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Dieses Phänomen kennt wohl so mancher Gastgeber
Immer diese maßlose Übertreibung

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Stets dasselbe: Sobald sich Gäste angesagt haben, läuft der Einkauf aus dem Ruder. Am Ende will man aber keine Reste in die Mülltonne werfen. Von Michèle Hartmann

Das reicht nie im Leben, denke ich, als ich im Warenhaus vor dem gut gefüllten Regal stehe und abschätzen muss, wie viel nun mit nach Hause geht. Hmmm, fünf Gäste haben sich angesagt. Überschlägig – wenn keiner das Auto mehr heim bewegt – würde ich mal sagen: Sechs Flaschen Weizenbier müssten genügen. Dazu noch sechs Flaschen Ur-Pils. Reicht das wirklich? Man will sich aber nicht blamieren und zu fortgeschrittener Stunde sagen müssen: „Entschuldigung, alles all.“ Deshalb packen wir nun doch 14 Flaschen Weizenbier und 18 Pils in den Warenkorb. Das geht ja auch nicht kaputt, jedenfalls sehr lange nicht. Beim Fleisch tut sich die gleiche Frage auf: Wie viel darf’s denn sein? Da gibt es zwei Varianten. Ich denke, dass die große Drei-Kilo-Packung mit den Steaks eine gute Wahl ist. Dazu noch drei Packungen mit Grillwürsten. Hinzu gesellen sich Kräuterbutter und passende Saucen, die auch selten jemand verschmäht. Die Zutaten für die Nachspeise wollen wir ebenfalls nicht kleinlich bemessen, denn es beruhigt das Gewissen, stets etwas mehr im Haus zu haben. Französisches Weißbrot wird stets gern genommen, und so wollen wir auch hier nicht knickrig sein: Vier große Exemplare gesellen sich zur Ware, die sich bereits im Auto auftürmt. Zuhause werden zwei große Schüsseln mit Nudel- und Kartoffelsalat zubereitet plus Tomaten mit Mozzarella – man hofft auf den gewaltigen Appetit der Freunde.


Am frühen Abend – es sind noch 30 Grad im Schatten – trudeln die Gäste ein. Und was soll ich Ihnen sagen: Das Sprudelwasser war der Hit. Sehr viele Flaschen leerten sich, dazu trank der eine oder andere ein wenig Wein. Sodass am Ende kein einziges Bier den Kühlschrank verlassen hatte. – Immer dasselbe. Seit rund 35 Jahren mit eigenem Haushalt, sind der Übertreibung noch immer Tür und Tor geöffnet. Vernünftige Portionen – das kriege ich nicht hin. Und so war mal wieder ausgiebige Reste-Verwertung angesagt. Tomaten mit Mozzarella? Kann ich nicht mehr sehen. Kartoffelsalat? Nach drei Tagen fängt man an, ihn zu hassen. Der Nachwuchs wiederum erfreute sich an einem gewaltigen Steak. Auf alles andere hat er gepfiffen. Und das Bier? Könnte man mal im Bad ausprobieren. Vielleicht macht es so schön wie einst Kleopatras Eselsmilch.