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Das nächste Mal muss Christiane Blatt ran
Klaus Lorig tritt an zum letzten Gefecht

Die Narren schnappen sich den Schlüssel, in der Bildmitte (von links) Prinzessin Isabel I. (Beele’s), Oberindianer Klaus Lorig, Prinzessin Melli I. (AG Heidstock) und Prinz Marc I. (Beele’s).
Die Narren schnappen sich den Schlüssel, in der Bildmitte (von links) Prinzessin Isabel I. (Beele’s), Oberindianer Klaus Lorig, Prinzessin Melli I. (AG Heidstock) und Prinz Marc I. (Beele’s). FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Die Völklinger Karnevalsvereine stürmen am Donnerstagnachmittag gemeinsam das Neue Rathaus. Von Thomas Annen

Viele Jahre hat sich  Völk­lingens Oberbürgermeister Klaus Lorig beim Rathaussturm der Narrenschar in den Weg gestellt. Die Scharmützel endeten immer gleich: Nach heftiger Gegenwehr musste der Verwaltungschef den Rathausschlüssel rausrücken. Am Donnerstagnachmittag bot sich zum letzten Mal die Chance, den Spieß umzudrehen und die Angreifer endlich mal in die Flucht zu schlagen. Ende Mai verabschiedet sich Klaus Lorig in den Ruhestand.


Hat er sich fürs finale Verteidigungsgefecht eine besondere Finte ausgedacht? Gerüchte machen die Runde. Der Rathauschef lasse die Faasebooze diesmal ins Leere laufen, vermuten einige. Er habe seinen Resturlaub genommen und sei mit der Stadtkasse in die Karibik getürmt. Andere glauben, dass Lorig eine Charmeoffensive starten und den Jecken Honig ums Maul schmieren will.

Doch von einem Kuschelkurs hält Lorig nichts. Stattdessen riskiert er mal wieder eine große Klappe. „De Schlüssel wolle ihr? Das kinne na vergesse, aach wenn ihr versuche, uns zu erpresse. Mir genn nix raus, das ist doch klar, weil das nämlich schun immer so war“, ruft Häuptling Klaus siegessicher.



Die Verwaltung hat aus den Pleiten der Vergangenheit gelernt. Statt von Beginn an konsequent Paroli zu bieten, ließen die Beamten die Angreifer in den beiden Vorjahren widerstandslos ins Foyer vorrücken. Nur eine kleine Treppe trennte die Karnevalisten von Lorigs Büro und der dort vermuteten Geldkischd.

Diesmal soll der Narren-Angriff schon vor der Rathaustür abgewehrt werden. Angesichts der niedrigen Temperaturen hoffen Lorig und Konsorten wohl, dass die Belagerer kalte Füße bekommen.

Aber die Volksseele kocht bereits, die unfähigen Staatsdiener sollen mit Schimpf und Schande verjagt werden. Beele‘s, Kreisler und Braddler sind ebenso wild entschlossen wie die Aktionsgemeinschaft Heidstock und der Karnevalsverein „Hoch das Bein“. Während des Wortgefechts wird klar, dass die Sache wohl nicht friedlich ausgeht. „Wenn mir jetzt ausfahre unser Kanonehammer, do geht eich doch ganz scheen die Klammer. Mit änem Schuss dun mir eich wegputze, do tut eich aach kenn Gejammer nutze“, versprechen die Narren.

Doch statt die Waffen zu strecken, bleibt Oberindianer Lorig auf Konfrontationskurs: „Ihr kinne ruhig schieße mit eurer Kanon, das is für uns nid mehr als e Platzpatron.“  Wer nicht hören will, muss fühlen. Krawumm! Jetzt gibt‘s ordentlich was auf die Ohren. Nach ein paar Breitseiten aus der Konfettikanone zeigen sich die Umzingelten schließlich gesprächsbereit. „Ihr hann jo recht – mir genn jetzt uff, schicke mol e Prinzessin oder e Gardemädchen ruff. Dann wolle mir‘s uns vielleicht üwwerlege und für e Schmatzer eich de Schlüssel gebe“, sagt Rothaut Lorig.

Vor der Kapitulation blickt er aber noch kurz in die Zukunft. Im nächsten Jahr wird seine Nachfolgerin Christiane Blatt das Rathaus verteidigen. „Hann ihr euch denn schon üwwerlegt, was ihr der Christiane als Schlüsselpfand gebt? Dann könne endlich mal die Prinze küsse, die hann bisher immer warte müsse“, ruft Lorig. Dann rückt er den Schlüssel raus. Die große Faschingsfete im Rathausfoyer kann beginnen.