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Kleiderverkauf mit Menschlichkeit in der DRK Kleiderkammer Völklingen

Helfer in der Kleiderkammer : Kleiderverkauf mit Menschlichkeit

Die Helferinnen der DRK-Kleiderkammer in Völklingen kennen ihre Kunden, niemand ist gezwungen, die Bedürftigkeit nachzuweisen.

Mittwochmorgen vor der Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Völklinger Poststraße: Obwohl schon geöffnet ist, stehen zwei Besucherinnen vor der verschlossenen Eingangstür. Sie müssen sich noch etwas gedulden. Denn erst wenn einige Kunden die Verkaufsräume in der ersten Etage verlassen, dürfen sie rein. Die Regeln stehen auf einem Schild: „Zutritt nur nach Aufruf (maximal 4 Personen gleichzeitig / 1 Besucher pro Geschäftraum)“. Und natürlich gilt: Maske tragen.

In der Zeit vor der Corona-Pandemie herrschte im Treppenhaus ein munteres Kommen und Gehen, auch in der Kleiderkammer war zeitweise Hochbetrieb. Nun dürfen sich dort nur wenige Kunden gleichzeitig umschauen.

Die Auswahl ist groß, Regale und Kleiderständer sind gut gefüllt. Fünf Helferinnen kümmern sich um die Besucher. Francesca Lombardo sitzt an der Kasse, vor ihr liegt die Preisliste. Ein Rock kostet einen Euro, der Schlafanzug 1,50 Euro. Die Sommerjacke ist für 3,50 Euro im Angebot, eine Wolldecke wechselt für zwei Euro den Besitzer.

Aktuell sind Wintersachen stark gefragt. Lombardo prüft das Material der Jacke, die eine Kundin ausgewählt hat. Es ist echter Pelz, macht sechs Euro. Anschließend zählt sie die Wäschestücke, die eine andere Käuferin auf den Tisch legt: sechs Stück, sechs Euro.

Francesca Lombardo lobt die Qualität der angebotenen Ware: „Wir haben einwandfreie Sachen“, versichert sie. Die Kleidungsstücke sind Spenden. Sie wurden von den einstigen Besitzern zuhause aussortiert, weil sie nicht mehr gefielen oder nicht mehr passten. Vieles stammt auch aus Haushaltsauflösungen.

Nach dem Eingang der Kleiderspenden wird jedes Stück im Lagerraum geprüft. Was nicht mehr tragbar ist, wird aussortiert. Die Bedürftigkeit muss niemand nachweisen. „Es kann jeder kommen“, sagt Francesca Lombardo. Die meisten Besucher haben einen Migrationshintergrund, etwa die Hälfte sind Stammkunden.

Die Teammitglieder verstehen sich prima. Renate Mohr versichert, dass man auch mit den Kunden viel Spaß habe. Es werde geplaudert und gelacht. Manchmal ärgern sich die ehrenamtlichen Helferinnen aber auch. Etwa wenn jemand statt Kleidung eine Kiste Müll vor die Tür stellt.

Gefeilscht wird nicht, bei den günstigen Preisen ist kein Nachlass drin. Eine Ausnahme bildet das schmucke Brautkleid, das für 30 Euro angeboten wird. Findet sich eine Interessentin, will man ihr beim Preis entgegenkommen.

Auch zwei, drei Bedürftige, die auf der Straße leben, gehören zu den Kunden. Sie bekommen die Kleidung geschenkt. „Wir kennen unsere Leute“, sagt Francesca Lombardo. Manche Besucher geben sogar einige Cent Trinkgeld. Das möchten die Damen eigentlich nicht annehmen, aber die Kunden bestehen darauf.

Ob die Kleiderkammer nächste Woche wieder öffnet, ist ungewiss. Die Helferinnen müssen auch an ihre eigene Gesundheit denken. Die Jüngste von ihnen ist 65 Jahre alt, die älteste 77. „Wir überlegen, was wir machen“, sagt Renate Mohr. Vielleicht treffen sie schon am nächsten Tag eine Entscheidung. Denn dann sehen sich die meisten von ihnen wieder – als Helferinnen beim DRK-Blutspendetermin.