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Nach massiver Kritik in der Öffentlichkeit
Klaus Lorig will Bürgerbüro flottmachen

Die Wartenden standen am Mittwochnachmittag bis vor die Tür im Völklinger Bürgerbüro. Andere vertrieben sich die Zeit mit Spaziergängen. Doch zuallererst galt es, sich eine Wartenummer am Automaten zu ziehen. Dieser befindet sich hinter einer Säule (im Hintergrund, links).
Die Wartenden standen am Mittwochnachmittag bis vor die Tür im Völklinger Bürgerbüro. Andere vertrieben sich die Zeit mit Spaziergängen. Doch zuallererst galt es, sich eine Wartenummer am Automaten zu ziehen. Dieser befindet sich hinter einer Säule (im Hintergrund, links). FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Nach heftigen Beschwerden über das Völklinger Bürgerbüro kündigt Oberbürgermeister Lorig eine Aufstockung um drei Mitarbeiter und eine bessere Information der Öffentlichkeit an. Von Bernhard Geber

Vergangene Woche, am so genannten Dienstleistungsmittwoch, hatte das Völklinger Bürgerbüro bereits gegen 15.30 Uhr einen Annahmestopp verhängt. Viele Bürger, die sich auf die Schlusszeit 18 Uhr verlassen hatten, standen daraufhin vor der Tür. Die SZ berichtete anschließend unter der Überschrift „So macht das Bürgerbüro die Bürger nicht froh“. Alleine auf der SZ-Facebook-Seite verzeichnete der Artikel bisher 3821 Aufrufe und 41 Kommentare. Auch im Rathaus fand er Resonanz. Oberbürgermeister Klaus Lorig und Bürgermeister Wolfgang Bintz, fürs Bürgerbüro zuständiger Dezernent, riefen die Zuständigen zusammen und beschlossen konkrete Maßnahmen.


Zunächst einmal, so Lorig, wird das Bürgerbüro personell aufgestockt. Schon zum 1. Mai solle eine freie Stelle mit einer Mitarbeiterin aus einem anderen Bereich der Verwaltung nachbesetzt werden. Gleichzeitig sollen zwei neue Stellen ausgeschrieben werden. Martin Alt, EDV-Chef im Rathaus, habe die Aufgabe übernommen, die technischen Abläufe bei der Bearbeitung ( „zum Beispiel die Drucker“) zu beschleunigen.

Stadt-Pressereferent Uwe Grieger werde die Information im Internet und auf den Seiten der Stadt in einem wöchentlich erscheinenden Anzeigenblatt ausbauen. Bürger sollten auf diesem Weg konkret erfahren, welche Unterlagen sie bei welchem Anliegen mitbringen müssen. Damit sie nicht noch einmal kommen müssen, wenn etwas fehlt.  Lorig denkt auch an eine Art Wasserstandsanzeige im Internet, mit der man erfährt, wie es im Moment um den Andrang und die eigenen Chancen steht.

Das Bürgerbüro im Erdgeschoss des Neuen Rathauses war 2005 eingerichtet worden, um Service aus einer Hand zu bieten. „Bis vor zwei, drei Jahren“, so der Oberbürgermeister, habe alles reibungslos funktioniert. Doch dann seien neue, immer komplizierter werdende Vorschriften und die Welle der Flüchtlinge und der Einwanderer aus neuen EU-Staaten gekommen. Lorig: „Da kann es sogar passieren, dass plötzlich ein zehnköpfiger Familienclan im Bürgerbüro auftaucht, der weder des Deutschen mächtig ist und noch sich überhaupt mit Verwaltungsvorschriften auskennt. Dann ist ein Mitarbeiter ein, zwei Stunden lang voll beschäftigt, und womöglich muss auch noch ein Dolmetscher hinzugerufen werden.“

 Wir haben vorgestern im Bürgerbüro nachgesehen, ob sich der schwarze Mittwoch der vergangenen Woche  wiederholt – natürlich ohne vorherige Anmeldung als Pressevertreter. Zwischen 15 und 16 Uhr, dem damals kritischen Zeitraum, herrschte erneut starker Andrang mit (nach Besucherangaben) Wartezeiten zwischen einer und drei Stunden. Aber von Annahmestopp war keine Spur, und es ging, wenn auch langsam, voran.



Ins Innere hatten wir keinen Einblick, doch laut Stadt-Pressereferent Grieger waren zu diesem Zeitpunkt fünf Schalter mit Mitarbeitern besetzt. „Heute schaffen wir das“, meinte Grieger gegen 16 Uhr.

Aber das Bürgerbüro musste dann doch noch die Notbremse ziehen. Bei der SZ-Zweitkontrolle gegen 17.45 Uhr hing erneut der Zettel „Ab sofort Annahmeschluss“ am Nummern-Ausgabeautomaten. Zu diesem Zeitpunkt warteten noch rund zwei Dutzend Besucher auf den Sitzen im Eingangsraum und ein weiteres halbes Dutzend vor der Tür.

„Das kann bis 19 Uhr dauern“, meinte einer der Vor-der-Tür-Steher, der gegen 17.15 Uhr noch eine Wartemarke erwischt hatte. Dementsprechend dürften auch die Überstunden der Mitarbeiter angewachsen sein.

Und gestern wurde dann erst einmal auf Aufruf der Gewerkschaft Verdi landesweit gestreikt.