Kanonendonner über Völklingen

Völklingen. Lebendige Geschichte am Hunerscharberg in Völklingen haben am Wochenende zahlreiche Schaulustige erlebt. Auf der Anhöhe im Völklinger Stadtteil Fürstenhausen wurde der Auftakt des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 nachgespielt. Am 2

Völklingen. Lebendige Geschichte am Hunerscharberg in Völklingen haben am Wochenende zahlreiche Schaulustige erlebt. Auf der Anhöhe im Völklinger Stadtteil Fürstenhausen wurde der Auftakt des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 nachgespielt. Am 2. August 1870 hatten dort französische Soldaten unter Generalfeldmarschall François Bazaine das damals neu erbaute Bergmannskrankenhaus in Völklingen beschossen. Dieses Ereignis, das sich heute zum 140. Mal jährt, spielten gestern die "Dreissiger" nach, der Traditionsverein Infanterieregiment Graf Werder sowie als französisches Pendant der Historische Verein Spichern.Geschichte zum Anfassen gab es bei einer historischen Modenschau mit nachgeschneiderten Uniformen - die Franzosen traditionell in ihren roten Hosen, die Preußen in Blau und die Marburger Jäger in Grün. Diese Modenschau und ein originalgetreues Feldlager mit Meldestelle, Feldbäckerei und Biwak zogen ebenfalls zahlreiche Schaulustige an.

Jörg Höfer, auch hauptberuflich Festungskanonier der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz, führte bei strahlendem Sonnenschein darüber hinaus die vielen Schaulustigen von diesseits und jenseits der Grenze in die Entwicklung der Feuerwaffen ein. Im Mittelpunkt standen dabei zwölf originalgetreu nachgebaute Kanonen. Mit ihnen (und Platzpatronen) beschossen sich die deutschen und französischen Schauspieler-Kanoniere. Das sorgte für jede Menge lauten Donnerhall und dichte Rauchschwaden über Völklingen, was auch Autofahrern auf der nahen A 620 nicht verborgen geblieben sein dürfte. Die französischen Stellungen wurden sturmreif geschossen und schließlich erobert. Doch anders als vor 140 Jahren, als Deutschland und Frankreich sich als Erzfeinde sahen, hieß das Kommando diesmal "Fraternation" (Verbrüderung) - und die Soldaten beider Nationen fielen sich mit großem Hallo in die Arme.