| 20:27 Uhr

Gegen neue Fußgängerzone
Kunden und Kaufleute in Völklingen protestieren

Die Rathausstraße wird derzeit von Autos, Bussen und Fußgängern gemeinsam genutzt. Die Planung läuft darauf hinaus, sie in eine Fußgängerzone zu verwandeln. Oberbürgermeister Lorig denkt an eine Zwischenlösung: Die Straße soll in beide Fahrtrichtungen geöffnet werden – mit einer Wendemöglichkeit für Autos an der Stelle des neuen Platzes beim Alten Rathaus, wo dann nur noch Busse passieren dürfen.
Die Rathausstraße wird derzeit von Autos, Bussen und Fußgängern gemeinsam genutzt. Die Planung läuft darauf hinaus, sie in eine Fußgängerzone zu verwandeln. Oberbürgermeister Lorig denkt an eine Zwischenlösung: Die Straße soll in beide Fahrtrichtungen geöffnet werden – mit einer Wendemöglichkeit für Autos an der Stelle des neuen Platzes beim Alten Rathaus, wo dann nur noch Busse passieren dürfen. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Der Widerstand gegen den Völklinger Verkehrsentwicklungsplan wächst. Bereits weit über 600 Besucher und Kunden haben bei einer Unterschriftensammlung dafür plädiert, in der Innenstadt vorerst alles beim alten zu lassen.

Ein Darmstädter Büro hat einen Verkehrsentwicklungsplan ausgearbeitet, der die Verkehrsführung in der Völklinger Innenstadt auf den Kopf stellen würde. Unter anderem soll die Rathausstraße in eine Fußgängerzone umgewandelt werden, während die Poststraße wieder zu einer Durchgangsstraße umgebaut wird. Ansonsten soll dann fast in ganz Völk­lingen flächendeckend Tempo 30 (und teilweise noch weniger) gelten. Hans Agostini, Vorsitzender des Wirtschaftskreises, hat bereits beim Neujahrsempfang vergangene Woche vor einem „Verkehrsbehinderungsplan“ gewarnt. Und mittlerweile haben Geschäftsleute in der Völklinger Innenstadt auch ihre Kunden mobilisiert.


„Weit über 600 Unterschriften“, berichtete Nora Becker gestern, seien inzwischen zusammengetragen. Von Besuchern und Kunden, die nichts von den geplanten Neuregelungen halten. „Unsinn“, „Geht nicht!“ und „Verkehrsführung ist gut so!“ lauten persönliche Kommentare, die sie in den Randspalten der Listen abgegeben haben. Darunter sind auch Unterzeichner aus dem Umland, zum Beispiel aus Wadgassen, Überherrn und Großrosseln. Unterschrieben haben sie zuvor folgende Aussage: „Die geplante Verkehrsregelung vertreibt Kunden und Besucher, anstatt sie willkommen zu heißen.“ Die Unterzeichner votieren für mehr Kurzparkplätze in der Rathausstraße, sind gegen eine Sperrung der Verbindung Rathausstraße-Bismarckstraße für Pkw und gegen eine Öffnung der Bismarckstraße in beide Fahrtrichtungen.

„Der ,Rundparcours’ Bismarckstraße – Poststraße – Rathausstraße hat uns Geschäftsleuten bis jetzt geholfen, zu überleben, und darf nicht abrupt gekappt werden“, fasst Nora Becker ihre Sicht der Dinge zusammen. Sie mahnt auch, mit dem so genannten Multifunktionsplatz (zwischen früherem Weißen Haus und Altem Rathaus)  abzuwarten, bis es rund um einen neuen Modepark Röther wieder aufwärts geht. Dieser Platz soll, sagt Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) bisher, zeitgleich mit dem Modepark verwirklicht werden. Damit wäre aber die Rathausstraße vom Durchgangsverkehrs abgehängt. An dieser Stelle dürften dann nur noch Busse und (eventuell) Taxis weiterfahren.

Für heute Abend (18.45 Uhr, Saal 1, Neues Rathaus) ist ein Informationstreffen angesetzt. Dabei wollen Oberbürgermeister Lorig, der verantwortliche Verkehrsplaner Frank Schleicher-Jester sowie Ludwin Scherer und Matthias Zimmer von der Stadtplanung Geschäftsleuten Rede und Antwort stehen. Neben Nora Becker wird hier Vorstandsmitglied Christof Sellen den Wirtschaftskreis vertreten. Nach bisherigen Informationen, so Sellen, solle der Verkehrsentwicklungsplan bereits im Frühsommer vom Stadtrat verabschiedet werden. Für Sellen stellt sich hier folgende Grundsatzfrage: „Ist das  jetzt ein guter Zeitpunkt, diesen Plan zu beschließen, oder würde man nicht besser noch ein Jahr damit warten?“ Die Planung erfasse nicht nur das Innenstadtdreieck, sondern das gesamte Stadtgebiet – unter anderem mit neuen Tempo-30-Zonen und Verkehrskreiseln. Die Frage sei unter anderem, „ob da nicht Püttlingen von der Innenstadt abgehängt wird“. Im Anschluss an das Informationstreffen werde der Wirtschaftskreis seine Mitglieder befragen und anschließend seine Stellungnahme zur gesamten Planung abgeben.

Nora Becker
Nora Becker FOTO: BeckerBredel
Christof Sellen
Christof Sellen FOTO: BeckerBredel