Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 20:36 Uhr

Stsdtführung durch Völklingen
„Je mehr Anekdoten, desto lebendiger wird es“

Außerplanmäßiger Höhepunkt: Einen beeindruckenden Ausblick hat die Gruppe vom Turm des Alten Rathauses in Völklingen. Unten am Boden sieht man einen Teil der Kaufhof-Baustelle.
Außerplanmäßiger Höhepunkt: Einen beeindruckenden Ausblick hat die Gruppe vom Turm des Alten Rathauses in Völklingen. Unten am Boden sieht man einen Teil der Kaufhof-Baustelle. FOTO: Thomas Annen
Völklingen. Bei seinen Stadtführungen in Völklingen setzt Historiker Christian Müller auf eine Mischung aus Faktenwissen und Entertainment.

Schnell noch einen Schluck aus der Wasserflasche, dann geht‘s los. „Herzlich willkommen zur zweiten Führung in diesem Jahr“, sagt Christian Müller (33) auf dem Völklinger Platz. Seit Sommer 2017 kann man den Historiker als Stadtführer buchen. Für Müller, der in Bous lebt und am Völklinger Marie-Luise-Kaschnitz-Gymnasium sein Abitur gemacht hat, ist das Metier kein Neuland. Er erklärt Gästen das Weltkulturerbe, macht kulinarische Führungen im Nauwieser Viertel in Saarbrücken.

Als Stadtführer muss man sich auf die unterschiedlichsten Zuhörer einstellen. Kürzlich hat Müller eine Politikergruppe aus Worms betreut. Nun begrüßt er vor dem Weltkulturerbe Stadtverordnete und Unternehmer. Auch der jüngste Teilnehmer, Silas Duchene (10), ist gespannt, wo’s hingeht.

„Ich versuche immer, die Führung recht locker anzugehen“, erläutert Müller. Er trägt Turnschuhe, Jeanshose und Hemd. Wenn er von Völklingen redet, spricht er manchmal von „wir“. Und die Gruppe wird geduzt. „Habt ihr Fragen?“

Der Stadtführer ist bestens gerüstet. Neben der Wasserflasche hat er historische Fotos, einen Laserpointer sowie Schlüssel für die Eligiuskirche, die Versöhnungskirche und das Trauzimmer des Alten Rathauses dabei. Außerdem hat er unterhaltsame Anekdoten im Gepäck. Neben Faktenwissen setzt Müller ein Stück weit auf Entertainment. Auch die Teilnehmer sind eingeladen, Geschichten über die Stadt zu erzählen. „Je mehr Anekdoten, desto lebendiger wird es“, weiß der Profi.

Der Rundgang startet am Völklinger Platz. Mit Blick auf das Weltkulturerbe erklärt der Stadtführer die Funktionsweise eines Hochofens. Wer von Völklingen erzählt, kommt an den Röchlings nicht vorbei. Über die Familie, so Müllers Ankündigung, wird er aus der „neutralen Sicht des Historikers“ berichten.

Die Hütte selbst gehört nicht zum Rundgang. Tagestouristen, die das Weltkulturerbe besichtigt haben, sind wohl zu müde, um anschließend noch eine Führung durch die Innenstadt zu machen. Mit ihrem Angebot will die Stadt deshalb Besucher ansprechen, die sich mehrere Tage in der Region aufhalten. Oder Leute, die in der Region leben, etwa Schulklassen.

Bei der Route ist Müller flexibel. Auf Wunsch der Gruppe wird das Alte Rathaus ans Ende der Tour verlegt, einige wollen dort nachher noch in eine Sitzung. Vor dem Bahnhof zeigt Müller der rund 20-köpfigen Gruppe historische Fotos. Ein Bild zeigt einen Zeppelin, der 1930 über Völklingen schwebte. Auf einem anderen Schnappschuss sind jede Menge Busse zu sehen. 1965 arbeiteten 17 000 Menschen auf der Hütte. Nicht nur auf den Straßen, sondern auch in den Kneipen rund um die Torhäuser herrschte damals Hochbetrieb. Nach Schichtende warteten an den Theken schon mehrere Reihen vorgezapftes Bier.

Müller erinnert auch an die Ehefrauen, die ihre Männer an Tagen, an denen es Lohn gab, in Empfang nahmen. Sie sorgten dafür, dass nicht zu viel Geld zum Löschen des Durstes ausgegeben wurde. Clevere Arbeiter griffen deshalb schon vor dem Eintreffen der Frauen in die Lohntüte und legten Geld fürs Feierabendbierchen zur Seite. Erst als das Geld nicht mehr bar ausgezahlt wurde, flog der kleine Schwindel auf. Nun merkten die Frauen, dass mehr aufs Konto überwiesen wurde, als in den Lohntüten war.

In der Eligiuskirche werden den Besuchern neben wichtigen Baufakten auch zwei Legenden präsentiert. Sie sollen erklären, wie der heilige Eligius zum Schutzpatron der Metallarbeiter wurde. Die Gäste erfahren viel Neues, und auch der Stadtführer lernt noch dazu. In der Poststraße erläutert ihm ein Stadtratsmitglied die Geschichte eines schmucken Hauses.

Nach der Besichtigung der Versöhnungskirche betreten dann alle Neuland. Christof Theis von der Stadtverwaltung schlägt spontan vor, den Turm des Alten Rathauses zu bestiegen. Das gehört normalerweise nicht zum Programm. Für das außerplanmäßige Highlight lässt die Gruppe das Neue Rathauses gerne sausen. Theis macht sich auf die Suche nach dem Hausmeister. Wenig später winkt er die Besucher herein. Jetzt heißt es erst mal Treppen steigen. Doch die Mühe lohnt sich. Vom Turmbalkon hat man eine tolle Aussicht über Völklingen. Nach knapp zwei Stunden endet der Rundgang, die Teilnehmer bedanken sich mit Applaus.

Auch die Versöhnungskirche gehört zu den Stationen der Stadtführung mit Christian Müller (hinten, zu der Gruppe sprechend).
Auch die Versöhnungskirche gehört zu den Stationen der Stadtführung mit Christian Müller (hinten, zu der Gruppe sprechend). FOTO: Thomas Annen