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Jugendmeeting im Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Besonderes für Schüler : Wo ihr Opa einst geschuftet hat

Wie die Völklinger Hütte versucht, die junge Generation für das Erbe der Industriekultur zu interessieren. Jugendmeeting zum Projekt „Internetbasierte Jugendakademie“.

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte setzt auf die Jugend. Am Dienstag trafen sich auf dem Areal 150 Jugendliche aus saarländischen und lothringischen Schulen, um ein neues, extra auf sie zugeschnittenes Programm zu durchleben. Bei der Begrüßung fragte Geschäftsführer Michael Schley, wer schon einmal hier gewesen sei. Immerhin einige. Dann fragte er, wessen Vater oder Großvater noch hier in der Hütte gearbeitet habe – auch da gingen ein paar Arme nach oben.

Darum geht es den Machern der Hütte: Bei den jungen Leuten ein Bewusstsein dafür schaffen, wo und für was ihre Vorfahren einst geschuftet hatten. Das Jugendmeeting stand unter dem Motto „Europa und die Industriekultur“ und war Teil des größeren Projekts „Internetbasierte Jugendakademie“. Letzteres umfasst die Produktion von Filmen über die Völklinger Hütte in Bezug auf bestimmte Themen wie die Urban-Art-Biennale oder das Electro-Magnetic-Festival. Finanzielle Unterstützung erfährt das Projekt von Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Einer der Filme ist schon fertig und wurde den Jugendlichen vorgeführt. Er zeigte die Transformation des einstigen Wasserhochbehälters und der Trockengasreinigungen in die heutigen Besucherorte. Als Zeitzeuge beantwortete Hermann Hille, der ehemalige Betriebschef für die Hochofenanlage, die Fragen der Schüler.

Von den anderen Filmen gab es sogenannte Teaser zu sehen, die neugierig machen sollten. Außerdem konnten die Jugendlichen, alle um die 15 Jahre alt, einen Auftritt des saarländischen Rappers Manu Meta miterleben.

Da auch zwei französische Klassen aus dem Collège Pierre Adt aus Forbach dabei waren, wurde alles simultan auf Französisch übersetzt. Das galt auch für die von Markus Trennheuser und Fritzi Brandt moderierte Abschlussdiskussion.

Zum lockeren Ausklang des Besuchs ging es auf das Erzdach. Dort hatte Tanzlehrerin Janina Trouvain von der Tanzschule Bootz-Ohlmann ein Podest und zwei Lautsprecher aufgebaut. Sie zeigte den Schülern bestimmte Tanzschritte und -bewegungen zu aktueller Musik. Die Jugendlichen machten größtenteils begeistert mit, aber nicht nur sie – auch der Projektleiter der Völklinger Hütte, Frank Krämer, hatte großen Spaß daran. „Nichts ist besser als zu tanzen“, hatte er schon vorher gesagt. Er fand auch die Fragen der Jugendlichen sehr spannend, so etwa jene, was man wohl finden würde, wenn man hier Ausgrabungen machte.

Die ursprüngliche Idee zu der Veranstaltung war noch vom früheren Leiter des Weltkulturerbes, Meinrad Maria Grewnig gekommen. Im Team sei sie dann weiterentwickelt worden, wie Krämer erzählte. „Wir versuchen viel für junge Menschen zu machen“, sagte Geschäftsführer Michael Schley im Gespräch hinterher.

Getanzt wurde auf dem Areal schon am 1. Mai beim europaweiten Tanzereignis „Wort It out“, und natürlich ziehen die Urban-Art-Biennale, die Graffiti-Kunst zeigt, und das Electro-Magnetic-Festival, bei dem namhafte DJs auflegen, viele junge Leute an.

Für den kaufmännischen Geschäftsführer Arno Harth geht es darum, das Erbe der Industriekultur in die jetzige Generation rüberzubringen. „Als die Völklinger Hütte 1994 zum Weltkulturerbe wurde, waren die noch längst nicht auf der Welt.“

Leise Kritik an der Veranstaltung kam von der Unesco-Landeskoordinatorin Christine Löffler: „Ich habe heute gehört, dass ein bisschen mehr Aktivität statt der vielen Filme vielleicht ganz gut gewesen wäre. Dass die Schüler weniger gucken und mehr diskutieren, da muss man noch dran arbeiten.“ Ähnliches war hinter vorgehaltener Hand auch von Lehrerseite zu hören.

Zumindest die befragten Schüler waren aber zufrieden mit dem Tagesablauf. Simon Thum von der Waldorfschule in Bexbach etwa äußerte, er habe vieles gelernt, was er noch nicht wusste – etwa die Trockengasreinigung. Am besten hatte ihm der Teaser zum Electro-Magnetic-Festival gefallen. Seiner Klassenkameradin Maria Winter ging es ähnlich: „Da würde ich auch mal hingehen.“

Zum Abschluss des Jugendmeetings lernten die jungen Leute Tanzschritte von Tanzlehrerin Janina Trouvain. Foto: Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Wolfgang Klauke

Yannis Naumann vom Geschwister-Scholl-Gymnasium war von der Graffiti-Kunst begeistert: „Das wusste ich nicht, dass es die hier gibt, da habe ich viel gelernt.“ Und Jolie Goller, die dieselbe Schule besucht, lobte die Filme: „Die waren sehr aufschlussreich, da hat man viel gelernt. Aber das Tanzen war auch ziemlich lustig.“