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„Jetzt kümmern Sie sich mal“. Als Kulturbeauftragte in Völklingen
„Jetzt kümmern Sie sich mal“, hieß es

Christoph Eugen und Lars Hüsslein sind die Veranstaltungsmanager der Stadt Völklingen. Hier sind sie in der Kulturhalle Wehrden.
Christoph Eugen und Lars Hüsslein sind die Veranstaltungsmanager der Stadt Völklingen. Hier sind sie in der Kulturhalle Wehrden. FOTO: Iris Maria Maurer
Völklingen. Lars Hüsslein und Christoph Eugen sind gemeinsam zuständig für das Veranstaltungsmanagement der Stadt  Völklingen.

„Wir sind ein Team.“ Lars Hüsslein und Christoph Eugen sind noch gar nicht richtig zur Tür herein, da steht die Aussage schon unumstößlich mitten im Raum. Einen Kulturbeauftragten nebst Amt sucht man im Rathaus Völklingen vergebens. Dafür gibt es den Fachdienst 25, der sich um Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing, Tourismus und Veranstaltungsmanagement kümmert – irgendwo dazwischen ist sie zu finden, die Kultur, für die das Duo zuständig ist.



Quasi „reingeschlittert“ sei er da, erzählt Hüsslein. Als Sachbearbeiter im Sozialamt tätig, zahlte er früher Sozialhilfe aus und beriet Antragsteller. Bis im Jahr 2000 jemand fürs Stadtmarketing gesucht wurde. „Das war spannend, es gab ja landauf, landab noch nichts in der Art. Wir haben bei Null angefangen.“

Soll heißen: „An meinem ersten Tag saß ich vor einem leeren Schreibtisch und es hieß: Kümmern Sie sich mal.“ Zum Beispiel um den Wochenmarkt, der attraktiver werden sollte - sein erstes Projekt: „Wir haben uns mit den Händlern zusammen gesetzt und überlegt, was machbar ist.“ Schließlich engagierte man Straßenmusiker, etablierte den Nikolaus-Rundgang und stellte Hinweistafeln mit den Zeiten des Marktes auf.

Ein leichter Job ist dieses Stadtmarketing nicht. Das geht schon damit los, dass es keine klassische Altstadt gibt. Dafür aber eine Menge Kulturstätten wie die Wehrdener Kulturhalle, das kleine Theater am Alten Bahnhof, die Gebläsehalle der Völklinger Hütte und den historischen Festsaal im Alten Rathaus, die man geographisch zur „Kulturmeile“ verknüpfte.

Dort bietet die Stadt nun gemeinsam mit dem Theaterverein Titania Völklingen, dem Freundeskreis der Versöhnungskirche, der Schloss-Kultur Geislautern und der VHS ein von Comedy über Tanz und Musik breit gefächertes Kulturprogramm an. Partner suchen, kreative Lösungen finden – etwa, dass Künstler auf eigenes Risiko, ohne klassisches Honorar spielen - das ist der am ehesten Erfolg versprechende Plan.

Erschwerend kommt laut Christoph Eugen hinzu: „Die Ausgaben werden immer teurer, obwohl wir nicht mehr machen.“ Man nehme nur das Saar Fest. Mit 30 Acts und bis zu 80 000 Besuchern der größte „Posten“ in Sachen Arbeitsbelastung („ein gigantischer Aufwand“) und Budget, kostete es 2017 mal eben 20 Prozent mehr. „Allein durch die Sicherheitsauflagen“, erklärt der gelernte Veranstaltungskaufmann. „Das war vor fünf Jahren noch nicht so relevant.“

Um zu sparen, mache man vieles allein. „Die Leute denken immer: toller Beruf.“ Bei jedem Konzert dabei sein und überall mitfeiern. Die Realität ist eine etwas andere. „Während die vorne sitzen und zuhören, arbeiten wir hinter den Kulissen. Und wenn die Zuschauer nach Hause gehen, bauen wir bis tief in die Nacht ab und schleppen Stühle. Wir können es uns nicht leisten, jemanden dafür zu bezahlen.“

„In den 70er, 80er Jahren war Völklingen eine pulsierende Stadt mit 20 000 Arbeitern im Stahlwerk“, blickt Hüsslein zurück. Dann kam die Stahlkrise, die Völklinger Hütte wurde zum Weltkulturerbe und die Stadt defizitär. Schon einiges fiel dem Sparzwang zum Opfer: beispielsweise das Straßentheater und das Bespielen der Konzertmuschel. So auch der Weihnachtsmarkt, den es 2012 das letzte Mal gab.

Doch letztlich sei Kultur ein Indikator für die Lebendigkeit einer Stadt. Deshalb „kämpfen wir gemeinsam für ihren Erhalt.“ Und deshalb bleibt auch „Klamauk unterm Schirm“ erhalten – trotz Abspringen der Sponsoren, weshalb man die Open Air-Theaterstunde für Kinder nun selbst bezahlen muss. „Viereinhalb“ Kolleginnen und Kollegen gehören zur Abteilung. „Früher waren es zwei mehr.“ Weniger ist die Arbeit deshalb nicht geworden.

Dass Eugen und Hüsslein trotzdem einen tollen Job haben, scheint außer Frage zu stehen: „Kein Jahr ist wie das andere, wir stehen immer wieder vor neuen Überraschungen.“ Sich auf die wechselnden Bedingungen und Situationen jedes Mal neu einzustellen, hält wach. Langweilig wird es beim Fachdienst 25 jedenfalls nie.