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Baustellen-Stress
Im Februar soll der Asphalt fertig werden

Seit dem Spätherbst 2017 haben sie ein Fahrbahn-Provisorium aus Sand und Schotter vor der Haustür: Gertrud Herb, Chiara Urban, Ingried Pies, Siegried Frenz und Ronald Pies (von links) in der Völk­linger Straße Auf Kleinscheid.   
Seit dem Spätherbst 2017 haben sie ein Fahrbahn-Provisorium aus Sand und Schotter vor der Haustür: Gertrud Herb, Chiara Urban, Ingried Pies, Siegried Frenz und Ronald Pies (von links) in der Völk­linger Straße Auf Kleinscheid.   FOTO: BeckerBredel
Völklingen. In der Völklinger Straße Auf Kleinscheid wurden im Herbst Leitungen erneuert. Seither leben die Anlieger mit einem Straßen-Provisorium – und ohne Infomationen. Von Doris Döpke

Baustellen sind unbeliebt. Speziell direkt vor der Haustür. Erst recht, wenn sie länger dauern als gedacht. Endgültig zum Objekt des Zornes werden sie, wenn die Anwohner  im Dunkeln tappen, wann die Aktion beendet sein wird.



Gut zu beobachten derzeit in der Völklinger Straße Auf Kleinscheid, zwischen Heinestraße und Püttlinger Straße gelegen. Schmales Sträßchen mit niedrigen Wohnhäusern, Grün drumrum, kaum Durchgangsverkehr – angenehmes Wohnen. Im Prinzip. Aber: Da war eine Baustelle. Und die nervt immer noch, weil nicht zu Ende. Deshalb hat Anwohner Ronald Pies sich – quasi stellvertretend für die ganze Nachbarschaft – an die SZ gewendet.

Mitte August, berichtet er, hätten die Völklinger Stadtwerke angekündigt, dass sie die Gas- und Wasser-Hauptleitungen in der Straße erneuern wollen. Sie hätten dabei versprochen, die aufgegrabenen Flächen nach getaner Tat wieder so herzustellen, wie sie zuvor waren; Teerasphalt, sagt Pies. Anfang September habe die Rohrverlegung begonnen, die Hausanschlüsse folgten Ende November („sechs Wochen nach dem genannten Termin“, merkt Pies kritisch an). Schließlich wurden die aufgerissenen Flächen verfüllt und geteert – „nicht aber vor den Anwesen 1 bis 13“. Dazu habe es Mitte Dezember die Auskunft gegeben, dort werde man auch nicht neu asphaltieren. Denn 2018 seien dort Kanalarbeiten geplant, für die die Straße erneut aufgerissen werden müsse. Von wem? Wie? Und vor allem: Wann? Dazu habe man nichts erfahren. Die Anwohner in zwei Stichstraßen blieben mit einem Provisorium zurück: Vor ihren Türen haben sie einen Holper-Stolper-Straßenbelag aus verdichtetem Sand und Schotter. Ein Ärgernis. Ärgerlich auch, sagt Pies, dass man beim derzeitigen Dauerregenwetter von da aus viel Schmutz in die Wohnungen trage. Der Straßenzustand sei vorher schon schlecht gewesen, bereits 2015 hätten Anlieger  die Stadtverwaltung darauf aufmerksam gemacht. Aber ob die jetzige Holper-Stolper-Strecke eine Rückführung zum vorigen Zustand sei?

Nein, sei es natürlich nicht, sagt Dirk Scheffner, Geschäftsführer der Stadtwerke Netz GmbH, auf SZ-Nachfrage. Mit der Stadt sei die Netzgesellschaft voriges Jahr übereingekommen, die Baustelle erstmal nur provisorisch zu schließen. Denn es sei ja unsinnig, eine Straße zweimal kurz hintereinander aufzureißen. Die Schlussreparatur werde die Stadt erledigen, nach Abschluss ihrer Kanalarbeiten, „wir sind raus“. Bis aufs Geld: Die Stadtwerke hätten dann finanziell so viel beizusteuern, wie sie jetzt fürs Asphaltieren hätten aufwenden müssen.

Die Auskunft aus dem Rathaus hört sich etwas anders an. „Von Seiten der Stadt Völklingen stehen aktuell keine Kanalbaumaßnahmen an“, erklärt Stadtpressesprecher Uwe Grieger. Und: „Die Stadtwerke Völklingen werden die ausstehenden Asphaltarbeiten durchführen, sobald die Witterung dies zulässt. Dies haben die Stadtwerke auf unsere aktuelle Nachfrage ausdrücklich versichert.“ Wie bitte? Stadtwerke-Mann Dirk Scheffner, erneut befragt, sagt’s nicht direkt. Aber er macht energisch deutlich, dass er eine andere Absprache für gültig hält: „Dass wir asphaltieren werden, stimmt so nicht.“ Und Kanalarbeiten hätten die zuständigen Stadt-Leute im Gespräch mit den Stadtwerken erwähnt, zumindest habe man sowas wohl geprüft.

Stadtwerke-Verwaltung und Neues Rathaus sind nur etwa 100 Meter Luftlinie voneinander entfernt; wer  die Hohenzollernstraße quert, kommt auf direktem Weg von A nach B. Die Kommunikationswege scheinen allerdings verschlungen. Und noch deutlich holpriger als das Fahrbahn-Provisorium Auf Kleinscheid. Erst am Donnerstagnachmittag klärt eine neue Auskunft aus dem Rathaus die Sachlage. Kein Kanalbau, teilt Pressesprecher Uwe Grieger mit, aber die Stadt wolle die beiden Stichstraßen einschließlich der Wendehammer mit einer neuen Asphaltdeckschicht überziehen  lassen. Dazu seien noch „Angleichungsarbeiten an der Rinnenanlage und an Schachtdeckeln“ nötig – bisher nicht zu machen wegen des Wetters und der jahreszeitlich üblichen Asphaltpause. „Im Sinne einer Kostenminimierung wurde dieser wirtschaftlichste Weg auch im Sinne der Bürgerinnen und Bürger eingeschlagen“, erklärt Grieger. Sobald die Baufirmen wieder über Warmasphalt verfügen – Ende Februar – , werde die Stadt „umgehend“ die Rest-Arbeiten in Auftrag geben.  Und, salomonisch, am Schluss: Aus Sicht der Stadtwerke und der Stadt werde so „ein Weg beschritten, der den Missstand so schnell als möglich abstellt“.