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Jetzt gibt’s Unterricht von Völklingen nach Schweden - VHS im Digitalzeitalter

Jetzt gibt’s Unterricht von Völklingen nach Schweden : Kamera ab in der VHS Völklingen

Corona lässt die Völklinger Volkshochschule einen großen Schritt ins Digitale machen: Erstmals wird es, dank neuer Technik und Kameras, auch Hybrid-Seminare geben, die man vor Ort oder zu Hause belegen kann – auch in Schweden.

Dass ein Schwede zwar in seiner Heimat lebt, aber dennoch regelmäßig einen Kurs der Volkshochschule Völklingen besucht, das hätte man noch vor ein paar Jahren als bestenfalls sonderbare Idee  empfunden. Was es möglich macht, sind das Internet – und Lehren aus der Corona-Pandemie: Nach dem Lockdown hatte die städtische VHS erste Versuche mit Online-Seminaren gestartet, „aber wir haben festgestellt, dass wir der Digitalisierung hinterherhinken“, sagt VHS-Leiterin Jenny Ungericht, „es gab viele technische Probleme, und das veraltete Konferenzsystem hat viele überfordert.“

Doch trotz dieser Unzulänglichkeiten gab es schon da Nutzer, die ganz begeistert gewesen seien, zum Beispiel, weil sie kleine Kinder oder pflegebedürftige Eltern nicht alleine zu Hause lassen konnten. Ohne das digitale Angebot hätten sie auf den Kurs  verzichten müssen.

So reifte die Idee, ab dem kommenden VHS-Semester, gewissermaßen als Feldversuch, etwas Neues zu wagen: Ein „Hybrid-Semester“, bei dem ein Teil der Seminare sowohl vor Ort in den VHS-Räumen als auch gleichzeitig übers Internet angeboten wird, und das deutlich professioneller als bisher:  Das moderne Konferenzsystem „Zoom“ ist jetzt im Einsatz, das eine Vielzahl von Möglichkeiten bietet. Zudem wurden zwei der VHS-Säle im Alten Rathaus Völklingen technisch aufgerüstet, unter anderem mit je zwei Kameras (eine zeigt den Dozenten, die andere die Kursteilnehmer), einer speziellen Dokumentenkamera sowie einer auf das System abgestimmten speziellen Tafel. Haben die Teilnehmer zu Hause eine Webcam und ein Mikrofon, können sie sich am Unterricht beteiligen, und sie werden auch auf einem Bildschirm im Saal – wenn sie es wünschen – eingeblendet. Auch kann der Dozent Dokumente oder von ihm Geschriebenes direkt auf den heimischen Bildschirm schicken. Das neue System kostete – und das ist für Technik und Software relativ kleines Geld – etwa 2500 Euro.

Das neue System ist natürlich nicht für alle Arten von Kursen geeignet, zum Beispiel nicht für Kochkurse. Bei dem neuen Angebot, so  Jenny Ungericht, denke man vor allem an Sprachkurse, aber auch an Bewegungskurse, wie etwa  Yoga, Zumba oder Pilates. Bei den Bewegungskursen könne es theoretisch 100 „digitale“ Teilnehmer geben, bei Sprachkursen mache das keinen Sinn. Wie groß die Gruppe maximal sein kann, um noch gut gemeinsam lernen zu können, das gehört zu den Dingen, die noch ausgelotet werden müssen.

Und da ohnehin alles noch Neuland ist, werde eine bereits eingesetzte Arbeitsgruppe gegebenenfalls auch didaktische Änderungen vornehmen und das System – wenn es sich bewährt – ausbauen. 15 Dozenten sind bereits geschult, weitere  werden folgen. Zudem gibt es bereits eine Kooperation mit der VHS Saarlouis. Auch Landesgrenzen sind beim digitalen Lernen keine wirkliche Grenze mehr. So sind etwa Französischkurse mit Unterstützung von Muttersprachlern in Frankreich denkbar. Und derzeit, so Jenny Ungericht, stehe sie gerade in Verhandlung mit einer schwedischen Universität, an der Studierende Deutsch lernen wollen.

Aber wenn jede VHS aus jedem Ort praktisch weltweit Kurse anbieten kann, wird das dann nicht zu einem großen Konkurrenzkampf der Volkshochschulen führen? Nein, damit rechnet die VHS-Leiterin nicht, die auch betont: „Es wird nicht so sein, dass die VHS jetzt in die digitale Welt verlagert wird.  Unsere Hauptkurse werden immer die  Präsenzkurse vor Ort sein.“ Die VHS vor Ort sei schon deshalb wichtig, weil sie für viele – oft sehr treue – Kunden schon seit Jahren ein sozialer Treffpunkt ist. Nicht wenige Kunden würden zum Beispiel ihre Sprachkenntnisse von Semester zu Semester mit neuen Kursen ausbauen, und ist eine Sprache erlernt, mit der nächsten beginnen. Zudem betont sie, was den neuen digitalen Bereich betrifft: „Wir gehen die ganze Sache langsam an.“