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Kriegsspektakel soll Frieden stiften

Kriegsspektakel soll Frieden stiften

Das Scharmützel gilt als Auslöser für den Deutsch-Französischen Krieg 1870: Zwei Tage lang spielte der Völklinger Verein „Die Dreißiger“ mit weiteren Probanden die kriegerische Aggression vom 2. August 1870 auf dem Hunerscharberg nach.

Gelungene Zeitreise in die Vergangenheit: Der Völklinger Traditionsverein "Die Dreißiger" machte es möglich: Bunte Uniformen, Biwak, Lagerfeuer und donnernde Kanonen auf dem Hunerscharberg. Mit dem Prolog zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871, als französische Soldaten am 2. August 1870 das damals neu erbaute Bergmanns-Krankenhaus in der Poststraße beschossen, spielten "Die Dreißiger" mit Freunden aus anderen Traditionsvereinen von diesseits und jenseits der Landesgrenzen ein Stück Völklinger Geschichte nach, das nur die wenigsten kennen.

Wetter gut - alles gut: Die vielen Darsteller hatten Glück, bis auf die Gastgeber, die bereits am Freitagabend ins Biwak marschierten. Nach wolkenbruchartigen Gewitter-Regenfällen blieb es dann entgegen der Prognosen über weite Strecken trocken.

Ganz ohne Schauer ging es sonntags aber nicht ab. Trotzdem pilgerten doch noch etliche Zuschauer zum Veranstaltungsort oder nutzten den Shuttle-Bus. Dr. Frank Morgenthal bekam dabei auch noch ungebetenen Besuch. Frühmorgens weckte das laute Grunzen einer Wildsau den Vorsitzenden der "Dreißiger", die sich nur wenige Zentimeter neben seinem Kopf und nur getrennt durch die dünne Zeltbahn ihr Frühstück zusammensuchte. Der Mediziner zog es angesichts eines derartigen Überfalls vor, "toter Mann" zu spielen.

Mittags um 14 Uhr donnerten dann erstmals die Kanonen über Völklingen . Preußen und Franzosen präsentierten im Wechsel mit schnellen Salven die Feuerkraft ihrer Kanonen. Die Sicherheit wurde dabei groß geschrieben. Bei jedem Schuss versanken die Geschütze samt ihren Soldaten in einer dichten Rauchwolke. Ein mächtiges Echo verstärkte noch den donnernden Effekt.

Den Höhepunkt des Programms bildeten die Gefechtsvorführungen an beiden Veranstaltungstagen. Dazwischen informierten "Modenschauen" und Waffenvorführungen über das Soldatenleben von vor 144 Jahren.

Erwähnenswert auch die Gambrinus-Messe am Sonntagmorgen, ein stimmungsvoller Feldgottesdienst mit dem Regimentsmusikkorps Graf-Werder unter der Leitung von Björn Jakobs, das vom Orchesterverein Wadgassen verkörpert wurde. Die Musiker aus der Nachbarkommune begeisterten zudem mit einem musikalischen Frühschoppen.

"Frieden ist keineswegs selbstverständlich wie viele aktuelle und höchst dramatische Geschehnisse derzeit in Israel, Syrien und der Ukraine zeigen", betonte Dr. Frank Morgenthal, der Vorsitzende der "Dreißiger" immer wieder vor den Zuschauern, die trotz widriger Wettervorhersagen den Hunerscharberg zu Fuß erklommen hatten, "den Frieden muss man sich hart erarbeiten." Und das ist für den praktischen Arzt aus Völklingen und seine Mitstreiter die Hauptmotivation, mit solchen Reenactements an die dramatischen Geschehnisse in der Vergangenheit zu erinnern. In einem packenden "Theaterspiel" soll Geschichte lebendig werden und die Zuschauer zum Nachdenken anregen.

Nicht umsonst ist das Ende dieses aufwändigen Spektakels entgegen der tatsächlichen geschichtlichen Abläufe immer gleich: Die Verbrüderung der "Gegner"auf dem Schlachtfeld soll zeigen, dass auch aus "Erbfeinden" beste Freunde werden können.

Zum Thema:

auf einen blick Die Mitwirkenden: Beim Prolog "1870 - Donner über Völklingen " wirkten "Die Dreißiger" als Infanterieregiment Graf-Werder selbst mit. Der Schützenverein Beckingen präsentierte sich als Fußartillerie-Regiment Nr. 8, die Freunde aus Kolbenz das Fußartillerie-Regiment Nr. 9. Der Schützenverein Oedsheim bei Neckarsulm spielte die Franzosen des 67ième Regiment d'Infanterie de Ligne, das später in Spichern kämpfte. Und aus Frankreich kamen Les Arquebusiers de l' Est ins Saarland. Und als Regimentsmusikkorps Graf Werder spielte der Orchesterverein Wadgassen unter der Leitung von Björn Jakobs auf. rup