In Frankreich ist noch viel zu tun

Verdrecktes Hochwasser in den Gärten, darüber klagen Lauterbach-Anwohner seit Jahren. Jüngst sind in Frankreich Rückhaltebecken gebaut worden. Kann jetzt in Lauterbach die Bachsanierung beginnen? Damit befasst sich heute Völklingens Kommunalpolitik.

"Wenn ihr jetzt noch Probleme habt, sind wir nicht daran schuld", hatte Gilbert Weber, Bürgermeister von L'Hôpital, Ende September dem Lauterbacher Ortsrat gesagt. Augenzwinkernd zwar, doch ernst gemeint. Denn zwei Wochen zuvor hatte Weber in seiner Gemeinde zwei Becken eingeweiht, die helfen sollen, den Lauterbach zu bändigen. Obwohl die neuen Becken schon seit August in Betrieb sind, hatte Lauterbach am 1. September das alte Problem: Bei einem Stark regen setzte der Bach Anlieger-Gärten unter Wasser ; wie zuvor brachte er Fäkalienschmutz mit.

Nicht erstaunlich, sagt Völklingens Bürgermeister Wolfgang Bintz (CDU ) auf SZ-Nachfrage. Die französischen Neubauten seien nur eine kleine Entlastung, kein großer Befreiungsschlag. Das habe auch Roland Desgranges bestätigt, Chef des Ingenieurbüros, das 2009 eine große Studie über den Lauterbach erarbeitet hatte (wir berichteten mehrfach) und nun eine aktualisierte Folge-Studie erstellt hat.

"Wir tun was für die deutsche Umwelt", hatte Weber in L'Hôpital gesagt. "Ach - Politiker!", kommentiert Desgranges diesen Satz lachend: Aus Sicht eines Technik-Fachmanns habe der Spitteler Rathauschef arg übertrieben. Gewiss, die französischen Neubauten seien ein Fortschritt. Wirkung hätten sie freilich vor allem für die unmittelbare Nachbarschaft, etwa für die nahe Siedlung Petit Pont in L'Hôpital. Die Wassermenge, die das entferntere Lauterbach erreicht, mindere sich aber kaum. 2009 hatte Desgranges ausgerechnet, dass ein Becken direkt an der Grenze 50 000 (!) Kubikmeter fassen müsste, um Lauterbach vor einem Hochwasser zu bewahren, wie es alle zehn Jahre eintritt. Jedoch nimmt das neue Speicherbecken in L'Hôpital nur 4600 Kubikmeter auf. Zudem, sagt Desgranges, lägen die neuen Becken am Rande des Wasser-Einzugsgebiets für den Lauterbach , nicht in dessen Zentrum. Und es seien nur 3,5 Prozent der maßgeblichen Fläche daran angeschlossen.

Auch bei der Schmutzfracht, die der Lauterbach aus Frankreich mitbringt, gebe es noch keinen Durchbruch. Was in Frankreich bisher gebaut wurde, halte längst nicht so viel "stoffliche Belastung" zurück wie nötig. Um das dortige Kanalsystem auf deutschen Technik-Stand zu bringen, müsste der Schmutz im Bach um knapp elf Tonnen jährlich reduziert werden, hatte Desgranges 2009 kalkuliert. Bisher sei nur etwa ein Fünftel erreicht.

"Die Franzosen sind auf dem richtigen Weg", sagt Desgranges, doch es müsse unbedingt weitergehen. Entscheidend sei, dass bei zwei Carlinger Rückhaltebecken - Becken also, die neben Wasser auch Schmutz zurückhalten - das jetzige Volumen verdreifacht werde. Erst dann sei in Frankreich der deutsche Stand der Technik erreicht. Dafür habe Carlings Bürgermeister Gaston Adier - er ist zugleich Präsident des Syndicat des Eaux Usées du Lauterbach , also des zuständigen Abwasserzweckverbandes - aber wohl noch keine Finanzierungsmöglichkeit gefunden.

Probleme sieht Desgranges auch für die Bachsanierung auf deutscher Seite. Da gilt es, der Studie von 2009 zufolge, den Wasserabfluss zu verbessern. Eine "große" Lösung, Schutz vor einem 100-jährigen Hochwasser, lässt sich nach Desgranges' Ansicht nicht verwirklichen. Dafür müsse man nämlich Häuser abreißen.

Die neue Lauterbachstudie wird im Stadtratsausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt vorgestellt. Er tagt öffentlich - gemeinsam mit dem Lauterbacher Ortsrat - am Mittwoch, 11. November, 17.30 Uhr, im großen Saal des Neuen Rathauses.

Zum Thema:

HintergrundNach der Lauterbach-Studie von 2009 haben die Anwohner-Nöte mit Hochwasser und Fäkalienschmutz zwei Ursachen. Auf französischer Seite ist die Kanalisation unzulänglich, es strömt zuviel und mit zu viel Schmutz belastetes Wasser in den Bach. Auf deutscher Seite staut sich Wasser hinter Engstellen, die den Abfluss stark bremsen. Als Lösung hatten die Studien-Verfasser vorgeschlagen, das Carlinger Kanalnetz nach deutschen Standards auszubauen. Zentral dabei: Vergrößerung zweier Rückhaltebecken von 650/ 240 Kubikmetern auf 1950/ 750 Kubikmeter und Einbau von Reinigungs-Einrichtungen. In Lauterbach , so die Ingenieure , müsse man die Bachsohle reparieren und Engstellen aufweiten, um am ganzen, 2,8 Kilometer langen Bachlauf einen Mindest-Wasserabfluss sicherzustellen. Damalige Kostenschätzung: über zwei Millionen Euro in Frankreich, rund 600 000 Euro in Deutschland.Die Neubauten in L'Hôpital sind ein Wasserbecken mit 4600 und ein Reinigungsbecken mit 400 Kubikmetern Volumen. Nach Ansicht der Ingenieure haben sie fürs deutsche Lauterbach-Gebiet kaum Wirkung. dd