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Michael Böddeker verabschiedet sich nach Sanierung
Völklinger Stadtwerke setzen auf jungen Chef

 Schon im Januar 2018 verkündeten sie gemeinsam den Sanierungserfolg: Julian Wollscheidt (links), nun neuer Geschäftsführer der Stadtwerke Völklingen, und Vorgänger Michael Böddeker.
Schon im Januar 2018 verkündeten sie gemeinsam den Sanierungserfolg: Julian Wollscheidt (links), nun neuer Geschäftsführer der Stadtwerke Völklingen, und Vorgänger Michael Böddeker. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Julian Wollscheidt, bisheriger kaufmännischer Leiter, wird neuer Geschäftsführer des Stadt-Konzerns. Er ist erst 29 Jahre alt. Von Bernhard Geber

Julian Wollscheidt, noch nicht einmal 30 Jahre alt, ist neuer Chef der Völklinger Stadtwerke. Er löst Michael Böddeker ab, der 2015 die Sanierung des stadteigenen Unternehmens einleitete.


Die Entscheidung kam für die Öffentlichkeit überraschend, fiel aber offenbar einvernehmlich. Der Aufsichtsrat habe einstimmig, der Stadtrat mit großer Mehrheit für Wollscheidt votiert, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Erik Kuhn, der auch Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion ist, auf Anfrage unserer Zeitung. „Beckenbauer ist auch bereits mit 18 Jahren ein Star geworden“, erwiderte Kuhn auf die Frage nach dem Alter. Wollscheidt sei bereits seit zwei Jahren im Unternehmen und auch wesentlich an der Umfinanzierung beteiligt gewesen, die teure Sanierungskredite ablöste. „Besser aus der eigenen Jugend als teure Einkäufe im Ausland“, antwortete Kuhn auf die Frage, ob weitere Bewerber für die Böddeker-Nachfolge angetreten seien.

Wolfgang Jelinski, der Vorsitzende der Personalvertretung bei den Stadtwerken, sagte, der Betriebsrat habe diese interne Lösung unterstützt. Die Mitarbeiter hofften, dass Wollscheidt das inzwischen Erreichte fortsetze und ausbaue.



Böddeker, der aus Darmstadt stammt, hatte im Oktober 2015, mitten in der tiefsten Krise, die Geschäftsführung übernommen. Nun verabschiedete er sich in aller Stille aus Völklingen. Dies geschah offenbar aus eigenem Entschluss und aus freien Stücken. „Er hat seine Arbeit in Völklingen getan und sucht nun neue Herausforrderungen“, war von Vertrauten wie Wolfgang Jelinski und Erik Kuhn zu erfahren.

Wollscheidt, der zuvor bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Luxemburg gearbeitet hatte, war im März 2017 als kaufmännischer Leiter in Völklingen angetreten. Bereits Anfang 2018 konnte er mit seinem damaligen Chef Michael Böddeker einen großen Erfolg verkünden: Das Unternehmen sei kein Sanierungsfall mehr und könne sich wieder ganz normal im Geschäftsleben bewegen.

Der neue Geschäftsführer ist 29 Jahr alt, wurde in Püttlingen geboren und und zog 2015 von Dillingen seiner Lebensfährtin zuliebe in den Völklinger Stadtteil Geislautern um. Seinen Abschluss im Wirtschaftsingenieurwesen hatte er an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes gemacht. Auf die Frage, wie er die neue Herausforderung sehe, antwortete Wollscheidt unter anderem: „Die Völklinger Stadtwerke leisten einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Stadt und Region. Ich schätze den Gestaltungsraum, den meine neue Position in dieser Beziehung bietet. Gemeinsam mit der Stadt und dem Aufsichtsrat arbeite ich daran, dass das Unternehmen stabil und zukunftsfähig ist und die Arbeitsplätze sicher. Dazu ist der Themenkomplex rund um Energie und Trinkwasser besonders spannend.“

Die Stadtwerke mit ihren rund 200 Mitarbeitern versorgen Zehntausende von Völklingern mit Strom, Wasser, Erdgas und Fernwärme und gewährleisten über die Tochtergesellschaft Völklinger Verkehrsbetriebe auch den öffentlichen Busverkehr in Stadt und Umland. Wegen der Pleite mit der Meeresfischzucht in Fürstenhausen war das gesamte Unternehmen tief in die roten Zahlen geraten und musste sogar eine Reihe von Mitarbeitern entlassen. Die Fischzucht wird mittlerweile in privater Regie weitergeführt.

 Im Jahr 2015 standen die Signale bei den Völklinger Stadtwerken, hier das Hauptgebäude in der Hohenzollernstraße, auf Tiefgelb. Insolvenz drohte, und eine Krisensitzung folgte der anderen.
Im Jahr 2015 standen die Signale bei den Völklinger Stadtwerken, hier das Hauptgebäude in der Hohenzollernstraße, auf Tiefgelb. Insolvenz drohte, und eine Krisensitzung folgte der anderen. FOTO: BeckerBredel