Kanonendonner über Völklingen

„Die Dreissiger“, ein Völklinger Traditionsverein des preußischen Infanterieregiments Nr. 30 aus Saarlouis, spielt an historischer Stelle auf dem Hunarscharberg ein Ereignis nach, das sich vor 144 Jahren ereignete.

Donner über der Stadt: Die August-Geschehnisse bei Völklingen bilden den Prolog zum Krieg 1870. Drei französische Bataillone und eine Batterie mit sechs Geschützen besetzen am Mittag des 2. August den Hunarscharberg bei Fürstenhausen und Wehrden. Das neue Bergmannskrankenhaus wird beschossen. Soldaten aus Saarlouis sichern die neue Saarbrücke. Dann befiehlt General Gneisenau den Rückzug aus Völklingen . Die französischen Soldaten ziehen sich ebenfalls zurück. Bei den Ereignissen vor 144 Jahren kam niemand zu Schaden. "Die Dreissiger", ein Völklinger Traditionsverein des preußischen Infanterieregiments Nr. 30 aus Saarlouis , spielt am nächsten Wochenende die Geschehnisse von damals an historischer Stelle auf dem Hunarscharberg nach.

Die abenteuerliche Zeitreise in die Geschichte der Stadt Völklingen bietet viele Höhepunkte: Bunte Uniformen, Biwak, Lagerfeuer und donnernde Kanonen werden, wie schon im August 2010, an die Geschehnisse zum Auftakt des Krieges 1870 erinnern.

Die "Dreissiger" werden am kommenden Samstag und Sonntag vom Hunarscharberg aus die Stadt Völklingen mit Schwarzpulver aus mehreren Böllergeschützen "beschießen". Die anwesenden "französischen Truppen" werden wie auch ihre preußischen Widersacher vor Ort biwakieren und ein historisches Feldlager bilden. "Die historische Darstellung auf dem Hunarscharberg mit deutschen und französischen Teilnehmern soll der Bevölkerung hüben wie drüben die lokale Geschichte Völklingens im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar machen," nennt Dr. Frank Morgenthal, Völklinger Arzt für Allgemeinmedizin und Vorsitzender der "Dreissiger", als Motiv für diese markante Aktion.

Reenactments als Wiederauferstehung historischer Ereignisse liegen im Trend. Schlachten und militärische Scharmützel in der Gegenwart nachzustellen, haben sich als Publikumsmagnet und zeitgeschichtliche Aufarbeitung bewährt. Mit der Neuinszenierung von Kanonendonner und Pulverqualm geht neben dem erregenden Spektakel auch immer eine historische Neubewertung einher. Die geschichtlichen "Tatsachen" via lebendiger Aktion der Handelnden, so Dr. Frank Morgenthal, "werden in Frage gestellt und einer Überprüfung unterzogen. Verkrustete Sichtwesen und Vorurteile können so abgebaut werden."

Den Abschluss einer jeden Darstellung bilde die ostentative Verbrüderung der "Gegner". "Das ist keineswegs widersprüchlich," betont Morgenthal," "sondern hat sich vielmehr bewährt."

2010 konnte schon einmal unter großem Interesse und Beifall der Bevölkerung Geschichte in Völklingen lebendig gemacht werden. Französische "Spione" in Frauenkleidern wurden von preußischen Soldaten zur beiderseitigen Gaudi durch die Innenstadt gejagt, die Wehrdener Brücke von Patrouillen kontrolliert und auf einem Pferdefuhrwerk eine französische Konterbande entdeckt. "Es kommt entscheidend darauf an, dass das neu erfüllte Bild der Geschichte auch den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Gegenwart entspricht und nicht etwa neue Gräben aufreißt," betont Dr. Frank Morgenthal.

Eine wissenschaftliche Begleitung in Form von Vorträgen, Kolloquien und historischen Informationstafeln vor Ort des Geschehens schnürt daher die Geschichtsdarstellung zum Infotainment-Paket. Das Ganze diene, so Morgenthal, auch der touristischen Inwertsetzung der Großregion, beispielsweise im Rahmen des Projektes "SaarMoselle Avenir". Ein Denkmal erinnert übrigens auf dem Hunarscharberg an den Auftakt des Deutsch-Französischen Krieges 1870/ 71.

die-30er.de

Zum Thema:

Auf einen BlickAm Samstag, 12. Juli: 13 Uhr Eröffnung der Veranstaltung auf dem Hunarscharberg in Fürstenhausen; 14 Uhr Schießen mit historischen Kanonen, Exerziervorführungen, 15 Uhr Historische Modenschau; danach Besichtigung des Feldlagers und "Geschichte zum Anfassen"; 16 Uhr Waffenvorführung, 17 Uhr historische Gefechtsdarstellung; Sonntag, 13. Juli, 10 Uhr Feldgottesdienst, 11 Uhr Frühschoppen, 13 Uhr Schießen mit Kanonen, Programmende 17 Uhr. red