| 20:14 Uhr

Musik-Projekt
Selbstbewusste Völklinger Jung-Talente

Ein Autogramm auf der selbst produzierten CD für den Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (rechts)? Aber klar, da ziert sich die Nachwuchs-Band VK Allstars aus dem Völklinger Juz nicht – von links: Ilia Stanchev, Fabio Pullara und Bilal Karabacak.
Ein Autogramm auf der selbst produzierten CD für den Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (rechts)? Aber klar, da ziert sich die Nachwuchs-Band VK Allstars aus dem Völklinger Juz nicht – von links: Ilia Stanchev, Fabio Pullara und Bilal Karabacak. FOTO: BeckerBredel
VÖLKLINGEN. Rappen für die Rechte von Jugendlichen: Im Völk­linger Jugendzentrum präsentierten junge Leute eigene Musik, entstanden im Projekt „Demokratie leben!“. Von Thomas Annen

Freitagnachmittag im Völklinger Jugendzentrum (Juz) in der Hofstattstraße: Gespannt warten die Besucher auf die Vorstellung der selbst produzierten CD. Präsentiert wird auch das dazugehörige Musikvideo. Bevor es los geht, verteilen die drei Jungs von den VK Allstars – das sind Bilal (14), Fabio (11) und Ilia (13) – schnell noch ein paar Gratis-CDs. Na klar, Zeit für ein Autogramm auf der Hülle bleibt auch noch.


Von Anspannung ist bei den Nachwuchssängern nicht viel zu spüren, gerne sprechen sie kurz vor dem Auftritt noch mit der Presse. Was hat am meisten Spaß gemacht? „Alles!“, versichert das Trio einhellig. Und was war schwierig bei dem Projekt? Die Frage wird ebenfalls wie mit einer Stimme beantwortet: „Nichts!“

Als die Hiphopper wenig später zum Mikrofon greifen, wird klar, dass keiner von ihnen auf den Mund gefallen ist. „Ich bin jung, doch ich weiß, was ich will“, singen die Jungs. Textsicher und ausdrucksstark präsentieren sie ihr Lied. Ihr etwas älterer Kollege, der anschließend das Mikro übernimmt, hat sich bereits einen Künstlernamen zugelegt. Royal (19) überzeugt das Publikum ebenfalls. Während die Zuhörer applaudieren, klatschen die jungen Künstler cool ab. Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD) ist beeindruckt. „Das war großartig“, schwärmt der Gast aus dem Saarbrücker Schloss bei der Veranstaltung im Völklingen.



Zum Titel „Meine Entscheidung“ wurde ein Video gedreht: Die Jungs fahren Rad oder ziehen zu Fuß durch Völklingen. Die Botschaft, die sie selbstbewusst in die Kamera singen, lässt keine Zweifel, wer über ihr Leben entscheidet: sie selbst.

„Rip the mic and raise your voice“, lautete das Motto des Projektes (auf Deutsch heißt das: Schnapp dir das Mikro und erhebe deine Stimme). „Es hat sehr viel Spaß gemacht. Manchmal war es auch stressig“, berichtet Betreuer Lukas Wenzel. Er hat festgestellt, dass seine Schützlinge sehr talentiert sind. Im Tonstudio konnten die jungen Leute auch technisches Fachwissen erwerben.

Bei dem Projekt gab es externe Unterstützung: Die Musikerkollegen von der Band WE2SICK produzierten die Beats und mischten die Scheibe der jungen Leute ab.

Die acht Songs, die die neun Projektteilnehmer geschrieben haben, handeln von Selbstbestimmung und Identitätsfindung. Es geht um Kinderrechte und die Rechte von Jugendlichen. „Meine Story“ oder „Ich bin, wer ich bin“ heißen die Hiphop-Titel. „Ich habe Rechte, obwohl ich jung bin. Dass ich jung bin, heißt nicht, dass ich dumm bin“, betont der Nachwuchs im Song „Schule ist wichtig“. Bereits im Sommer hat es im Völklinger Jugendzentrum ein Hiphop-Projekt gegeben. Dabei haben die jungen Leute Beats gebaut und Texte geschrieben, sich als Graffiti-Sprayer und als Discjockeys versucht.

Gefördert wurde das CD- und Videoprojekt durch das Programm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Unterstützt werden Initiativen, die sich für ein vielfältiges, gewaltfreies und demokratisches Miteinander einsetzen. Die Fördersumme für das Jahr 2018 beträgt insgesamt 120,5 Millionen Euro, bundesweit.

Von dieser Summe konnte der Regionalverband Saarbrücken 69 000 Euro an Einzelprojekte weitergeben, wobei die Landeshauptstadt Saarbrücken – sie hat einen eigenen Fördertopf – ausgespart blieb. Im Jahr 2019 geht das Programm weiter; im Regionalverband Saarbrücken (wieder ohne die Stadt Saarbrücken) stehen dann 73 000 Euro zur Verfügung.