„Keine Versöhnung ohne Gedächtnis für die Opfer der Röchlings“

„Keine Versöhnung ohne Gedächtnis für die Opfer der Röchlings“

Mitglieder der "Bürgerinitiative gegen das Vergessen - Bouser Höhe", die seinerzeit "Röchling" ganz aus dem betreffenden Stadteilnamen streichen wollte, haben sich zum SZ-Kommentar "Wer sich versöhnt, lebt leichter" (Ausgabe vom 16. April) geäußert.

In dieser Stellungnahme, die wir an dieser Stelle unkommentiert wiedergeben, heißt es unter anderem:

"Es konnte und kann auch jetzt keine Rede davon sein, den Namen Röchling ganz aus dem Gedächtnis zu streichen. Das Gegenteil ist richtig. Unsere Bürgerinitiative heißt ,gegen das Vergessen'. Ein wesentliches Ziel unserer Aktivitäten war, die Taten der Röchlings, insbesondere von Hermann Röchling, ins Gedächtnis zurückzurufen, die üblicherweise über Jahrzehnte verschwiegen wurden: Die Kriegsverbrechen, die Verantwortung für die Ermordung Hunderter Zwangsarbeiter, die Mitverantwortung für die Vertreibung und Ermordung Hunderter saarländischer Juden, die Bereicherung und Anhäufung von Vermögen unter führender Beteiligung in der Rüstungsindustrie in zwei Angriffskriegen und bis zum heutigen Tag, etc. etc.

Wenn Sie in Ihrem Kommentar von diesen Greueltaten auch wieder kein einziges Wort erwähnen, statt dessen ein paar milde Gaben der Röchlings zur Sanierung eines Sportplatzes aufzählen als ausreichendes Zeugnis für die Ehrenhaftigkeit dieser Familie, mit der man sich nun endlich versöhnen müsse, dann kann das unsere Zustimmung nicht finden.

Ein weiteres Mal werden die Opfer verschwiegen, dieses Mal mit nicht zu überbietendem Zynismus unter Hinweis auf die Spenden zur Sanierung einer Kirchenorgel. Unerträglich. Versöhnung ohne Gedächtnis an die Hunderte von Opfern - nein, nicht mit uns."

Die betreffende E-Mail ist unterzeichnet mit den Namen Manfred Engel-Pollak, Günther Danninger, Georg Jungfleich, Edmund Barth, Peter Comtesse, Richard Kirch, K.-H. Kesternich und Christoph Gottschalk.