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Schnuppertag in den SHG-Kliniken
Krankenpflege überwindet Grenzen

Im Rahmen der grenzüberschreitenden Ausbildung in der Pflege waren Studierende aus Saargemünd in der Völklinger SHG-Klinik zu einem „Entdeckungstag“ eingeladen; hier die französischen Gäste beim Rundgang.
Im Rahmen der grenzüberschreitenden Ausbildung in der Pflege waren Studierende aus Saargemünd in der Völklinger SHG-Klinik zu einem „Entdeckungstag“ eingeladen; hier die französischen Gäste beim Rundgang. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Die Völklinger SHG-Kliniken kooperieren nach Kräften mit Partnern in Frankreich. Jetzt waren lothringische Pflegeschüler zu Gast. Von Thomas Annen

„Es war sehr interessant, wir haben viele Informationen erhalten“, sagt Lea Wagner (22) nach dem so genannten Entdeckungstag in den Völklinger SHG-Kliniken. Ihre Kollegin Morgane Arnold (20) erinnert im Pressegespräch an die Videos von Operationen, die gezeigt wurden. Während der Führung konnten die beiden feststellen, dass die Patientenzimmer in Völklingen größer und medizinisch besser ausgestattet sind als in ihrer Heimat.



Wagner und Arnold gehören zu den 17 französischen Pflegestudenten, die am Donnerstag die Völklinger Klinik besuchten. Sie lernen am Institut de Formation en Soins Infirmiers (IFSI), einer Krankenpflegeschule in Saargemünd. Seit 2008 laden die SHG-Kliniken einmal im Jahr IFSI-Studenten zu einem Informationstag ein.

Die beiden Gastgeberinnen, Pflegedirektorin Monika Klein und Pflegedienstleiterin Sabine Bickelmann, stellten das Haus, die Organisation des Pflegedienstes und die Weiterbildungsmöglichkeiten vor. Ärzte hielten Fachvorträge, unter anderem über die Herz-Thorax-Chirurgie und die urologische Funktionsabteilung.

Monika Klein lobt die Kooperation mit den französischen Partnern. „Die Chemie stimmt, das Projekt wird gelebt“, versichert sie. Der Entdeckungstag ist nur ein Baustein der Zusammenarbeit. Jährlich machen 15 bis 18 französische Studenten auch einen Teil ihrer praktischen Ausbildung in Völklingen, erklärt IFSI-Direktorin Nathalie Bouring.

Im Schnitt bleiben sie fünf Wochen. Umgekehrt lernen Schüler der Völklinger Pflegeschule in Saargemünd. Können sich die jungen Franzosen vorstellen, nach ihrer Ausbildung im Nachbarland zu arbeiten? „Warum nicht?“, sagt Lea Wagner. Hauptziel sei es aber nicht. „Wenn man nicht Deutsch spricht, ist es kompliziert“, gibt Morgane Arnold zu bedenken. Am Abbau der Sprachbarriere wird gearbeitet: Französische Pflegestudenten können sich berufsspezifische Deutschkenntnisse aneignen. Und an der Völklinger Krankenpflegeschule gibt es einen Französischkurs.

In Frankreich ist die Pflege-Ausbildung zentral geregelt, die Studenten erhalten keine Ausbildungsvergütung. Im Arbeitsalltag gibt es ebenfalls Unterschiede. In Frankreich dürfen Pflegekräfte eine Bluttransfusion anhängen, in Deutschland ist dies ausschließlich Arztsache. Die Arbeitsbedingungen in Deutschland seien besser als in Frankreich, sagt Nathalie Bouring. So werde in Deutschland mehr Wert auf die Ein­arbeitung gelegt. Außerdem gibt es viele pflegeentlastende Dienste: von der Pflegesekretärin über Stationshilfen für Reinigungsarbeiten bis zum Bettenaufbereitungsdienst. Ein Job in Völklingen kann für die französischen Nachbarn auch attraktiv sein, weil sie die Region nicht verlassen müssen. Man wohnt weiter in Lothringen und fährt zur Arbeit ins Saarland.

Gut ausgebildete Pflegekräfte aus dem Nachbarland sind an den SHG-Kliniken als Beschäftigte willkommen. Fünf IFSI-Absolventen arbeiten zurzeit in Völklingen.

„Sie sind sehr gut ins Haus integriert“, betont Monika Klein. Die 40 bis 60 französischen Patienten, die jährlich in der Klinik betreut werden, freuen sich, wenn sie mit Pflegern in ihrer Muttersprache sprechen können.