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Jetzt geht's ans Personal

Ampel auf Gelb vor dem Stadtwerke-Verwaltungsbau in der Völklinger Hohenzollernstraße: Die Krise beim kommunalen Konzern ist längst noch nicht ausgestanden. Archivfoto: Becker & Bredel
Ampel auf Gelb vor dem Stadtwerke-Verwaltungsbau in der Völklinger Hohenzollernstraße: Die Krise beim kommunalen Konzern ist längst noch nicht ausgestanden. Archivfoto: Becker & Bredel
Völklingen. Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) blieb trotz Stadtwerke-Krise und Fischzucht-Desaster im Sattel. Und er denke auch nicht daran, bereits mit 65 Jahren in Pension zu gehen, sagt der Rathauschef im SZ-Gespräch. Bernhard Geber

Mit Stadtwerke-Krise und Fischzucht-Desaster hat das Jahr 2015 in Völklingen denkbar schlecht begonnen. Im Juni wollten SPD , Linke und Grüne deshalb bereits den Oberbürgermeister aus dem Amt jagen. Aber sie fanden dafür nicht die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit im Stadtrat. Klaus Lorig (CDU ) wirkte damals angeschlagen, hat aber nun offenbar zum alten Selbstbewusstsein zurückgefunden.

So weist der 63-Jährige bei einem Gespräch in der Völklinger SZ-Redaktion Spekulationen zurück, dass er für 2017 seinen Abschied plane. Dann, mit 65 Jahren, könnte er das für sich schadlos tun. Gewählt ist Lorig noch bis 2019. "Und", so sagt er, "ich sehe keinen Grund, früher als 2019 auszuscheiden. Ich möchte das durchziehen."

Das politische Klima ist im zweiten Halbjahr 2015 auch deutlich freundlicher geworden. In der Innenstadt wachsen die Seniorenresidenz am Alten Rathaus und das Ärztehaus in der Poststraße. Fenne hat seinen Dorfgemeinschaftsplatz erhalten. In Fürstenhausen wird nach dem Sportplatz nun ein weiterer Schritt zur Neugestaltung der Ortsmitte eingeleitet. Und in Sachen Ex-Kaufhof-Areal haben viel versprechende Verhandlungen mit der Modepark Röther GmbH begonnen. Um Ostern solle nun endgültig der Abriss der Ruinen starten, bekräftigt Lorig.

457 Flüchtlinge zählte man zu Jahresende in Völklingen , und bis Ende 2016 könnten es rund 1000 werden, schätzt Lorig. Damit hat sich, auch politisch und sozial gesehen, eine neue Großbaustelle entwickelt. Rund 100 Wohnungen richtet die Stadt für Flüchtlinge und weitere Bedürftige her. Das (geförderte) Wohnraumprogramm bringt laut Lorig den Vorteil, dass damit der Bestand an Sozialwohnungen in der Stadt saniert und modernisiert werden kann.

Derzeit zählt man erst zehn Flüchtlingskinder in den Kindertagesstätten und 48 in den Grundschulen. Doch man muss sich darauf einstellen, dass immer mehr Familien nachziehen. Die Kindergartensituation in Gesamt-Völklingen - nach Lorigs Auskunft 457 Plätze, davon noch 30 frei - gilt bereits jetzt als angespannt. Lorig sagt: "Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir bauen müssen." Ansonsten: "Hetze" in sozialen Medien wie Facebook habe nichts mit dem wirklichen Leben in Völklingen ("wir sind fremde Gesichter gewöhnt") zu tun.

Ein offensichtlich größeres Problem als die Flüchtlinge bleibt die Situation bei den Stadtwerken. Der Kreditgeber Saar LB hat seine rettenden Millionen mit konkreten Sanierungsauflagen verbunden. Laut Lorig steht nach wie vor ein Peronalabbau von rund einem Achtel (um die 30 von 240 Stellen) im Raum. Die Geschäftsführung spricht derzeit Mitarbeiter darauf an, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Diese sind ein arbeitsmarktpolitisches Instrument, das Betroffenen Zeit gewährt, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Bis zu einem Jahr lang erhalten sie dort in der Regel weiter rund 80 Prozent ihres bisherigen Netto-Lohnes. Voraussetzung ist, dass die Angesprochenen zustimmen.

Und wenn sie das nicht tun? "Die Konsequenz liegt auf dem Tisch: betriebsbedingte Kündigung!", antwortet Lorig. Maßgebliche Völklinger Kommunalpolitiker haben bisher Kündigungen ausgeschlossen. "Da wird der Stadtrat seine Meinung ändern müssen", sagt der Oberbürgermeister dazu.

< Weiterer Bericht folgt.

Völklingens Rathauschef Klaus Lorig (rechts) mit Stadtpressesprecher Uwe Grieger beim Gespräch in der SZ-Redaktion. Foto: Seeber
Völklingens Rathauschef Klaus Lorig (rechts) mit Stadtpressesprecher Uwe Grieger beim Gespräch in der SZ-Redaktion. Foto: Seeber FOTO: Seeber
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