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Höhepunkt ist der Korso im Oktober
In Völklingen schlägt das Herz für Oldtimer

Arno Harth arbeitet in seiner Völklinger Werkstatt an einem BMW Z3. Harth fährt besonders gern so genannte Youngtimer, also alte Autos, die noch nicht ganz das Oldtimer-Alter von 30 Jahren erreicht haben. Sein Z 3 ist 22 Jahre alt, er besitzt ihn seit 13 Jahren. „Ich schraube momentan an den Sitzen, der Fahrersitz ist nicht befestigt. Sitze sind Verschleißteile und werden mit der Zeit locker“, sagt er. Obwohl es für ihn nur Hobbyschrauberei ist, kennt er jede Schraube an seinem BMW und pflegt den Wagen liebevoll. Im Sommer fahre seine Frau häufig das Auto, sagt Harth.
Arno Harth arbeitet in seiner Völklinger Werkstatt an einem BMW Z3. Harth fährt besonders gern so genannte Youngtimer, also alte Autos, die noch nicht ganz das Oldtimer-Alter von 30 Jahren erreicht haben. Sein Z 3 ist 22 Jahre alt, er besitzt ihn seit 13 Jahren. „Ich schraube momentan an den Sitzen, der Fahrersitz ist nicht befestigt. Sitze sind Verschleißteile und werden mit der Zeit locker“, sagt er. Obwohl es für ihn nur Hobbyschrauberei ist, kennt er jede Schraube an seinem BMW und pflegt den Wagen liebevoll. Im Sommer fahre seine Frau häufig das Auto, sagt Harth. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Nach dem Korso ist vor dem Korso: Schon jetzt bereiten die Fachleute des Völklinger Wirtschaftskreises das Oldtimer-Treffen 2018 vor. Die Hüttenstadt, berichten sie, habe sich in der Szene einen anziehenden Ruf erarbeitet. Von Bernhard Geber

Dieses Jahr schlägt am 21. Oktober die große Stunde für saarländische Oldtimer-Freunde in Völklingen. Beim mittlerweile 17. Korso zum verkaufsoffenen Sonntag  werden wieder um die 350 Freunde automobiler Schätzchen mit ihren historischen Fahrzeugen in der Innenstadt erwartet. Es ist die letzte und mit die größte Ausfahrt in der Oldtimer-Saison, die Ende April/Anfang Mai mit Touren einzelner Vereine und mit dem ­ADAC-Oldtimertreffen im Bexbacher Rosengarten startet.


Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Schon unmittelbar nach dem Korso beginnen in Völklingen jeweils die Vorbereitungen für die nächste Auflage. Wir haben uns in der SZ-Redaktion mit einigen der maßgeblichen Personen getroffen. Dies sind Michael Maisch, unermüdlicher und fachlich versierter Moderator bei solchen Treffen,  Dieter Birkelbach, der Mann von der Esso-Tankstelle an der Völklinger Moltkestraße, Arno Harth, Verwaltungsleiter im Völklinger Weltkulturerbe, und nicht zuletzt Achim Schmitt, der sich als Schatzmeister des Völklinger Wirtschaftskreises um Organisation und Finanzierung kümmert.

Zwei Neuerungen beim Oldtimer-Korso in Völklingen stehen bereits fest. Im Fahrerlager auf dem Hindenburgplatz in Völklingen wird es eine klare Anlaufstelle für alle, ein Informationszentrum mit einem großen Lautsprecherturm, geben. Und nach den „Alten Schweden“, der Sonderkategorie im vergangenen Jahr, sind diesmal die Japaner dran. In den 80er Jahren begannen die Fahrzeuge aus dem Land der aufgehenden Sonne ihren Vormarsch in Deutschland, und, weil in aller Regel solide gebaut, haben nicht wenige von ihnen inzwischen das Oldtimer-Alter (ab 1988) erreicht. Der Völklinger Wirtschaftskreis will dies nun als Veranstalter des Korsos würdigen. Eine Neuerung vom vergangenen Jahr bleibt erhalten: Fachfirmen aus der Region werden wieder vor Ort vertreten sein, um auch Leute, die selbst mit dem Erwerb eines Oldtimers liebäugeln, zu beraten.

Zunehmend sind Frauen als Fahrer beim Völklinger Oldtimer-Korso zu sehen. Und dies nicht nur in schicken Cabrios. Sie sitzen sogar auf historischen Traktoren. Die Oldtimer-Szene im Saarland wächst. Wie groß sie ist, ist nicht exakt zu beziffern. Unsere Fachleute sprechen von schätzungsweise um die 9000 historischen Fahrzeugen („bundesweit die größte Dichte“) im Saarland und einer Größenordnung von um die 200 allein in der Stadt Völklingen. Mit ein Anreiz, Oldtimer  zu besitzen und zu pflegen, sei inzwischen das niedrige Zinsniveau. „Sie werden auch als Geldanlage betrachtet“, berichtet Achim Schmitt, der von Beruf Steuerberater ist. „Garagengold“ heißt das Stichwort dazu.

Die Oldtimer-Szene ist nicht so straff organisiert wie etwa der Saarländische Fußballverband. Sie lebt in den einzelnen Markenclubs und im intensiven Austausch der Fahrer und Schrauber in persönlichen Kontakten und per Internet. Das weltweite Netz spielt auch eine große Rolle, wenn es um die Ersatzteilbeschaffung („je nach Marke von ganz leicht bis sehr schwierig“) geht. Bei größeren Ereiginisse sieht man sich immer wieder. Das sind zum Beispiel auch das Stelldichein am Saarbrücker Staatstheater (3. Juni) und die sechs ADAC-Classic-Cup-Veranstaltungen, bei denen Rainer Bastuck, auch in Völklingen als Jurymitglied dabei, die Feder führt.



Als Glanzereignis der Saison im Saarland gelten die Oldtimer-Tage am Linslerhof in Überherrn. Sie sollen in diesem Jahr am 6. und 7. Oktober stattfinden. Sie beißen sich damit nicht mehr, wie im Vorjahr geschehen, mit Völklingen. Die Völklinger mussten ihren Korso vom ursprünglich geplanten Termin um eine Woche nach hinten verschieden und litten dann zudem unter miserablem Wetter. Mit dem 21. fällt nun der Völklinger Korso auf den dritten Sonntag im Oktober – den Termin, an dem auch traditionell der verkaufsoffene Sonntag in der Stadt stattfindet.

Der Völklinger Korso hat sich aus Sicht unserer Fachleute zumindest zur Nummer zwei im Saarland entwickelt. Michael Maisch, überall bei solchen Ereignissen als Erklärer für das Publikum dabei, sieht folgende Pluspunkte: Die Stadt sei gut erreichbar und biete zum verkaufsoffenen Sonntag auch ein Rahmenprogramm. Zudem zeichne sich die Veranstaltung durch ihre Bodenständigkeit aus – man brauche keine Luxuskarosse, um sich als Teilnehmer akzeptiert und wohl zu fühlen. „Da kann man auch ganz stolz mit einem Ford Escort von 1968 aus saarländischer Produktion mitfahren“, ergänzt Arno Harth. Solche Fahrzeuge sind auch heute noch bekannt unter dem lustigen Beinamen „Hundeknochen“.

Dieter Birkelbach in seiner Völklinger Garage – er ist stolzer Besitzer eines feuerroten Ford Mustang aus dem Jahr 1967. Das Auto wurde also im Vorjahr 50 Jahre alt. Birkelbach besitzt es seit 37 Jahren. „Ich habe den Wagen vor 20 Jahren voll restauriert und lackiert. Das ist  mein größtes Hobby“, sagt er. Neben dem Mustang besitzt Birkelbach noch einen Ford Taunus Baujahr 1966. Jedoch ist der Mustang erklärtermaßen sein  Lieblingsauto.
Dieter Birkelbach in seiner Völklinger Garage – er ist stolzer Besitzer eines feuerroten Ford Mustang aus dem Jahr 1967. Das Auto wurde also im Vorjahr 50 Jahre alt. Birkelbach besitzt es seit 37 Jahren. „Ich habe den Wagen vor 20 Jahren voll restauriert und lackiert. Das ist mein größtes Hobby“, sagt er. Neben dem Mustang besitzt Birkelbach noch einen Ford Taunus Baujahr 1966. Jedoch ist der Mustang erklärtermaßen sein Lieblingsauto. FOTO: BeckerBredel
Vier Oldtimer-Fachleute beim Gespräch in der SZ-Redaktion, von links: Arno Harth, Achim Schmitt, Dieter Birkelbach und Michael Maisch. Mit am Tisch die SZ-Redakteure Doris Döpke (links)  und Bernhard Geber.
Vier Oldtimer-Fachleute beim Gespräch in der SZ-Redaktion, von links: Arno Harth, Achim Schmitt, Dieter Birkelbach und Michael Maisch. Mit am Tisch die SZ-Redakteure Doris Döpke (links)  und Bernhard Geber. FOTO: BeckerBredel