Kopfarbeit in heiterer Großgruppe

Völklingen

Völklingen. Ein ganzer Saal, der innerhalb von fünf Minuten auf Thailändisch bis zehn zählen kann? Der sich außerdem die Namen von zehn zufällig auf die Bühne gebetenen Menschen merkt? Der darüber hinaus die amerikanischen Präsidenten der letzten 50 Jahre in der richtigen Reihenfolge aufsagt? Der vorher schon 20 wahllos in den Raum geworfene Begriffe - etwa "Kuchenblech", "Fischzuchtanlage", "Familienfreundlichkeit" - aus dem Kurzzeitgedächtnis kramte? Und der verquaste Werbebotschaften der Computerindustrie nachspricht, obwohl sie seinem Gefühl für klare Ausdrucksweise Hohn sprechen? Ja, so etwas gab es am Dienstagabend in der Kulturhalle Wehrden, und fast 300 Menschen waren, wie der Verursacher dieser kleinen Sensation vorher schon gewusst und angekündigt hatte, von sich selbst mindestens leicht, wenn nicht sogar schwer begeistert. Dieser Mann heißt Markus Hofmann, kommt aus Bayern und bietet bei Bühnenveranstaltungen, auf Seminaren und auf Lern-CDs "Europas erfolgreichstes Gedächtnistraining" an, sei es für Chefs, die aus ihren Mitarbeitern mehr gedankliche Leistungen herauskitzeln wollen, oder für Schüler, die sich ihre Spickzettel nicht mehr schreiben wollen, sondern im Kopf abspeichern. Dagegen kann kein Lehrer was haben, oder? Das Prinzip, das Hofmann lehrt: Namen, Daten, Zahlen und Sachverhalte in selbst gezimmerte "Briefkästen" einordnen und sie damit im Gedächtnis abspeichern. Ein Briefkasten kann der Oberschenkel sein (hier kam wie zufällig die Fischzuchtanlage rein, die Familie wurde ans Gesäß verschoben) oder ein Fenstergriff. Für die überwältigende Mehrheit der Besucher war dieser Abend ein Genuss, für manche vielleicht sogar ein prägendes Erlebnis. Jedenfalls für diejenigen, die mit dem Referenten der Überzeugung sind, sich durch Wissen Vorsprünge erarbeiten zu können. Selten wohl hatte man schon solch ein Publikum gesehen, das zweieinhalb Stunden ohne Ermüdungserscheinungen schwere Kopfarbeit in der Großgruppe verrichtete und nach immer mehr gierte, statt Einhalt zu fordern. Hätte Hoffmann die Leute gelassen, dann hätten sie auch noch kleine Dreiecke in einem Riesenviereck gezählt. Wie alle erfolgreichen Trainer zeigte sich auch Markus Hofmann selbst voll überzeugt von seinen Ideen. Er hatte keinen einzigen Durchhänger, brauchte keine Pause, war humorvoll, charmant, schlagfertig, kurzum: ein großer Entertainer. Der Abend war ein Geschenk der Stadtverwaltung und der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes an die Völklinger, vor allem an Menschen aus der Wirtschaft. Mit im Boot war der Völklinger Wirtschaftskreis, Unterstützer die Volkshochschule. Das Ganze war Abend sieben des Völklinger Wirtschaftsforums.