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In der Hüttenschänke steht zum Monatsende ein Betreiberwechsel an

Gastronomie : Zwei Völklinger Wirtsleute sagen jetzt Adieu

Dieter Baldauf und Helga Fehrentz prägten über viele Jahre die Hüttenschänke. Lisa Oguz tritt ab Oktober in ihre Fußstapfen.

Als kleiner Bub düste er noch mit dem Dreirad um den Tresen, während seine Eltern Liesel und Erwin Baldauf die Gäste der Hüttenschänke bedienten. Die beiden taten das von früh um fünf bis nachts um ein Uhr. Die Hüttenarbeiter bescherten dem Lokal einen großen Kundenstamm.

An diesem letzten Septembertag des Jahres 2019 steht Dieter Baldauf an der Seite seiner Partnerin und Mitbetreiberin Helga Fehrentz an der Schwelle zum Ruhestand. „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, wie er oft betont hat.

Das eine Auge lacht, weil Baldauf sich auf den neuen Lebensabschnitt freut. Denn zuletzt wurde es doch oft beschwerlich, den Betreib weiterzuführen. Nun war harte Arbeit den Baldaufs und ihrem Anhang noch nie ein Graus. Altersbedingte körperliche Gebrechen machten über die vergangenen Jahre jedoch das Arbeiten immer schwerer.

Hinzu kamen gesetzliche und behördliche Auflagen, allen voran das Nichtraucherschutzgesetz, das sich deutlich auf die Gästezahl ausgewirkt habe.

Ein Blick in die Geschichte: „Erwin und Liesel Baldauf haben mit dem Umbau des heutigen Wirtshauses eine wahre Erfolgsgeschichte ins Rollen gebracht“, hieß es vor neun Jahren zum goldenen Betriebsjubiläum des Gasthauses. 1961 hatten beide erstmals Gäste in der Hüttenschänke bewirtet.

Dieter Baldauf erklärte 2010: „Die Projektplanung und die Vertragsunterzeichnung mit Karlsberg waren bereits 1960, deswegen feiern wir dieses Jahr Jubiläum.“ Ursprünglich war das Haus in der Bismarckstraße mit der Nummer 122 eingeschossig. Damit darin ein Lokal von der Größe der Hüttenschänke entstehen konnte, musste das Anwesen zunächst so großzügig umgebaut werden, wie es die Völklinger heute kennen.

Die Identifikation mit dem damaligen Hauptarbeitgeber Hütte hat im Hause Tradition. An den Wänden hängen Bilder von Alfred Schneider mit den Titeln „Hütte“, „Schmiede“ und „Umwalzer“. Außerdem gehören Werkzeuge der Stahlarbeiter zur Dekoration. Schnell wurden von der Familie Baldauf eingeführte Aktionen wie das Schlachtfest und das Bockbierfest zu Langzeit-Erfolgen.

Ein Vierteljahrhundert lang waren Erwin und Liesel Baldauf die guten Seelen des Lokals. Dann setzten sie sich zur Ruhe. Inzwischen sind die beiden verstorben. Die Hüttenschänke blieb den Völklingern erhalten, sie war allerdings auf Jahre hinaus verpachtet.

Im Oktober 2000 beschlossen Dieter Baldauf und seine Partnerin Helga Fehrentz, die Familientradition wiederaufleben zu lassen. Baldauf erwähnt auch Bruder Alfred und dessen inzwischen verstorbenen Gattin Beate als Erfolgsgaranten für die Hüttenschänke. Nicht wegzudenken seien die treuen Bedienungen Madeleine Schmidt und Elke Imhof, denen die Baldaufs zum Dank heute etwas schenken.

Zu Jahresbeginn ergab sich die Gelegenheit, das Haus in der Bismarckstraße zu verkaufen. Die neue Inhaberin Lisa Oguz ist Pächterin beim neuen Hausherrn. Sie beginnt ihr Hüttenschänke-Kapitel am kommenden Freitag mit einer Siebziger-Jahre-Party und Livemusik.

Am letzten Tag seiner Gastronomie-Karriere bleibt Dieter Baldauf einer bewährten Familientradition treu. Er erteilt nämlich allen, die an diesem Abschiedsmontag auf Freibier spekulieren, eine Absage und zitiert dafür seinen verstorbenen Papa: „Hüttenschänke schreibt sich mit ,ä‘, weil wir hier nichts verschenken.“