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Kettelerstraße mit zwei Gesichtern

Kettelerstraße mit zwei Gesichtern

Anwohner in der Kettelerstraße in Wehrden sorgten für einen politischen Paukenschlag, als sie einen teuren Neuausbau ablehnten. Haben sie es nun wirklich mit der vorhergesagten „Flickschusterei“ zu tun?

Kanal, Hausanschlüsse und Versorgungsleitungen wurden erneuert, Fahrbahn, Rinnen und Gehwege entsprechend umgepflügt. Seit Oktober leben die Bewohner der 60 Häuser an der Kettelerstraße in Wehrden auf einer Baustelle. Und nun, wo sich langsam das Ende nähert, flammt eine heiße Diskussion wieder auf: War es wirklich sinnvoll, auf den von der Stadtverwaltung geplanten kompletten Neuausbau von Straße und Gehwegen zu verzichten?

Der Stadtrat war im Januar dem Wunsch einer deutlichen Mehrheit der Anlieger gefolgt, nach den Erdarbeiten lediglich Reparaturen an der Oberfläche vorzunehmen. Damit sparen die Anlieger im Durchschnitt rund 2000 Euro Eigenanteil an den Gehwegen. Verwaltung und Ratspolitiker verwiesen aber auch darauf, die Anwohner müssten dann eben mit dem "Flickwerk" leben.

Die Löcher sind inzwischen wieder zu. Bis auf einen kleinen Abschnitt in Richtung Gehlenbrunnenstraße ist die Baufirma auch mit der Reparatur von Straße und Gehwegen fortgeschritten. Aber die rund 400 Meter lange Straße zeigt - wie auch seinerzeit bei der Diskussion um Ausbau oder Nichtausbau - nach wie vor zwei Gesichter. Dabei können sich die Ansichten von einem Haus zum anderen unterschieden.

Renate Hippler, Hausnummer 38, war seinerzeit eine Wortführerin der Anlieger, die sich gegen den teuren Neuausbau wehrten. Beim Blick vor die Haustür sieht sie sich zusammen mit Nachbarn in ihrer damaligen Ansicht bestätigt: "Jeder hätte wohl gerne eine Luxusvilla, aber es ist die Lösung, die ich mir als Rentnerin und die Stadt Völklingen als Pleitegeier erlauben kann." Auch Besucher verstünden nicht, warum man einen solchen "Zirkus" mit einem Neuausbau gemacht habe: "Nach diesen Maßstäben müsste man halb Wehrden abreißen." Aber Hippler ist nach wie unzufrieden damit, wie die Stadtverwaltung mit den Bürgern umgeht. Bis heute habe sie noch nicht in Erfahrung bringen können, was der (von ihr selbst zu zahlende) neue Kanal-Hausanschluss koste. Und nach Erneuerung der Gas- und Wasser-Zuleitung sei unvermittelt eine Rechnung über 340 Euro für die Erdung fällig geworden.

Axel Baum, Kettelerstraße 50, gehört zu den 17 Anliegern, die schriftlich für einen grundlegenden Neuausbau plädierten. Er sieht sich nun seinerseits bestätigt und sagt, indem er Schwachstellen bei den Reparaturen zeigt: "Das ist erst der Anfang vom Ende, das abzusehen ist." Eine detaillierte Bestandsaufnahme könnte Seiten füllen. Hier nur einige Beispiele: Baum hat festgestellt, dass die Bordsteinhöhe ab Rinne vor Haus Nr. 46 nun 10,5, vor Haus Nr. 52 1,5 Zentimeter beträgt. "Die sind mit 40-Tonnern über die Bürgersteige gefahren und haben anschließend vom tiefsten Punkt aus repariert", meint der gelernte Schreinermeister. Ein neu verlegter Randstein vor Haus Nr. 48 ragt mit einer Kante rund zwei Zentimeter weit in die Rinne vor. Und in neu verlegtem (alten) Verbundsteinpflaster zeichnen sich bereits Mulden ab.

Die Baufirma macht derzeit Betriebsferien, geht dann ab Montag in den Endspurt. Doch bis das Kapitel Kettelerstraße abgeschlossen ist, wird wohl noch einiges zwischen Anliegern, Stadtverwaltung und Firma zu besprechen sein.