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„Inklusion hört an Gleis 1 auf“

„Inklusion hört an Gleis 1 auf“

Sven Spindler aus Wadgassen fährt im Sommer mit dem Rad nach Völklingen und nimmt von dort aus den Zug, um zur Arbeit nach St. Ingbert zu fahren. Doch seit Wochen sind die Aufzüge am Bahnhof außer Betrieb.

Seit dem Jahr 2013 wirbt die Stadt Völklingen mit ihrem barrierefreien Bahnhof. Doch was nützen zwei geräumige Fahrstühle, wenn sie nicht funktionieren, fragt sich SZ-Leser-Reporter Sven Spindler. Er fährt im Sommer gerne mit dem Fahrrad und der Bahn zur Arbeit. Von Wadgassen aus radelt er nach Völklingen , wo er sich normalerweise bequem in den Aufzug stellt, und dann an Gleis 2/3 wieder aussteigt. Seit Anfang Juni sei dies aber nicht mehr möglich: "In der Woche vom 6. bis zum 10. Juni funktionierte erst der Fahrstuhl an Gleis 2/3 nicht. Gegen Ende der Woche funktionierte der an Gleis 1 dann auch nicht mehr", berichtet Spindler. Für solche Fälle klebt an den Aufzügen eine Nummer der Deutschen Bahn, die den Fahrgästen weiterhelfen soll. "Als ich dort anrief, antwortete der Bahn-Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung, dass das Problem bereits bekannt ist", so Spindler.

Diese Woche sei er erneut mit dem Fahrrad zum Bahnhof gefahren, dort habe ihn das schon bekannte Szenario erwartet - kein Fahrstuhl habe funktioniert. "Anscheinend hört das Thema Inklusion bei der Deutschen Bahn zumindest in Völklingen an Gleis 1 bereits auf", sagt der SZ-Leser. Er wisse beim besten Willen nicht, wie Rollstuhlfahrer und ältere Menschen mit Rollator in der Hüttenstadt Zug fahren sollen. Einen wochenlangen Ausfall von Aufzügen habe er an anderen Bahnhöfen noch nie erlebt.

Der Saarländische Verkehrsverbund (SaarVV) konnte auf SZ-Anfrage keine Auskunft über die Probleme am Bahnhof geben und verwies an die Stadtwerke, dort fühlte sich niemand zuständig. Der Chef des Saarbrücker Bahnhofs, Ulrich Demmer, gab keine Stellungnahme ab. Lediglich die regionale Pressestelle der Deutschen Bahn mit Sitz in Frankfurt hatte genauere Informationen über den aktuellen Stand in Völklingen .

Grund für den Stillstand der Aufzüge sei das Unwetter , das im Juni im Saarland wütete, so ein Pressesprecher der Deutschen Bahn. "Nachdem die Personenunterführung unwetterbedingt mit Wasser geflutet wurde, stehen die Aufzugsschächte derzeit voll mit kontaminiertem Wasser", informiert der Bahnsprecher. Schon am Mittwoch soll das Wasser nach seinem Informationsstand abgepumpt worden sein. Jetzt müsse geprüft werden, ob die Aufzüge wieder in Betrieb genommen werden können oder größere Schäden vorliegen. Man könne nicht erwarten, dass die Fahrstühle nach dem Abpumpen des Wassers wieder sofort betriebsbereit seien.

Das Unwetter habe die Bahn vor eine "Herkules-Aufgabe" gestellt. "Nicht nur am Völklinger Bahnhof gab es Probleme", berichtet der Pressesprecher . Deswegen sei es in den ersten Tagen nicht möglich gewesen, alle Fahrgäste ausreichend zu informieren. Aber seit einiger Zeit könne im Internet nachgelesen werden, dass die Aufzüge am Völklinger Bahnhof zurzeit nicht funktionieren. "Am Bahnhof selbst Schilder anzubringen, hilft niemandem weiter. Die Leute merken ja selbst, dass, wenn sie den Knopf drücken, nichts passiert", so der Sprecher. Man arbeite daran, die Probleme zu beheben.

Den Tipp für diesen Artikel bekamen wir von SZ-Leser Sven Spindler aus Wadgassen. Wenn Sie auch Interessantes zu erzählen haben, hinterlassen Sie eine Sprachnachricht unter Tel. (06 81) 5 95 98 00 oder schicken Sie eine E-Mail an leser-reporter@sol.de oder nutzen Sie unser Onlineformular unter www.saarbruecker-zeitung.de/leserreporter .