Junge Besucher interessieren sich für alle Ecken

Junge Besucher interessieren sich für alle Ecken

Das Weltkulturerbe öffnete zur Abendzeit. Viele junge Familien mit Kindern zog die Sonderführung an. Dementsprechend wuselten die jungen Besucher umher, leuchteten in alle Ecken und Löcher, stellten Fragen.

Taschenlampen strahlen in den Himmel, mehrere Fackeln erleuchten die Dunkelheit. Etwa 200 Stimmen schallen durch die Nacht, beleben einen verlassenen Ort. Von außen muss die "Taschenlampenführung" in der Völklinger Hütte ein seltsames Schauspiel gewesen sein. Tatsächlich ist es ein munterer Abend, der Gelegenheit bietet, die Atmosphäre des Weltkulturerbes einmal ganz anders kennen zu lernen.

Gerade viele Kinder und junge Familien zieht die Sonderführung an. Dementsprechend wuseln die jungen Besucher umher, leuchten in alle Ecken und Löcher, stellen Fragen. Ob 1400 Grad denn heiß seien, möchte ein Junge wissen, als es um flüssiges Stahl geht. Wieder ein anderer fragt, ob man denn nach seiner Schicht in einem solchen Klima auch geduscht habe.

"Wir waren vergangene Woche schon mal hier", erzählt Britta Marekfia aus Großrosseln, "das hat uns so gut gefallen, dass wir heute gleich nochmal gekommen sind". "Sehr gut" habe ihm die Führung gefallen, fügt ihr Sohn hinzu, "ich bin zum ersten Mal mit Taschenlampe hier."

Seit mehr als 15 Jahren ist die Taschenlampenführung fester Bestandteil der Sonder-Exkursionen während der Herbstferien. Trotz des nieselnassen Wetters fand die Veranstaltung auch diesmal wieder großen Anklang. Projektleiter Hendrik Kersten erinnert sich an eine der ersten Führungen, die tatsächlich zum großen Teil mit Fackeln bestritten wurde und an der seinerzeit etwa 300 Personen teilnahmen: "Das sah schon dramatisch aus", sagt er lachend. Tatsächlich habe sich über die Jahre eine Art Stammpublikum entwickelt. So sei regelmäßig ein kleiner Junge dabei, der Feuerwache halte.

Zum Stamm gehört ebenfalls Detlef Thieser. Der rüstige über 80-Jährige ist seit etwa 20 Jahren einer der Besucherführer und arbeitete insgesamt 40 Jahre für die Hütte. So weiß er den Besuchern viel aus erster Hand zu erzählen, während diese mit ihren Lampen das eindrucksvolle Vermächtnis der Industriekultur aufhellen.

Etwa 17 000 Menschen arbeiteten insgesamt zu den Hochzeiten im heutigen Weltkulturerbe. Mit etwa 1000 davon arbeitete er in seiner Abteilung zusammen. "Heute bin ich manchmal ganz alleine hier", erzählt er.

Als Schlossermeister hat er hier gearbeitet, Gärtner wäre sein Traumberuf gewesen. Doch früher sei dies nicht so einfach mit der Berufswahl gewesen. Heute kümmert er sich auf dem Hüttengelände unter anderem um die Pflanzen im Industrielandschaftsgarten "Das Paradies". Er hat dort beispielsweise Seerosen gepflanzt und pflegt Gewürze wie Thymian und Oregano. Das "Paradies" befindet sich rund um die ehemalige Kokerei. "Aus einem der heißesten Orte im Saarland ist heute ein Ort der Entspannung geworden", so Thieser.

Im Schatten der Hochöfen erobert sich die Natur ihren Teil zurück. So wachsen einige Bäume quer durch die Verstrebungen, die teilweise an Schienen von Achterbahnen erinnern. Bei Taschenlampenschein ein schön bizarres Schauspiel. "Vorsicht Kinder, hier kann man abrutschen", erinnerte Thieser daran, dass man beim Gehen auf den moosbewachsenen und feuchten Schienen Acht geben müsse.

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