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Klamauk mit dem hölzernen Pinoccio

Als Verwandlungskünstler entpuppte sich beim Klamauk unterm Schirm Manfred Kessler. Foto: Jenal
Als Verwandlungskünstler entpuppte sich beim Klamauk unterm Schirm Manfred Kessler. Foto: Jenal FOTO: Jenal
Völklingen. Manfred Kessler weiß, wie man ein junges Publikum fesseln kann. Seit vielen Jahren tritt der Entertainer vor Kindern auf, am Mittwoch bei Klamauk unterm Schirm. Dabei schlüpfte er gleich in viele Rollen, war Pinoccio, dessen Vater und ein einäugiger Kater. Andreas Lang

Die Helden der Kinder können sich auf ihre jungen Zuschauer verlassen. So auch Manfred Kessler in seiner Rolle als Pinocchio am Mittwochnachmittag in der Reihe Klamauk unterm Schirm auf dem Völklinger Adolph-Kolping-Platz. Da hat er sich eben noch in anderer Rolle als gemeiner einäugiger Kater quasi selbst eine Falle gestellt, um an die Goldmünzen des Titelhelden zu kommen. Kessler spielt nämlich alle Rollen selbst, verschwindet immer wieder kurz hinter der Kulissenwand, um schnell in die verschiedenen Rollen zu schlüpfen. So zu Beginn als Zirkus- und Theaterdirektor, der behauptet: "Pinocchio hat einmal zu meiner Truppe gehört." Oder als Meister Gepetto, Schöpfer und Vater des hölzernen Helden. Als Pinoccio selbst, dessen Nase beim Lügen beachtlich wächst, wie schon die jungen Zuschauer wissen. Oder als gefährlicher Zauberer und noch einige Rollen mehr. Sich selbst spielt Kessler, wenn er zur Gitarre greift und singend einlädt: "Zum Mitsingen, Mitklatschen und Mitlachen."


Das bei Jung und Alt seit Jahrzehnten bekannte Stück beginnt heiter. Gepetto schnitzt aus dem sprechenden Holzscheit die inzwischen weltbekannte Marionette, die schnell ein Eigenleben entwickelt. Wie ein rasantes Fangen- und Versteck-Spiel rund um die Kulissenwand zeigt. Das endet für den Meister nicht wie in der Originalgeschichte im Kittchen. Er wird fürsorglich. Verkauft sein letztes Hemd, um für den hölzernen Buben Klamotten und eine Fibel zu kaufen. Der hat allerdings zu viele Flausen im Kopf und geht bald in der großen weiten Welt verloren. Es beginnen die Abenteuer, die Kessler als Zirkusdirektor vorher so angekündigt hat: "So ungeheuerlich, dass ein Kopf sich das nicht ausdenken kann."

Als Pinocchio sich besinnt, wachsen ihm aber bereits Eselsohren und er schämt sich, heimzukehren: "Oh nein, oh nein, ich kann doch nicht als Esel heim." Es folgt das Gaunerstück des einäugigen Katers. Er verspricht dem naiven Holzauge, dass sich sein Geld unglaublich vermehrt, wenn er es nur in fruchtbarem Boden vergräbt: "Ein Taler rein, 1000 kommen raus, du gehst als reicher Mann nach Haus." Zu redselig erzählt er aber den Kindern den Plan. Und die warnen ihren Freund Pinocchio, der nun seinerseits dem Kater eine Falle stellt. Die Eselsohren gehen dabei nebenbei auch verloren.



Dass Autor Carlo Callodi seine Fantasiefigur vor dem glücklichen Ende im Land der Spiele vollends zum Esel werden und ihn seinen ihn suchenden Vater im Bauch eines Riesenhais finden lässt, führt für die inszenierte Kurzgeschichte bei Klamauk unterm Schirm wohl zu weit. Doch verschweigt Kessler nicht, dass die Himmelsfee bei allem ihre Finger im Spiel hatte, und Pinocchio schließlich noch zum braven Buben auf Fleisch und Blut wurde. Das Happy End wird gefeiert - mit einer Schlussvorstellung, bei der auch Kinder mitwirken dürfen. Beim gefährlichen Seiltanz in Kostümen der zuvor mitspielenden Figuren.

Das alles geschützt vom Dach der Arkaden, denn es hat leicht zu regnen begonnen. "Es hat auch beim Aufbau schon getröpfelt, deswegen wollten wir kein Risiko eingehen", so Gwis-Mitarbeiter Lars Hüsslein.