, immerhin eine pro 200 000 Einwohner. Der Landeszuschuss pro Einrichtung liegt bei 12 000 Euro - "im Kinder- und Jugendkulturland Nordrhein-Westfalen investiert das Land fast doppelt soviel, 23 000 Euro". Auch eine Empfehlung des Bundesverbandes der Jugendkunstschulen zur Finanzierung hat Kamp dabei, spricht von der Drittelfinanzierung: ein Drittel Landesmittel, ein Drittel kommunale Mittel, ein Drittel Eigen- und Drittmittel. So arbeitet etwa die LAG Soziokultur und Kunstpädagogik Rheinland Pfalz mit ihrer Vorsitzenden Margret Staal erfolgreich.

Tina Schöpfer von den Grünen, die nach dem 26. März in den Landtag einziehen möchte, plädiert dafür, dass "Kultur Pflichtaufgabe werden soll". Denn leider werde immer an der Kultur zuerst der Rotstift angesetzt - eben wie an der "Perle Kassiopeia". Heinz Bierbaum von den Linken im Landtag kritisiert das Missverhältnis der Ausgaben ("wenn ich den Haushaltstitel für das Weltkulturerbe sehe . . "). Viele Themen wurden in den gut zwei Stunden angesprochen. Jetzt müsste gehandelt werden. Oder, um es noch einmal mit den Kassiopeia-Kindern zu sagen: "Wenn alles nichts hilft, dann beschwere ich mich bei Angela Merkel." Die hat schon 2008 zu einem Jugendkunstschul-Jubiläum geschrieben: "Phantasie bereichert unser ganzes Leben."

Zum Thema:

Völklingen spart - auch an Kassiopeia Laut Haushaltssanierungs plan ist für 2017 eine Kürzung um weitere 10 000 Euro vorgesehen. Betroffen wäre die Kinderkulturreihe "Phantastische Begegnungen". Aber: Hauptunterstützer von Kassiopeia ist neben dem Land der Regionalverband. So hat das Projekt in diesem und letzten Jahr jeweils 66.800 Euro aus Projektfördermitteln des Jugendamtes für Präventionsprojekte erhalten, informiert Pressesprecher Lars Weber.