Kreisler bauen am Narrenschiff

Völklingen. Fastnacht feiern geht nicht ganz so locker, wie es hinterher auf der Bühne und auf der Straße aussieht. Dies wissen bereits seit über 111 Jahren die Völklinger Kreisler. Und drei von ihnen erzählen uns in der SZ-Redaktion, was sie und uns in Völklingen in der kommenden Session (ab 14

Völklingen. Fastnacht feiern geht nicht ganz so locker, wie es hinterher auf der Bühne und auf der Straße aussieht. Dies wissen bereits seit über 111 Jahren die Völklinger Kreisler. Und drei von ihnen erzählen uns in der SZ-Redaktion, was sie und uns in Völklingen in der kommenden Session (ab 14. November) erwartet: der neue Präsident Reimund Lingstädt (63), der frühere Präsident Andreas Schwickert (46), unter anderem auch immer noch ein tapferer Kreisler-Stadtsoldat, und Tanja Comteße (33), Gardetrainerin und Pressereferentin.Da müssen wackere Männer zum Beispiel Monate lang schuften, bevor das Narrenschiff der Kreisler, ein rund zehn Meter langer Motivwagen, steht. Andreas Schwickert: "Wir machen uns richtig Arbeit. Wir treffen uns jedes Wochenende zu einem Acht-Stunden-Tag, damit das Schiff beim Völklinger Rosenmontagsumzug vom Stapel laufen kann."Der Rosenmontagsumzug fürs kommende Jahr ist noch nicht in trockenen Tüchern. Da setzen die Sprecher der Kreisler darauf, dass eine Gemeinschaftsinitiative der Vereine mit Oberbürgermeister Klaus Lorig an der Spitze zu Stande kommt. Präsident Lingstädt ist gelernter Industriekaufmann und Bilanzbuchhalter, und für die Kreisler erscheint ihm, nachdem der Verkehrsverein aufgegeben hat, das Risiko als Alleinveranstalter zu groß. Fastnacht kann nämlich auch richtig ins Geld gehen. Man betrachte nur die Garden, auf Regional- und Saarlandmeistertitel abonniert, ein großer Stolz der Kreisler. 500 bis 600 Euro kostet da laut Lingstädt ein Kostüm. Dabei ist das nötige Zubehör wie Stiefel, Hüte, passende Unterkleidung noch nicht einbegriffen. Der Verein hat gerade erst die 15-köpfige Aktivengarde neu ausstaffiert. Doch insgesamt geht es um 70, 80 Gardemädchen, die hübsch aussehen und auch bei Turnieren einen guten Eindruck machen sollen. Schwickert: "Allein mit 45 Euro Jahresbeitrag ist so was nicht zu finanzieren." Übrigens: In den Kreisler-Garden finden sich auch zehn Tänzer männlichen Geschlechts. "Die sind Raritäten, werden gehegt und gepflegt", erzählen Schwickert und Comteße schmunzelnd. 18 gestandene Männer stark ist die Gruppe der Stadtsoldaten. Die sind nun sogar eingeladen worden, den Nikolaus am 6. Dezember bei seinem Umzug durch die Völklinger Partnerstadt Forbach zu begleiten. Und da bleiben auch die Mütter der Gardemädchen einfach nicht sitzen. Sie machen mit im Kreisler-Damenballett.Übrigens: Manchmal ziehen Gardemädchen auch ihre Väter hin zum Karneval. So wiederfuhr es auch Präsident Lingstädt. Vorbelastet war er bereits, schon "etwas faasendverrückt" in seiner Jugend. Da ließ er keine Tanzveranstaltung in Geislautern aus. Doch richtig ernst wurde es für ihn dann mit dem Frohsinn, als Tochter Stefanie Mitte der 80er Jahre in die Kreisler-Garde eintrat. Lingstädt: "Und jetzt hat auch Enkelchen Fabienne nachgezogen." Obwohl man Fabienne, jetzt 13, eigentlich gar nicht mehr Enkelchen nennen kann. Im gleichen, tänzerisch viel versprechenden Alter ist auch Schwickerts Tochter Annika. Sie macht ebenfalls bei den Junioren als Tanzmariechen mit.Schon ab drei Jahren nehmen die Kreisler Kinder in ihre Garden auf, berichtet Tanja Comteße. Ihr eigenes Töchterchen Lara (zwei) wartet schon darauf, mitzumachen. "Den Leuten gehen die Herzen auf, wenn sie die Kleinen sehen", weiß Lingstädt. Doch Karnevalisten sind ja selbst Eltern. Sie wissen, wann Kinder müde werden. Und deshalb wird man sie stets zu Beginn des Programms auf der Bühne sehen. Die erste Kostprobe des neuen Programms können die Völklinger am Samstag, 14. November, bei der Sessionseröffnung in der Hans-Netzer-Halle erleben.

Auf einen BlickAm 14. November startet die Große Völklinger Karnevalsgesellschaft Die Kreisler um 19.11 Uhr in der Hans-Netzer-Halle in die fünfte Jahreszeit. Ein stimmungsvolles Programm aus Bütt, Gesang und Tanz wird zu erleben sein samt einer Tombola mit attraktiven Preisen. Eintrittskarten gibt's für drei Euro im Saarmobil-Center in der Poststraße sowie im Vereinslokal Salto. red