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„Kinder werden aus ihrem Umfeld herausgerissen“

Kostenpflichtiger Inhalt: Zweisprachige Grundschule in Völklingen : „Kinder werden aus Umfeld herausgerissen“

Sorgt der Klassenteiler des Ministeriums dafür, dass Grundschüler zwischen Ludweiler und Lauterbach hin und herfahren müssen? Dagegen protestieren Eltern und Völklinger Lokalpolitiker.

Eltern, die ihre Kinder im nächsten Schuljahr auf die zweisprachige Grundschule Völklingen-Ludweiler mit einer Dependance im Stadtteil Lauterbach schicken, schlagen Alarm. Sie fürchten, dass einige Kinder nicht in ihrem Stadtteil in die Schule gehen können, sondern kilometerweit gefahren werden müssen. Denn nach dem aktuellen Stand würden nur zwei erste Klassen gebildet, wobei der Großteil der Anmeldungen in Ludweiler ist.

Die Stadt Völklingen teilt mit, dass derzeit 56 Kinder angemeldet sind, davon 37 in Ludweiler. Weil der Klassenteiler bei 29 Kindern liegt, sind das also zwei Klassen, und einige müssten dann wohl nach Lauterbach in die Schule gehen. Sechs Schüler würden nach Informationen der SZ eigentlich noch dazukommen. Das würde dann für eine dritte Grundschulklasse reichen. Doch diese Kinder wohnen nicht in Völklingen und würden beim Klassenteiler nicht berücksichtigt. Im Namen der Eltern der Schulanfänger kritisiert Carsten Gebel in einem Brief an das Bildungsministerium: „Anstatt den Eltern, die aus Nachbargemeinden kommen und für ihre Kinder den bilingualen Unterricht als maßgebliches Kriterium für die Wahl der Grundschule erachten, diese Möglichkeit auch zu bieten, wird ihnen der Zugang verwehrt.“ 

An der Grundschule gibt es zweisprachigen Unterricht, auch in den Kindergärten werden die Kleinen spielerisch ans Französisch herangeführt. Deshalb weisen die Eltern in ihrem Schreiben ans Ministerium auch darauf hin, dass vier der Kinder aus anderen Kommunen bereits die bilingualen Kindergärten in Ludweiler und Lauterbach besuchen. „Sie werden aus ihrem Umfeld herausgerissen und von ihren Freundinnen und Freunden getrennt.“

Gebel verweist hier auch auf die Frankreich-Strategie der Landesregierung, deren Ziel unter anderem die Zweisprachigkeit in der Grenzregion ist. Auch aus Umweltschutz-Gründen ist es nach Ansicht Gebels nicht sinnvoll, viele Kinder aus Ludweiler ins sieben Kilometer entfernte Lauterbach zu fahren oder umgekehrt. Nach SZ-Informationen gibt es im laufenden Schuljahr drei erste Klassen: zwei in Ludweiler und eine in Lauterbach. Die Schulleiterin hat beim Bildungsministerium einen Antrag für eine dritte Grundschul-Eingangsklasse gestellt. Aus der Kommunalpolitik kommt Unterstützung. Der Ortsrat steht geschlossen hinter den Forderungen der Eltern.

Marija Herceg, Sprecherin des Ministeriums, bestätigt, dass die Anträge der Eltern und der Schulleiterin vorliegen. „Sie werden unter Einbeziehung aller genannten Argumente, selbstverständlich auch unter Berücksichtigung der Frankreichstrategie, geprüft. Eine Entscheidung über eine Klassenmehrbildung kann erst erfolgen, wenn die Daten aller Grundschulen vorliegen. Dies wird voraussichtlich frühestens Mitte Mai 2020, aufgrund der aktuellen Situation eventuell auch noch später, der Fall sein.“