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Jesus, Maria und die geläuterten Gangster

Jesus, Maria und die geläuterten Gangster

Musical-Fans in Völklingen wissen längst: Am Marie-Luise-Kaschnitz-Gymnasium (MLK) gibt es einen Lehrer, der erfolgreich Ohrwurm-Musikstücke schreibt. Jetzt feierte das Stück „Die scheinheiligen drei Könige“ Premiere. Der Klassiker zu Weihnachten, aber modern.

Lampenfieber? "Ach nö! Doch, ein bisschen schon", sagt am Montagabend Andreas Schmittberger zehn Minuten vor Beginn der Vorstellung. Lampenfieber? "Ach nö, wieso denn? Auf die Kinder ist doch Verlass. Die haben toll geprobt", sagt nach dem ersten Akt Matthias Piro. Schmittberger unterrichtet das Fach Musik am MLK und schreibt Musicals . Piro gehört zum jetzigen Abi-Jahrgang und führt Regie.

"Die Vorbereitung war knallhart, aber du, Matthias, bist noch 'ne Nummer härter‘", lobt der Lehrer den Schüler. Die Aula, rappelvoll, bietet Spannung vor der Uraufführung. "Euch ist heut' im Stall von Bethlehem ein Kind geboren" - die Geschichte ist bekannt, doch so ward sie noch nie erzählt. Hauseigene Streicher und Rocker spielen selbst Komponiertes, orientalisch-jüdisch inspiriert. Die Tanz-AG tritt auf, traumhaft schön für eine Laienschülergruppe. Tolle Kostüme, ausdrucksstark, ein Hingucker nach dem anderen. Die Darsteller spielen sich, wie man so sagt, das Herz aus dem Leib. Das antike Bethlehem wird zur Weltstadt, in der betrogen wird bis zum Geht nicht mehr. Mitleid? Von wegen! "Was soll jetzt aus uns werden?", klagt die schwangere Maria. "Uns doch egal", schreit ihr der Sprechchor entgegen. "Wo soll ich in der Nacht mit der schwangeren Frau hin?", will Papa Josef wissen. "Juckt uns doch nicht!"

Drei hartherzige Burschen, Moshe, Simeon, Gideon, Könige der Taschendiebe, fassen einen Entschluss: "Es kann doch nicht so schwer sein, dieser wehrlosen Familie die wertvollen Geschenke Gold, Weihrauch, Myrrhe zu stibitzen." Hier schreibt das MLK-Musical sein eigenes Wunder von Bethlehem, mit geläuterten Gangstern zum Happy End. Bis es so weit ist, wird gesungen, getanzt, beleuchtet und beschallt, dass 90 Minuten wie im Flug vergehen. Prasselnder Applaus und die Erkenntnis: Die Weihnachtsgeschichte kann man mit Fantasie spannend neu erzählen. Und mit Schmunzeleffekt. Matthias Piro sagt zu seinem Regiedebüt: "Ich wollte etwas Action reinbringen." Das ist ihm gelungen. Und Lehrer Schmittberger hat als Autor von schulgeeigneten Musicals wieder einmal ein gutes Händchen bewiesen.

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Auf einen Blick Bei der Premiere wirkten mit: Ann-Kathrin Öhlsen als Moshe, Lisa-Marie Jost als Gideon, Maurice Fuchs als Simeon, Charlotte Burgard als Witwe, Paula Martin als Bettler, Elena Schweers als Käsemann, Kathrin Kramp als Geflügelhändler, Sophie Tabellion als Obsthändler und Polizist zwei, Leander Neudeck als Kunde, Johannes Kohl als Bauer, David Adam als Polizist eins, Solav Meschko als Tänzerin und Tim Molitor als Maria, Frau und Schaf. Die musikalische Leitung hatte Andreas Schmittberger. Matthias Piro kümmerte sich um Regie, Inszenierung, Licht und Choreografie. Annalena Piro war für das Bühnenbild verantwortlich. Weiter wirkten mit: Stefan Leinenbach (Regieassistenz), Julia Müller (Kostümassistenz), Lena Müller (Choreografieassistenz), Doris Corbé-Schmittberger (Chor-Einstudierung), Jan-Niclas Timm (Technische Leitung), Rebekka Lehberger (Soufflage), der MLK-Musical-Chor und das MLK-Orchester. et